Streaming-Tipp: Dieses grandiose Highlight aus den 1990er-Jahren müsst ihr gesehen haben – hier wird ein Klassentreffen zum Killerjob!
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Unser Streaming-Tipp mit John Cusack nimmt den Mythos des eiskalten Auftragskillers herrlich humorvoll auseinander.

Der Auftragskiller gehört wohl zu den Figuren der Filmgeschichte, an denen sich am meisten abgearbeitet wurde: Man kennt ihn als einen eiskalten, stoischen, mit Präzision arbeitenden einsamen Wolf („Der Killer“), als Fürsorger („Léon der Profi“), als Zweifler und Philosophen („Brügge sehen und sterben“) – oder, auch das gibt es: Als Frau, als Braut, als Mutter („Kill Bill“).

Einen Sonderfall stellt hingegen George Armitages „Grosse Pointe Blank“ dar. Drehbuchautor Tom Jankiewicz kam die Idee zum Skript aus reiner Panik: Er war zu einem Klassentreffen eingeladen, fühlte sich von der Einladung als erfolgloser Drehbuchautor in L.A. aber so gestresst, dass er meinte, er müsse schon als Auftragskiller erscheinen, um überhaupt jemanden zu beeindrucken. Zum Klassentreffen ging er nicht – und feilte stattdessen an seinem Drehbuch. Und das Ergebnis amüsiert auch heute noch: Denn „Grosse Pointe Blank“ bricht mit dem Bild des klassischen Leinwandkillers, indem er ihn zum neurotischen Dienstleister macht, der unter seinem Job genauso leidet wie jeder normale Bürohengst der Mittelschicht. Aktuell könnt ihr „Grosse Pointe Blank“ bei Amazon Prime Video kaufen – alternativ gibt es die Blu-ray* auf Amazon.

Der Profikiller im Hamsterrad

Dass auch Profikiller ganz normale Probleme haben können, daran dachte bis „Grosse Pointe Blank“ niemand. Martin Blank, gespielt von John Cusack, ist dick im Geschäft – doch mit der Zeit mehren sich die Gewissensbisse und er wird seit Jahren geplagt von immer wiederkehrenden Träumen seiner Jugendliebe Debi (Minnie Driver). Selbst sein Therapeut Dr. Oatman (Alan Arkin) kommt mit ihm an seine Grenzen – und rät ihm nicht ganz uneigennützig, einer Einladung zum Klassentreffen in seine Heimatstadt Grosse Pointe zu folgen.

Während Martin dort versucht, alte Bekanntschaften wieder aufleben zu lassen, seine Jugendliebe zurückzugewinnen und dabei irgendwie noch normal zu wirken, wird er von rivalisierenden Killern und von NSA-Agenten gleichermaßen verfolgt… und das blutige Chaos ist vorprogrammiert.

Was „Grosse Pointe Blank“ bis heute so unterhaltsam macht, ist viel weniger die Qualität des Films oder seine Handlung, als das dahinter stehende Gedankenspiel: Was wäre denn, wenn euch auf einem Klassentreffen auf die Frage „Na, was machst du so?“ mit trockenem Ernst entgegnet würde „Ich bringe Leute um“? Der Film nimmt seine Prämisse vollkommen ernst – und genau daraus ergibt sich seine absurde Komik. Martin spricht über das Morden von Menschen, als wäre er Steuerberater – Waffe, Ort, Mensch, alles nur Zahlen und Fakten, nichts weiter als Statistiken für die Akten.

Der Film verlagert den Mythos des Killers damit ins Zwischenmenschliche: Aus dem Alleingänger wird ein Dienstleister, ein Mensch mit Neurosen, einer, dem sein Job zu viel wird, ebenso wie jedem anderen auch. Gerahmt wird das Ganze noch von seinem Konkurrenten Dan Grocer (Dan Aykroyd), der ihn überreden möchte, eine Killer-Gewerkschaft zu gründen – und von seiner Sekretärin Marcella. Diese wird gespielt von John Cusacks Schwester Joan Cusack und ist zweifellos das unangefochtene Highlight des Szenarios.

Hinter all dem schwarzen Humor steckt durchaus eine satirische Spitze: „Grosse Pointe Blank“ fragt, was vom Menschen übrig bleibt, wenn selbst das Töten nur noch Dienstleistung ist. Konkurrenzdruck, Fusionen, Effizienzdenken – selbst Profikiller entkommen den Mechanismen des Kapitalismus offenbar nicht. In einem System, das auf Ellenbogen setzt, kann der amerikanische Traum deiner sein, wenn du nur über Leichen gehst.

Kill the Killer

Die eigentlichen Leichen, die Martin mit sich herumträgt, sind aber weniger die Menschen, die er erlegt hat, als die Möglichkeiten seines eigenen Lebens: die Jugendliebe, die er am Abschlussball sitzen ließ, die Heimat, der er den Rücken kehrte, und die Frage, was aus ihm hätte werden können. Gerade deshalb funktioniert das Klassentreffen als Schauplatz so gut – es konfrontiert ihn nicht mit seinen Opfern, sondern mit seinem verpassten Leben.

Mindestens die Hälfte des Spaßes von „Grosse Pointe Blank“ macht allerdings sein Soundtrack aus. Zum einen lässt er die Herzen von 80ies-Fans höher schlagen: Im Kontrast zur weichgespülten 80er-Nostalgie finden sich aber auch die ein oder anderen Tracks von The Clash, während die berühmte Kampfszene im Schulflur, die mit einem Kugelschreiber endet, mit „Mirror in the Bathroom“ untermalt wird. Gerade dieser Mix aus nostalgischem Wohlgefühl, Romantik, und plötzlichen Gewaltausbrüchen macht „Grosse Pointe Blank“ zu dem, was er bis heute ist: keine perfekte, aber eine wunderbar originelle und vor allem unterhaltsame Gangsterkomödie, die den Mythos des Killers killt.

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Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.
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