Heute im TV: Eines der größten Wunder der deutschen Nachkriegsgeschichte – 118 Minuten pure Fussball-Emotionen
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
Stefan liebt Film. Er vermisst die wöchentlichen Besuche in der Videothek, denn das ziellose Umherirren in den Gängen hat ihm Seherfahrungen wie "Donnie Darko" oder "Fear and Loathing in Las Vegas" beschert.

„Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann ist insbesondere ein Highlight-Film für Fußball-Romantiker – und damit die ideale Möglichkeit, sich auf die anstehende Weltmeisterschaft 2026 vorzubereiten.

Es gibt einige legendäre Fußballmomente, die wohl jeder Sportfan kennt. Dazu gehören beispielsweise das Wembley-Tor, Zidanes Kopfstoß bei der WM 2006 oder Maradonas „Hand Gottes“ im Jahr 1986. Einen ganz besonderen Platz im Herzen deutscher Fußballfans besitzt zweifelsohne das Wunder von Bern – jener historische Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, bei dem sich die wieder startberechtigte deutsche Nationalmannschaft gegen die hoch favorisierten Ungarn durchsetzen konnte.

Wer mal wieder richtig Lust auf Fußballromantik hat oder sich emotional auf die anstehende WM 2026 vorbereiten will, sollte am heutigen 9. Juni 2026 um 20.15 Uhr Kabel Eins einschalten, denn dort läuft Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“. Eine Wiederholung läuft in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 3.25 Uhr. Wer sich den Film rund um die Uhr und immer wieder anschauen möchte, findet ihn aktuell im Streaming-Abo von Joyn:

"Das Wunder von Bern": Das ist die Handlung

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kämpft sich die Familie Lubanski in einer Essener Bergarbeitersiedlung durch den Alltag. Mutter Christa (Johanna Gastdorf) führt gemeinsam mit ihrer Tochter Ingrid (Birthe Wolter) eine kleine Kneipe, während der älteste Sohn Bruno (Mirko Lang) in einer Band spielt und darauf achtet, dass die Gäste ihre Rechnungen begleichen. Der jüngste Sohn Matthias (Louis Klamroth) trägt mit dem Verkauf von Zigaretten zum Familieneinkommen bei. Seine wahre Leidenschaft gehört jedoch dem Fußball. Als Taschenträger des Essener Fußballidols Helmut Rahn (Sascha Göpel), bekannt als „Der Boss“, erlebt er die aufregende Zeit rund um die deutsche Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz um den Titel kämpft.

Das Leben der Familie verändert sich grundlegend, als Vater Richard (Peter Lohmeyer) nach elf Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Gezeichnet von den Erlebnissen der Vergangenheit fällt es ihm schwer, sich im Nachkriegsdeutschland zurechtzufinden. Mit strenger Hand versucht er, seinen Kindern Disziplin zu vermitteln. Währenddessen bereitet Trainer Sepp Herberger (Peter Franke) die Nationalmannschaft akribisch auf die Weltmeisterschaft vor. Sein Ziel ist es, aus einzelnen Spielern eine geschlossene Einheit zu formen – doch die Zeichen stehen gegen einen Erfolg.

Ein unwahrscheinlicher Sieg

Deutschland stand nach 1945 vor der schwierigen Aufgabe, sich grundlegend neu zu erfinden. Schließlich mussten die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs konsequent aufgearbeitet werden. Zwischen Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ebnete der Titelgewinn von 1954 den Weg für ein neues Selbstbewusstsein der noch jungen Bundesrepublik. Die Sportler verkörperten Tugenden wie Fleiß, Zusammenhalt, Disziplin und Ausdauer wie kaum ein anderes Team und konnten so selbst spielerisch überlegene Gegner schlagen. All das sind übrigens Eigenschaften, die der deutschen Nationalmannschaft noch heute nachgesagt werden.

Auch wenn „Das Wunder von Bern“ stellenweise nah an Heimatfilm-Gefilden entlangschrammt, ist die Aufarbeitung der deutschen Nachkriegsgeschichte durch die Fußball-Brille dennoch gerade für Sportfans interessant. In gewisser Weise erklärt sich hier vielleicht auch der gesellschaftliche Stellenwert, den der runde Lederball noch heute im nationalen Selbstverständnis einnimmt. Denn der Sieg gegen Ungarn ist selbst aus heutiger Sicht extrem ungewöhnlich und nur durch das Zusammenspiel verschiedenster Faktoren möglich gewesen. Ob es Max Morlock, Helmut Rahn und Fritz Walter ohne die kühle und feuchte Witterung sowie den Wechsel auf Schraubstollen in der Halbzeitpause überhaupt möglich gewesen wäre, den Titel zu holen?

Gerade das nervenaufreibende Endspiel wird von Sönke Wortmann gelungen inszeniert: Reale Spielszenen werden mit Radio- und Fernsehberichterstattungen vermischt, und fehlendes Material wird geschickt kaschiert. So dürften insbesondere Fußballromantiker diese 118 Minuten wirklich genießen.

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