Sean Penn galt schon immer als streitbarer Charakter, schauspielerisch überzeugte er jedoch stets. Egal ob in „Mystic River“ (2003), „Milk“ (2008) oder zuletzt „One Battle After Another“ (2025), für den er bereits seinen zweiten Oscar als Darsteller erhielt. Wenn Penn über Hollywood spricht, nimmt er allerdings selten ein Blatt vor den Mund. Das bewies er 2021 in Cannes, als er sich ungewöhnlich deutlich über Marvel und die zunehmende Dominanz großer Franchises äußerte.
Er kritisierte damals nicht einfach einzelne Superheldenfilme (via MPR News). Sean Penn ging es um die Macht, die große Franchises inzwischen innerhalb Hollywoods besitzen. Marvel habe „so viel Raum eingenommen und so viel Zeit in den Karrieren so vieler talentierter Menschen beansprucht“, sagte der Schauspieler. Für Penn war das offenbar mehr als eine Geschmacksfrage: Er sah darin eine Entwicklung, die seiner Ansicht nach das gesamte Kino verändert.
Sean Penn sieht Marvel als Gefahr für andere Filme
Besonders interessant ist, dass Penn bei seiner Kritik nicht nur an das Publikum oder die Kinokassen dachte. Er hatte auch die Schauspieler im Blick, die durch das Marvel Cinematic Universe zu Weltstars wurden. Robert Downey Jr. („Oppenheimer“ ) ist dafür das wohl bekannteste Beispiel. Als Iron Man war er über ein Jahrzehnt hinweg ein zentraler Bestandteil des MCU und wird in „Avengers: Doomsday“ als Dr. Doom zum Franchise zurückkehren. Seit Bekanntgabe sorgt dies immer wieder für Gesprächsstoff.
Um Doctor Doom zu besiegen: Thor soll in "Avengers: Doomsday" diese Marvel-Figuren zurückbringen – obwohl sie eigentlich tot sind!Genau darin sah Penn offenbar ein Problem. Marvel habe „so viel Zeit in den Karrieren so vieler talentierter Menschen“ beansprucht. Seine Worte klingen beinahe nach Bedauern darüber, dass Schauspieler, Regisseure und andere Filmschaffende über Jahre an ein einziges Universum gebunden werden. Welche Rollen hätten sie stattdessen spielen können? Welche anderen Filme wären entstanden?
Penns Kritik zielte mehr auf ein System, das enorme Ressourcen und die Aufmerksamkeit des Publikums auf wenige große Marken konzentriert. Und er beließ es nicht bei einer nüchternen Analyse. Bei seiner Beschreibung des modernen Blockbuster-Kinos wurde der Oscar-Preisträger deutlich schärfer.
Er vermisse Filme, die nicht einfach nur „Effekthascherische Cirque-du-Soleil-Filme“ seien. Gemeint sind Produktionen, die vor allem durch spektakuläre Bilder, riesige Effekte und immer größere Actionsequenzen beeindrucken wollen. Für Penn ist das offenbar nicht automatisch das, was Kino ausmacht.
Sean Penn hat immer weniger Toleranz für Blockbuster
Dabei klingt seine Kritik bemerkenswert grundsätzlich. Marvel steht für ihn gewissermaßen stellvertretend für eine Entwicklung, bei der der Schauwert eines Films immer wichtiger wird. Das Problem ist aus seiner Sicht nicht, dass ein Blockbuster spektakulär sein darf. Das Problem beginnt dort, wo Spektakel andere Arten des Kinos verdrängt uns wenn Filme zu einer Marke werden.
Penn formulierte seine Haltung noch grundsätzlicher: „Meine Toleranz für das Künstliche wird immer geringer.“ Genau darin steckt vermutlich der Kern seiner Marvel-Kritik. Je stärker Hollywood auf bekannte Marken, computergenerierte Welten und gigantische Franchise-Produktionen setzt, desto weniger findet Penn offenbar das wieder, was er am Kino schätzt.
Übrigens hat der 65-Jährige auch mit den Oscars ein großes Problem – und zwar aus einem ganz bestimmten Grund, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:
Sean Penn, 65, über die Oscars: "Die Academy hat ihre Mitschuld bis heute nicht anerkannt, im Namen des Patriotismus ist es dafür höchste Zeit"*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.