Ich sage es ehrlich: Bislang konnten mich die Produktionen von Simon Verhoeven nie richtig abholen. Filme wie „Alter weißer Mann“ und „Willkommen bei den Hartmanns“ lösen bei mir noch heute Fluchtreflexe aus, und selbst das Milli-Vanilli-Biopic „Girl You Know It’s True“ ließ mich trotz guter Ansätze eher gelangweilt im Kinosessel zurück. Kurzum: Zwischen mir und dem Regisseur hat es bisher einfach gar nicht gefunkt.
Als „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ angekündigt wurde, hatte ich trotz der Vorlage von Joachim Meyerhoff dementsprechend wenig Hoffnung. Doch die ersten Stimmen versprachen einen wirklich guten Film. Richtig neugierig wurde ich dann, als bei FILMSTARTS eine begeisterte 4,5-Sterne-Kritik erschien. War die Romanadaption wirklich so großartig oder hatte unser Autor Kamil Moll einfach nur maßlos übertrieben?
Und was soll ich sagen? Ich kann dieser Wertung nur beipflichten. Simon Verhoevens neuester Film ist großes Kino – und wahrscheinlich einer der emotionalsten und witzigsten deutschen Filme, die wir in den letzten Jahren auf der großen Leinwand bestaunen durften. Wer nach diesen 137 Minuten nicht zum Telefonhörer greift, um direkt bei seinen Großeltern durchzuklingeln, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Ihr wollt euch jetzt selbst ein Bild machen? Dann habt ihr gleich doppelt die Gelegenheit dazu, denn „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist nicht nur im Heimkino erschienen und kann auf DVD* erworben werden, sondern ist inzwischen auch im Streaming-Abo von HBO Max verfügbar:
Die wunderliche Welt der Großeltern
Neben den grandiosen Leistungen von Bruno Alexander („Die Discounter“), Senta Berger („Weißt du noch“) und Michael Wittenborn („Merz gegen Merz“), die als Enkel-Großeltern-Trio natürlich das Herzstück des Films bilden, sind es insbesondere die präzise beobachteten und stark in Szene gesetzten, intim-verschrobenen Eigenarten der Figuren, die „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ so unverschämt herzlich werden lassen.
Sektkorkenabdrücke an der Decke, allabendliche Trinkgelage, die als gute Sitte verkauft werden, Rituale bei der Medikamenteneinnahme und aus der Zeit gefallene Kosenamen: All diese Sonderlichkeiten fühlen sich seltsam vertraut an. In diesen Momentaufnahmen spiegeln sich die eigenen Erinnerungen an Kindheitsbesuche bei den Großeltern wider: die Konfrontation mit neuen und ungewohnten Alltagsroutinen, die auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig erschienen, inzwischen aber als liebevolle Erinnerungen im Herzen getragen werden.
Doch auch darüber hinaus macht „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ einfach verdammt viel richtig. Joachims Selbstfindungsphase und sein Umgang mit der eigenen Trauer liegen irgendwo zwischen jugendlicher Überheblichkeit, Unsicherheit und kompletter Überforderung. Zugleich wird seine Geschichte zu einer skurrilen Odyssee durch den Alltag einer Theaterausbildung. Der Höhepunkt ist dabei Joachims grandios scheiternder Versuch, einen Monolog aus „Effi Briest“ als Nilpferd vorzutragen. Das muss man gesehen haben, um es zu glauben.
Ich kann euch diesen Film nur wärmstens ans Herz legen – selbst dann, wenn ihr deutschen Komödien sonst nicht allzu viel abgewinnen könnt. Wer noch eine weitere großartige Produktion aus Deutschland sehen möchte, findet hier eine weitere Heimkino-Empfehlung:
Eines der größten Kino-Highlights 2025 solltet ihr spätestens jetzt nachholen: Dieser Jahrhundertfilm geht durch Mark und Bein!Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.