Als Matt Damon Anfang dieses Jahres zusammen mit Langzeit-Partner Ben Affleck ihren neuesten gemeinsamen Film „The Rip” bewarb, verriet der „Odyssee”-Star, dass die beiden bei der Abstimmung für die 72. Academy Awards „Matrix” als besten Film gewählt hatten und immer wieder dafür in die Bresche sprangen. Die Liebe der beiden für dieses Sci-Fi-Meisterwerk reichte letztlich nicht für eine „Best Picture”-Nominierung aus, dafür räumte es in den technischen Kategorien ab und gewann für Schnitt, Tonschnitt, Ton und visuelle Effekte.
Die „Matrix”-Reihe zählt mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 1,7 Milliarden US-Dollar zu den finanziell erfolgreichsten Franchises der Filmgeschichte und liegt dabei sogar vor Matt Damons „Bourne”-Filmen. Der vielleicht nachhaltigste Beweis für die kulturelle Bedeutung von „Matrix” findet sich allerdings nicht an den Kinokassen, sondern in unserem Sprachgebrauch. Unerklärliche Alltagssituationen oder Erinnerungstäuschungen beschreiben wir als einen „Glitch in der Matrix”, während gewisse Internet-Subkulturen den Begriff „Red Pill” für sich und ihre vermeintliche Erkenntnis über Geschlechterverhältnisse in der Gesellschaft beanspruchen.
Obwohl Lilly Wachowski mit ihrer Schwester Lana nicht nur einen der einflussreichsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten geschaffen hat, sondern auch den absolut sehenswerten queeren Kult-Thriller „Bound” (und manch andere Filmschaffende in Hollywood für weitaus weniger mit einer Carte blanche belohnt wurden), gestaltet sich die Finanzierung ihres nächsten Projektes äußert schwierig.
"The Hunted": Das ist das neue Projekt von Lilly Wachowski
In einem Interview mit dem „The Business”-Podcast des kalifornischen Radiosenders KCRW verriet die Regisseurin, dass es sich bei „The Hunted” um einen dystopischen Politthriller handelt, den sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Mickey Ray Mahoney „als Reaktion auf das, was derzeit in der Welt mit Trans-Menschen passiert” schrieb. Sie schildert den Prozess als unglaublich kathartisches Ventil, in das sie all ihre Wut und Frustration hineinschütten konnte.
Die kalkulierten 10 Millionen Dollar für den Film sollten im Hollywood-Maßstab geradezu ein Schnäppchen sein („Backrooms” wurde beispielsweise mit einem vergleichbaren Budget produziert), dennoch scheint Wachowskis Wunsch nach einem durchgehend mit Trans-Schauspieler*innen besetzten Cast Geldgeber abzuschrecken.
Trotz der Notwendigkeit und Aktualität, die sie antrieben, gesteht Wachowski: „Es ist gerade nicht die beste Zeit in der Branche, um zu versuchen, solche Dinge zu machen.“ Die Möglichkeiten für unterrepräsentierte Stimmen, ihre Geschichten zu erzählen, gehen zunehmend zurück.
Noch gibt Wachowski nicht auf
Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Finanzierung erklärte die Regisseurin ihre Absicht, andere Mittel und Wege zu finden, um die Geschichte einem Publikum zugänglich zu machen. Dazu gehörte eine Live-Drehbuchlesung im Dynasty Typewriter Theater in Los Angeles Anfang des Monats. Als Deadline das Event im Juni ankündigte, wurde etwas zuversichtlicher über die Entwicklung von „The Hunted” durch die Produktionsfirma von Natasha Lyonne (vielen als Schauspielerin aus „Poker Face” oder „Orange Is The New Black” bekannt) gesprochen.
Es bleibt zu hoffen, dass „The Hunted” in irgendeiner Form doch noch realisiert und damit einem internationalen Publikum zugänglich gemacht wird. Ein Erfolg von Trans-Regieperson Jane Schoenbruns „Teenage Sex And Death At Camp Miasma”, der demnächst in den deutschen Kinos startet, könnte den Chancen des Projekts dabei vielleicht zusätzlichen Rückenwind verleihen:
Euch erwartet "eine Sintflut aus Blut und Eingeweiden": Neuer Trailer zum Slasher-Horror-Highlight "Teenage Sex And Death At Camp Miasma"