Mit 94 Jahren gehört Rita Moreno nicht nur zu den ältesten noch lebenden Hollywood-Stars – sondern auch zu einem äußerst exklusiven Kreis: Die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin hat im Laufe ihrer mehr als sieben Jahrzehnte umfassenden Karriere einen Oscar, einen Grammy, einen Tony und zwei Emmy Awards gewonnen – was sie zu einer sogenannten EGOT-Gewinnerin macht, also einer Künstlerin, die alle vier großen US-Unterhaltungspreise gewinnen konnte. Das ist außer ihr nicht vielen gelungen! Doch woher kennt ihr Rita Moreno – und wie begann eigentlich ihre Karriere?
In einem der berühmtesten Musicals der Welt feierte Rita Moreno ihren Durchbruch
Den meisten dürfte Moreno vor allem durch eines der berühmtesten Kino-Musicals aller Zeiten bekannt sein: In „West Side Story“ (1961) spielte sie Anita, die Freundin des Sharks-Anführers Bernardo (George Chakiris), und gewann dafür einen Academy Award als Beste Nebendarstellerin. Damit schrieb sie zugleich Geschichte: Moreno war die erste Latina, die einen Schauspiel-Oscar gewinnen konnte. Ganze 60 Jahre später kehrte sie sogar noch einmal zu dem Stoff zurück – zum einen spielte sie in Steven Spielbergs Neuverfilmung die eigens für sie geschaffene Rolle der Valentina, zum anderen fungierte sie als Executive Producer.
Geboren wurde Moreno am 11. Dezember 1931 als Rosa Dolores Alverío in Puerto Rico. Im Alter von fünf Jahren kam sie mit ihrer Mutter nach New York, wo sie schon bald Tanzunterricht nahm. Mit elf verdiente sie bereits erstes Geld damit, amerikanische Filme für den spanischsprachigen Markt zu synchronisieren – und es dauerte nur zwei weitere Jahre, bis sie schließlich erstmals am Broadway auf der Bühne stand. Ihr Auftritt im Stück „Skydrift“ machte Talentscouts auf sie aufmerksam – und öffnete ihr schließlich die Tür in die Traumfabrik.
Wie Moreno in einem Interview mit CBS News erzählte, bekam sie bald die Gelegenheit, MGM-Studioboss Louis B. Mayer kennenzulernen, der ihr schon während ihrer ersten Begegnung einen Vertrag anbot. Ihre ersten Filmrollen spielte sie in den frühen 1950er-Jahren, am populärsten sicherlich ihr Auftritt im Musical-Meilenstein „Singin' In The Rain“, in dem sie neben Gene Kelly und Debbie Reynolds vor der Kamera stand. 1956 folgte mit „Der König und ich“ ein weiterer Klassiker, der sie mit Yul Brynner und Deborah Kerr zusammenbrachte.
Doch der frühe Ruhm hatte einen Haken: Im damaligen Hollywood gab es für eine puerto-ricanische Schauspielerin so gut wie keine guten Rollen. Moreno wurde immer wieder auf stereotype, exotisierte Figuren festgelegt. Später sprach sie immer wieder sehr offen darüber, wie sehr sie unter dieser Art von diskrimierendem Typecasting litt: „Es tut mir weh, mir heute anzusehen, wie ich Dinge mache, die erniedrigend sind“, erklärte Moreno beispielsweise gegenüber CBS News. „Ich habe viele [dieser Rollen] angenommen, weil es nichts anderes gab. Und ich habe sie mit großer Scham angenommen.“
Nach "West Side Story" kehrte Rita Moreno dem Kino den Rücken
Erst „West Side Story“ brachte die ersehnte Wende. Endlich durfte Moreno eine selbstbewusste Figur mit Würde und eigenständiger Haltung spielen. Spätestens jetzt hätte der damals 30-Jährigen eigentlich ganz Hollywood offenstehen müssen, doch ausgerechnet nach ihrem größten Triumph geriet ihre Filmkarriere ins Stocken. Trotz ihres Oscars bekam Moreno weiterhin vor allem jene eindimensionalen Rollen angeboten, von denen sie sich endgültig verabschieden wollte. Als Konsequenz wandte sie sich zunächst vom Kino ab und konzentrierte sich verstärkt auf Bühne und Fernsehen.
Immerhin für ihre Karriere erwies sich diese Entscheidung nicht als Sackgasse: In den 1970er-Jahren wurde sie für ihre Arbeit an der Kindersendung „The Electric Company“ mit einem Grammy ausgezeichnet, 1975 folgte für ihre Darstellung der Googie Gomez in „The Ritz“ ein Tony Award. Als sie 1977 für ihren Auftritt in der Muppet Show schließlich auch noch einen Emmy gewann, hatte sie ihren EGOT-Status komplettiert – als dritte Person überhaupt.
Trotz der zahlreichen Rückschläge blieb Moreno dem Schauspiel auch in den folgenden Jahrzehnten treu – und steht selbst jenseits der 90 noch vor der Kamera. 2023 war sie etwa neben Jane Fonda, Lily Tomlin und Sally Field in der Sport-Komödie „Brady's Ladies“ zu sehen und stieß als Großmutter von Vin Diesels Dom Toretto sogar zum „Fast & Furious“-Universum. Im selben Jahr folgte zudem die Netflix-Komödie „Family Switch“.
Die älteste Hollywood-Größe überhaupt feierte unlängst übrigens ihren 102. (!) Geburtstag. Um wen es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Sie wird heute 102 Jahre alt, hat 1 Oscar gewonnen und 2 Sterne auf dem Hollywood Walk Of Fame: Die älteste Kino-Ikone der Welt begeisterte noch vor 8 Jahren bei den Oscars!