Es gibt sie gerade bei Netflix immer wieder: Diese Titel, die im Vorfeld niemand wirklich auf dem Schirm hat, die sich dann aber zu umso größeren Überraschungs-Hits entwickeln. „Squid Game“, „Adolescence“ und selbst der bis dato größte Netflix-Erfolg überhaupt, „KPop Demon Hunters“, gehören in diese Kategorie – ebenso wie die an die Nieren gehende Miniserie „Rentierbaby“, die im Jahr 2024 zweifellos zu den meistdiskutierten Titeln des Streamers überhaupt zählte.
Umso gespannter waren Fans der Serie, was Autor und Hauptdarsteller Richard Gadd nach seiner preisgekrönten autobiographischen Stalker-Geschichte als nächstes aus dem Hut zaubern würde. Die Antwort gibt es nun ziemlich genau zwei Jahre später, jedoch nicht bei Netflix, sondern bei der in Deutschland noch recht jungen Streaming-Konkurrenz: „Half Man“ startet am heutigen 24. April 2026 bei HBO Max. Immer freitags erscheint eine neue Folge der Miniserie, deren Geschichte dann nach sechs Episoden abgeschlossen ist.
Wie schon bei „Rentierbaby“ zeichnet Gadd hier nicht nur als Schöpfer und Autor hauptverantwortlich, sondern hat auch eine der Hauptrollen übernommen – wobei er im Bad-Guy-Look und ordentlich draufgepackter Muskelmasse kaum noch wiederzuerkennen ist. Ihm gegenüber mimt „Billy Elliot“-Star Jamie Bell den zweiten Protagonisten, der eine mehr als komplizierte Beziehung zu Gadds Figur hat...
Toxische Bruderschaft: Das ist die Story von "Half Man"
In jungen Jahren muss sich Teenager Niall (Mitchell Robertson) von einem Tag auf den anderen sein Zimmer und sein Leben plötzlich mit dem dem frisch aus dem Jugendknast entlassenen Ruben (Stuart Campbell) teilen, schließlich sind die Mütter der beiden Jungs nun seit einiger Zeit ein Paar. Niall ist fasziniert, aber auch eingeschüchtert von seinem aufbrausenden Bruder.
Dennoch wachsen die so unterschiedlichen Jugendlichen mehr und mehr zusammen – bis ein Gewaltausbruch alles verändert. Über die Jahre tun sich immer wieder Möglichkeiten auf, das vetrackte Verhältnis der Stiefgeschwister (jetzt Jamie Bell und Richard Gadd) noch zu kitten. Doch auf Nialls Hochzeit kommt es eines Tages zur endgültigen Abrechnung...
Lohnt sich "Half Man"?
Wir konnten alle sechs Folgen von „Half Man“ bereits vorab sehen und können zumindest eine vorsichtige Empfehlung aussprechen. Richard Gadd arbeitet sich in seinem neuen Projekt zwar recht plakativ an komplexen Themen wie Familie und Beziehungen, (toxische) Männlichkeit und (sexuelle) Identität ab, sorgt aber auch diesmal wieder für unglaublich intensive Momente. Das liegt nicht zuletzt am Spiel von Gadd selbst, der nicht nur durch seine veränderte Physis in jeder Szene eine Bedrohlichkeit ausstrahlt, die ihresgleichen sucht.
Regelrecht elektrisierend wird es zudem immer dann, wenn er mit dem nicht minder stark aufspielenden Jamie Bell zusammentrifft und man bei sich aufstauendem Unbehagen nur darauf wartet, wann es nach zwischenzeitlich aufblitzenden Lichtblicken das nächste Mal knallt.
Nur schade, dass die Serie ihren zwei Hauptfiguren nicht den Raum bietet, auch ihr meist lediglich im Off beschriebenes Zusammenwachsen tatsächlich sichtbar zu entwickeln, sondern sich mit sehr ähnlichem und daher irgendwann recht redundantem Erzählmuster von einem Problem zum nächsten hangelt, denen somit ein wenig der emotionale Nährboden fehlt. „Half Man“ ist daher kein zweites „Rentierbaby“, aber mit diesem Wissen durchaus einen Blick wert.
Den Trailer zur Serie könnt ihr euch nachfolgend auch noch mal im englischen Original anschauen:
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