Ein möglichst flächendeckender Kinostart kann überaus hilfreich sein, wenn man will, dass ein Kinofilm sein Publikum findet und ordentlich Eindruck hinterlässt. So startete der Megahit „Avengers: Endgame“ in den USA und Kanada in 4.662 Spielstätten. Doch ein breiter Start ist keine Erfolgsgarantie, was solche in Vergessenheit geratene Filme wie der Action-Thriller „The Rhythm Section – Zeit der Rache“ (3.049 Leinwände zum Start in den USA und Kanada) oder das Lucasfilm-Animationsmusical „Strange Magic“ (3.020 Spielstätten) beweisen.
Umgekehrt gelten dieselben Regeln: Ja, Filme mit verschwindend kleinen Kinostarts können durch diese leicht übersehbare Auswertung in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch dann gibt es Filme wie den von schwarzem Humor und massig Blutvergießen durchzogenen Selbstjustiz-Actionthriller „Der blutige Pfad Gottes“: Von miesen US-Kritiken begleitet, lief er auf seinem Heimatmarkt in gerade einmal fünf Kinos. Und in Deutschland hatte er gar keine reguläre Kinoauswertung – dennoch stieg er zum kultisch verehrten, modernen Klassiker auf!
Darum geht es in "Der blutige Pfad Gottes"
Beim Versuch, ausgerechnet am St. Patricks Day einen Pub im von irischstämmigen Familien bevölkerten Süden Bostons zu schließen, hat sich die russische Mafia gewaltig verschätzt: Die Stammgäste und Brüder Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy MacManus (Norman Reedus) üben verbissenen, tatkräftigen Widerstand! Die Fieslinge tätigen daraufhin schwer lädiert einen taktischen Rückzug, um sich am nächsten Tag die irren Iren vorzuknöpfen.
Schwerer Fehler: Die Mafia-Handlanger bezahlen das mit dem Leben, Connor und Murphy werden aufgrund ihres entschiedenen Handelns gegen das organisierte Verbrechen zu lokalen Helden und beschließen, den Pfad der Bestrafung weiter zu beschreiten. Ein handfester, bleischwerer, blutgetränkter Kampf gegen die russische und italienische Mafia beginnt – was den exzentrischen Polizisten Paul Smecker (Willem Dafoe) auf den Plan ruft...
Ein Regisseur im Höhenflug, ein verzögerter Kulterfolg
Die US-Presse stürzte sich mit gewetzten Messern auf „Der blutige Pfad Gottes“: Vielfach als pubertärer, im mehrfachen Wortsinne hässlicher Tarantino-Abklatsch beschimpft, steht Troy Duffys Regiedebüt bei mageren 26 Prozent auf der Kritiken-Aggregatorseite Rotten Tomatoes. Und das zahlende Publikum hatte gar nicht erst die Gelegenheit, den brachialen Feldzug zweier Sprüche klopfender Gegenwarts-Revolverhelden für sich zu entdecken – was sich auf das Verhalten des Regisseurs zurückführen lässt.
Denn der einflussreiche Indiefilm-Verleih Miramax stieg noch in der Entwicklungsphase bei „Der blutige Pfad Gottes“ ein – und das für eine beträchtliche Summe. Der sich abzeichnende, kometenhafte Aufstieg stieg Duffy allerdings zu Kopf: In Windeseile verscherzte er sich durch arrogantes Geprahle, Egospielchen und Schimpftiraden mit Freunden, Familienmitgliedern und Hollywood-Größen wie „Top Gun“-Produzent Jerry Bruckheimer sowie den Stars Ethan Hawke und Keanu Reeves, die für die „Der blutige Pfad Gottes“-Hauptrollen im Gespräch waren. Schlussendlich brachte er sogar den damaligen Miramax-Boss und gefürchteten Mogul Harvey Weinstein gegen sich auf, der mittlerweile als Sexualstraftäter im Knast sitzt.
Weinstein brach die Zusammenarbeit mit Duffy ab, informierte seine Kontakte über das Verhalten des Newcomers und zog Miramax' Beteiligung am Projekt ab, woraufhin der Film mit Hilfe eines kleineren Studios für ein stark gekürztes Budget umgesetzt werden musste und sich bloß der Mini-Verleih Indican Pictures für den US-Vertrieb von „Der blutige Pfad Gottes“ interessierte. Die Dokumentation „Overnight“ geht übrigens detaillierter auf diese Vorfälle ein:
Auf dem US-amerikanischen und kanadischen Markt reichte es letztlich bloß für Einnahmen von 30.741 Dollar, verteilt über fünf Kinos. In Deutschland sah es für „Der blutige Pfad Gottes“ nicht besser aus: Nach Kinoaufführungen im Rahmen des Fantasy Filmfests im Sommer 1999 wanderte das zynische Selbstjustiz-Vergnügen direkt auf den Videomarkt. Eine FSK-Freigabe wurde ihm verwehrt, stattdessen nickte ihn schlicht die SPIO/JK ab.
2001 landete „Der blutige Pfad Gottes“ dann auf dem Index, weil die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ihn als Glorifizierung ruchloser Gewalt und Selbstjustiz erachtete. 2012 erwirkte das Heimkino-Label Capelight Pictures allerdings eine Listenstreichung und brachte ihn anschließend uncut mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren neu in den Handel. Vielleicht haben die elf Jahre, in denen „Der blutige Pfad Gottes“ bloß unter der Ladentheke erhältlich war, dem hiesigen Ruf des Films gut getan:
Während im US-Diskurs die Schelte vorherrscht, Duffy hätte alle erdenklichen, falschen Schlüsse aus Tarantinos Gangsterfilm-Erfolgen gezogen, wird der Kultknaller hierzulande deutlich wärmer als provokanter, doppelbödiger Actionspaß aufgenommen. So heißt es schon in der FILMSTARTS-Kritik von Deike Stagge: „Neben den blutrünstigen Schießereien kann 'Der blutige Pfad Gottes' beim filmverwöhnten Publikum auch mit seinem Zynismus und dem Augenzwinkern auf Religion und polizeiliche Ermittlungsarbeit punkten.“ Oder, kurzgefasst: „Ein Must-See“!
Ein absolutes Muss für Actionfans ist, zumindest laut Quentin Tarantino, auch der Film, den wir euch im folgenden Artikel vorstellen:
"Ich habe ihn 4x gesehen, und jedes Mal gefällt er mir mehr": Quentin Tarantino liebt diesen grandios inszenierten Action-ThrillerUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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