"Ein bemerkenswerter Film": Dieses viel zu unbekannte Monumental-Epos hat Martin Scorsese begeistert und bewegt
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Als vor 65 Jahren ein so aufwändiger wie ungewöhnlicher Bibelfilm in die Kinos kam, hat Martin Scorsese ihn ignoriert. Erst 20 Jahre später holte er das Werk nach – und war ziemlich angetan!

Martin Scorsese ist mittlerweile 83 Jahre alt – doch noch immer setzt sich die lebende Hollywood-Legende unermüdlich für das Kino ein. Zum einen steht er fast 60 (!) Jahre nach seinem ersten Langfilm noch immer regelmäßig hinter der Kamera: Zurzeit dreht er gemeinsam mit Jennifer Lawrence und seinem Stammdarsteller Leonardo DiCaprio den Psychothriller „What Happens At Night“. Zum anderen engagiert sich Scorsese seit Jahrzehnten leidenschaftlich für die Bewahrung und Sichtbarkeit der Filmgeschichte. Mit seiner Organisation „The Film Foundation“ hat er bereits hunderte gefährdete Klassiker des Weltkinos restaurieren lassen und so für künftige Generationen bewahrt.

Auch in Interviews und Texten teilt Scorsese regelmäßig seine Begeisterung für einzelne Filme. Im Gesprächsband „Scorsese On Scorsese*“ hat er so über ein Monumental-Epos gesprochen, das er zu seinem Erscheinen im Jahr 1961 zunächst ignoriert hat. Erst 20 Jahre später hat er das Werk nachgeholt – und war dann unerwartet begeistert. Die Rede ist von „Barabbas“ von Richard Fleischer („Red Sonja“).

Barabbas
Barabbas
Starttermin 21. September 1962 | 2 Std. 24 Min.
Von Richard Fleischer
Mit Anthony Quinn, Silvana Mangano, Arthur Kennedy

Der zweifache Oscar-Preisträger Anthony Quinn („Viva Zapata!“, „Vincent Van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“) verkörpert in dem Film die Titelfigur des Barabbas – also jenes Mannes aus dem Neuen Testament, der von Pontius Pilatus begnadigt wird, während Jesus gekreuzigt wird. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Pär Lagerkvist begleitet ihn anschließend über viele Jahre hinweg durch das Römische Reich und erzählt vor allem von seinem Ringen mit dem eigenen Glauben.

Darum war Martin Scorsese von "Barabbas" so begeistert

Religion hat im Werk des katholisch aufgewachsenen Scorsese seit jeher eine große Rolle gespielt – in „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) und „Silence“ (2016) sogar ganz explizit. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass er die Sichtung von „Barabbas“ so lange aufgeschoben hat. Weniger verwunderlich ist aber, dass ihm der Film, der damals vor allem in Italien ein großer Erfolg war, ziemlich gut gefallen hat:

„Ich fand ihn sehr bewegend wegen Barabbas' Kampf zu verstehen, warum ausgerechnet er verschont wurde und was Gott von ihm wollte, bis er schließlich selbst gekreuzigt wird. In dem spirituellen Kampf seiner Figur fand ich wahrscheinlich eine der besten Darstellung, die Anthony Quinn je gegeben hat. […] Es ist ein bemerkenswerter Film über einen Mann, der versucht, sich selbst zu finden.“

Um die in der Bibel beschriebene „Finsternis bei der Kreuzigung“ möglichst realitätsnah nachzustellen, drehte Fleischer die Kreuzigungsszene sogar während einer echten Sonnenfinsternis. Neben Scorseses lobenden Worten ein weiterer guter Grund, „Barabbas“ 65 Jahre nach seinem Erscheinen wiederzuentdecken. Das gilt übrigens auch für einen Western, mit dem einer der größten Schauspieler aller Zeiten seinen einzigen Film als Regisseur verantwortete. Um welchen Titel es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Ein Western wie kein anderer": Martin Scorsese bewundert diesen "visuell atemberaubenden" Film einer Hollywood-Ikone

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