Quentin Tarantino atmet Kino – so sehr, dass er manchmal sehr zum Leidwesen seiner Gesprächspartner*innen über kaum etwas anderes reden kann und will. Vor diesem Hintergrund ist es kaum vorstellbar, dass der Kult-Regisseur jemals vor Einsetzen des Abspanns den Saal verlässt. Und doch ist genau das mindestens einmal passiert! Das hat Tarantino im „The Video Archives Podcast“ gestanden, in dem er gemeinsam mit seinem „Pulp Fiction“-Drehbuchpartner Roger Avery über die Filmgeschichte plaudert.
In einer Folge ging es unter anderem um den vergessenen Schocker „Delirium“ aus dem Jahr 1979, in dem ein traumatisierter Vietnamkriegsveteran (gespielt von Nick Panouzis) im Auftrag einer mysteriösen Organisation einen blutigen Feldzug gegen Obdachlose und Außenseiter beginnt. Aufgrund seiner nihilistischen Brutalität landete der Exploitation-Reißer damals auf der Liste der sogenannten Video Nasties – einer Reihe besonders blutiger Filme, die in Großbritannien als jugendgefährdend galten und teilweise verboten wurden.
Man könnte meinen, dass „Delirium“ genau Tarantinos Geschmack trifft – und das ist auch so! Doch beim ersten Versuch gab der 63-Jährige vorzeitig auf, wobei er beteuerte, dass das nicht nur am Film selbst lag, sondern vor allem an seinem körperlichen und mentalen Zustand. Der von Peter Maris inszenierte Thriller lief als Abschluss eines Triple Features, und Tarantino sei schlichtweg zu müde gewesen, um den Film bis zum Ende durchzustehen – zumal er den Eindruck hatte, dass er Filme dieser Art „schon tausend Mal gesehen“ hätte.
Erst viele Jahre später erinnerte er sich wieder an „Delirium“, als ihm jemand empfahl, sich den Film unbedingt anzuschauen. Als er ihn dann noch einmal sah, sei ihm schlagartig klargeworden: „Heilige Scheiße – ich lag so was von falsch!“ „Delirium“ entpuppte sich als ein in seinen Augen „wunderschönes, widerliches, verborgenes Juwel“, das ihn „komplett umgehauen“ habe. Manchmal lohnt es sich einfach, Filmen eine zweite Chance zu geben!
Obwohl viele glauben, Tarantino habe nahezu jeden Film gesehen, der existiert, hat auch der „Once Upon A Time... In Hollywood“-Macher Lücken. Dazu gehört unter anderem ein absoluter Hollywood-Klassiker, der sogar einen Kino-Rekord aufstellte! Mehr erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich habe ihn nie gesehen": Quentin Tarantino gesteht, dass er einen der größten Klassiker der Hollywood-Geschichte bis heute nicht kennt