Seit Anfang 2026 tobt ein Streit zwischen Netflix und Teilen der deutschen Synchronbranche. Zahlreiche Sprecher und Sprecherinnen weigern sich, einen neuen Vertrag mit Netflix zu unterschreiben, da sie mit diesem zustimmen sollen, dass ihre Stimmen zum Training von Künstlicher Intelligenz genutzt werden. Die Befürchtung ist groß, dass auf diese Weise mittelfristig dann keine professionellen, menschlichen Sprecher*innen für neue Titel des Anbieters mehr gebraucht werden.
Immer mehr Synchronschauspieler und -schauspielerinnen erteilen der Zusammenarbeit mit Netflix daher eine Absage – und die Auswirkungen davon bekommen wir nun zunehmend zu spüren. Während nicht ganz klar ist, ob die Stimmen-Umbesetzung von „Reacher“-Star Alan Ritchson im Netflix-Actioner „War Machine“ bereits auf den besagten Streit zurückzuführen war, wird dieser definitiv der Grund sein, warum etwa die Hauptfiguren in der kommenden vierten Staffel des Serien-Hits „Lupin“ anders klingen werden.
Und nun fordert der Zwist sein bislang wohl prominentestes Opfer: Oscarpreisträger Russell Crowe wird in einem neuen Netflix-Film in der deutschen Fassung nicht von seinem Stammsprecher Martin Umbrach synchronisiert, der ihm seit 2006 in so gut wie allen seinen Projekten seine markante Stimme geliehen hat, zuletzt erst wieder im NS-Gerichtsdrama „Nürnberg“. Seinen Boykott verkündete Umbach schweren Herzens höchstpersönlich in einem Instagram-Video:
Auf die Bekanntgabe ließ der unter anderem auch als deutsche Stimme von Jeff Goldblum, Kenneth Branagh und George Clooney bekannte 70-Jährige kurz darauf noch ein zweites Video folgen, in dem er sich vor allem für den überschwänglichen Support seiner Fans für seine Entscheidung bedankte:
Um welchen Film es genau geht, verriet Martin Umbach derweil nicht. Jedoch dürfte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um das Thriller-Drama „Unabomber“ handeln, das demnächst bei Netflix erscheint (einen konkreten Termin gibt es noch nicht). Darin spielt Russell Crowe einen Harvard-Professor, der unter anderem auch Ted Kaczynski (gespielt von „Raum“-Star Jacob Tremblay) unterrichtet, welcher später als sogenannter Unabomber für fast 20 Jahre lang die USA terrorisierte.
Dass es bei dem aktuellen Projekt noch mal ein Umdenken gibt und Umbach doch wieder Crowe vertont, ist wohl ausgeschlossen. Wer beim betroffenen Film stimmlich in seine Fußstapfen tritt, ist noch nicht bekannt. Ob der Netflix-Boykott prominenter Sprecher*innen den Streaming-Riesen derweil auf lange Sicht bei seiner KI-Klausel zurückrudern lässt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Bei kommenden Kino-Produktionen abseits von Netflix – wie etwa dem Fantasy-Epos „Highlander“ – dürfte Umbach dann aber wieder auf Russell Crowe zu hören sein.
Mehr zum Hintergrund des Netflix-KI-Streits gibt es im folgenden Artikel:
Streit um deutsche Synchronisationen bei Netflix: Der Konflikt geht jetzt in die nächste RundeUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.