Kult-Regisseur über sein Abendessen mit Quentin Tarantino: "Ab dem zweiten Gang wollte ich gehen, weil ich es einfach nicht mehr aushalten konnte"
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor 16 Jahren ging ein spanischer Kult-Regisseur mit Quentin Tarantino essen – und war verblüfft davon, dass der „Kill Bill“-Schöpfer tatsächlich kein anderes Thema kennt als Filme. Irgendwann wollte er nur noch den Tisch verlassen.

Sony Pictures

Quentin Tarantino ist nicht nur der Kult-Regisseur hinter Hits wie „Pulp Fiction“, „Kill Bill“ oder „Inglourious Basterds“ – er ist auch der vielleicht leidenschaftlichste Cinephile Hollywoods, der kaum eine Gelegenheit auslässt, sich in Podcasts, Interviews oder auch mal selbst geschriebenen Sachbüchern über Filme auszulassen. Auch wenn er seinen zehnten (und nach eigenen Aussagen letzten) Film weiter hinauszögert und sich stattdessen mit völlig anderen Dingen beschäftigt, atmet er das Kino aus jeder Pore – was, glaubt man einem spanischen Regie-Kollegen, durchaus nicht nur gute Seiten hat...

Regie-Kollege packt über schwieriges Abendessen mit Quentin Tarantino aus

Gerade die frühen Filme von Álex de la Iglesia („Aktion Mutante“, „Perdita Durango“) wurden wegen ihres Hangs zu Gewaltexzessen gepaart mit schwarzem Humor und Popkultur-Zitaten regelmäßig mit Tarantino verglichen. Kein Wunder, dass sein Film „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ 2010 den Silbernen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig erhielt – einem Jahr, in dem Quentin Tarantino den Jury-Vorsitz innehatte. In diesem Rahmen trafen sich die beiden Filmemacher schließlich sogar zu einem privaten Dinner.

In einem Interview mit Filmkritiker Carlos Boyero bei Canal+ hat der 60-Jährige von dem Abendessen erzählt – und bestätigt, dass Tarantino tatsächlich nur ein einziges Gesprächsthema kennt (via Sensacine.com): „Das ist ein Problem“, so de la Iglesia. „Man möchte den Menschen kennenlernen und stellt fest, dass dieser Mensch nichts anderes ist als Kino. Er ist ein Typ, der ausschließlich über Kino spricht. Er sagte zu mir: ‚Hey Alex, weißt du, wie man an einen Film von 1973 kommt, der in Sevilla gedreht wurde, von dem Regisseur Gustavo irgendwas?‘ Und ich so: ‚Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, von welchem Film du sprichst.‘ […] Und dann merkt man, dass ihn absolut alles interessiert. Es ist faszinierend.“

Beim zweiten Gang wollte Álex de la Iglesia den Tisch verlassen

Je weiter das Gespräch voranschritt, desto mehr überraschte Tarantino den Regisseur. Irgendwann erzählte er ihm sogar begeistert von einem ganzen Genre, das de la Iglesia absolut nichts sagte: Judofilme. „Ich wusste nicht, dass es Judofilme gibt“, berichtet der „Ein ferpektes Verbrechen“-Macher weiter.

„Und dann sprach er die ganze Zeit, während er Kroketten aß, über Judo und danach über vollkommen obskures spanisches Kino. [Er redete] über Thriller aus den 1960ern, die ich nicht gesehen habe und von denen ich nicht glaube, dass sie irgendjemand gesehen hat. Ab dem zweiten Gang wollte ich gehen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Ich wollte doch, dass er mir Dinge erzählt, dass er über Mira Sorvino [Anm.: oscarprämierte Schauspielerin und Tarantinos damalige Partnerin] oder ‚Jackie Brown‘ spricht. Ich hatte mir schon vorgestellt, dass er diesen durchgeknallten Zug hat, aber er hat schon einen ernsthaften Hang zum Abdriften. Er gefällt sehr vielen instabilen Menschen, weil er instabiler ist als alle anderen, aber gut, auf der anderen Seite ist er unterhaltsam und attraktiv.“

Etwas über Tarantino als Person zu erfahren, ist also selbst dann schwierig, wenn man über Stunden hinweg mit ihm an einem Tisch sitzt – aber vielleicht gibt es hinter seiner Kino-Leidenschaft ja mittlerweile schlichtweg nicht mehr viel zu entdecken? Das lässt sich in diesem Artikel natürlich nicht abschließend klären – also lassen wir den „Once Upon A Time... In Hollywood“-Schöpfer einfach weiter über Filme schwärmen:

"Ich habe ihn 4x gesehen, und jedes Mal gefällt er mir mehr": Quentin Tarantino liebt diesen grandios inszenierten Action-Thriller

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Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.

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