TV-Premiere: Ein schwitziger Liebes-Thriller mit freizügigen Topstars – und einem Seitenhieb auf Quentin Tarantino!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

„The Substance“-Star Margaret Qualley und Taylor Swifts „Folklore“-Kollaborateur Joe Alwyn schwitzen und lieben in Nicaragua: Heute feiert der Thriller „Stars At Noon“ deutsche Fernsehpremiere!

In den Filmen der Regisseurin Claire Denis spielt Körperlichkeit eine immense Rolle. So ging der bewegte, bewegende Schlussakt ihres Militär-Psychodramas „Der Fremdenlegionär“ in die Kinogeschichte ein, und ihr kontroverser, abgründig-sinnlicher Schocker „Trouble Every Day“ vermengt auf soghafte Weise Erotik mit Horror.

Zugleich ist die Französin eine sehr politische Filmemacherin, die sich unter anderem mit den lang nachhallenden Auswirkungen der Kolonisation befasst. Daher war es keine Überraschung, als sich Denis während der Corona-Pandemie des Romans „The Stars At Noon“ von Denis Johnson annahm, der von einer verfolgten US-Amerikanerin erzählt, die während der Nicaraguanischen Revolution eine hitzige Beziehung mit einem Briten beginnt.

Obwohl Denis' „Stars At Noon“ 2022 bei den Filmfestspielen von Cannes den Großen Preis der Jury gewann, flog ihr erotisierter Liebes- und Polit-Thriller abseits des prestigeträchtigen Festivals weitestgehend unter dem Radar. Jetzt könnt ihr ihn denkbar leicht nachholen: Heute, am 6. Mai 2026, feiert „Stars At Noon“ ab 23 Uhr bei arte seine deutsche TV-Premiere – zudem ist der Film mit „The Substance“-Star Margaret Qualley vorübergehend in der arte-Mediathek abrufbar. Des Weiteren ist er auf diversen Plattformen als Leih- und Kauf-VOD erhältlich, etwa Amazon Prime Video.

Darum geht es in "Stars At Noon"

2020: Die US-Journalistin Trish (Margaret Qualley) sitzt ohne Pass und ohne Geld in Nicaragua fest, während sie von Polizei und Militär haarklein beobachtet wird und die Corona-Pandemie wütet. Um trotzdem irgendwie das Land zu verlassen, trickst sie sich mit Lügen und der aktuell so gefährlichen, körperlichen Nähe durch den Tag.

So kommt sie an Geld, Schutz und Versprechen. Im abgeschirmten, dekadenten Mikrokosmos eines internationalen Luxushotels lernt sie den kultivierten Geschäftsmann Daniel (Joe Alwyn) aus Großbritannien kennen, der sich mit seinem Wissen in diplomatischen und wirtschaftlichen Dingen als wichtiger Verbündeter anbietet. Aus der Bekanntschaft wird eine Affäre – und auf die wird Druck ausgeübt...

Dekonstruierte, furchtsame Erotik (und ein Gruß an Quentin Tarantino)

1984, als der Roman „The Stars At Noon“ in den Handel kam, waren Erotikthriller noch ein vitales Genre im Mainstreamkino. Anfang der 2020er-Jahre wiederum stellte Denis' „Stars At Noon“ eine Anomalie dar – auch wenn sich langsam wieder der Wind dreht. Regisseurin/Autorin Denis und ihre Skript-Mitwirkenden Andrew Litvack & Léa Mysius zahlen in ihrer Interpretation der Vorlage auf das in der Zwischenzeit gewandelte gesellschaftliche und filmkulturelle Klima ein:

In vielerlei Hinsicht ist die rund 40 Jahre nach der Buchvorlage spielende Verfilmung eine Dekonstruktion des Romans. Weniger verharmlosende Klischees, weniger Hochglanzherrenmagazinoptik, viel weniger Romantik – mehr Beklemmung, Schweiß, Schmutz und stockend heruntergeschluckte Angst. Nicht nur die im Zentrum stehende Beziehung verliert Glamour, sondern auch die Protagonistin, die im Film eher einer überforderten und hilflosen Journalismus-Tagelöhnerin gleicht als einer vorausplanenden Verführerin.

Diese Charakterisierung setzt sich in Trishs Privatleben fort. Dadurch intensiviert Denis' „Stars At Noon“ den schon zwischen den Zeilen der Vorlage liegende Beobachtung, dass manche Liebe (oder so manches amouröses Intermezzo) von ständiger Versagensangst geprägt ist, nicht von munter im Bauch flatternden Schmetterlingen.

Sinnlich ist der daraus resultierende Filmsex nicht – er ist sehr entrückt, ächzend und auf einzelne Körperteile fokussiert, wo romantischere Filme die Einheit zweier Körper zelebrieren würden. Damit geht aber auch ein Gruß an einen Regiekollegen Denis' einher, wie FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen in seiner Rezension festhielt:

„Auch Quentin Tarantino kriegt dabei einen Seitenhieb ab, wenn Denis sehr prominent die dreckigen Füße von Margaret Qualley ins Bild rückt. Schließlich hat der Shootingstar diese bei ihrer Arbeit mit dem berüchtigten Fußfetischisten Tarantino noch lasziv auf Brad Pitts Armaturenbrett ausgestreckt.“

Und wenn ihr mehr über einen Erotikthriller aus den 1990er-Jahren erfahren wollt, in dem unter anderem Bruce Willis blankzieht, dann solltet ihr den folgenden Artikel lesen:

Dieser Thriller-Flop gilt als einer der schlechtesten Filme von Bruce Willis – dabei ist er besser als sein Ruf

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