Normalerweise schaut man einen absolut schlechten Film kein zweites Mal. Im Gegenteil: Der Ärger über die bezahlte Kinokarte ist groß oder die DVD verschwindet im hintersten Eck des Regals. Bei „Pulp Fiction“-Regisseur Quentin Tarantino sah das etwas anders aus: Er quälte sich gleich zwei Mal durch den Horrorfilm „Die unheimliche Macht“ (1983) – immerhin ist er begeistert von dessen Regisseur Michael Mann!
"Das war ein verdammtes Fiasko"
Beim ersten Mal war Tarantino aus dem Kino gekommen und dachte sich nur: „Okay, das war ein verdammtes Fiasko – aber kein unterhaltsames“ (via Far Out Magazine). Was für eine Enttäuschung das gewesen sein musste? Schließlich verehrte der „Inglourious Basterds“-Macher Michael Mann regelrecht. Von seinem Debüt- und Vorgängerfilm „Thief“ (1981), einem packenden Neo-Noir, ist er sogar ein richtiger Fan.
Das war auch der Grund, warum sich Tarantino „den verdammten Film“ über eine Gruppe Wehrmachtssoldaten, die von einer paranormalen Macht ermordet werden, überhaupt ansehen wollte.
Doch anstatt nach diesem frustrierenden Kinobesuch „Die unheimliche Macht“ möglichst schnell wieder zu vergessen, quälte sich der Filmemacher erneut durch den – im wahrsten Sinne des Wortes – Horror, um ihn in seinem Podcast „Video Archives“ zu analysieren.
Aber einmal schlecht, immer schlecht! Quentin Tarantino hätte ihn wohl noch so oft ansehen können und wäre immer zu dem gleichen Fazit gekommen: „Das zeigt nur, was für einen Mist wir die ganze Zeit gesehen haben“ (via Far Out Magazine).
Auch Ian McKellen wurde kritisiert
Schauspieler Ian McKellen, der die Rolle des Dr. Theodore Cuza verkörperte, wurde von Tarantinos scharfer Kritik ebenfalls nicht verschont: Die Rolle des jüdischen Historikers ist laut „Pulp Fiction“-Macher „die schlechteste Leistung seiner Karriere“. Das dürfte den Gandalf-Darsteller ziemlich empört haben, denn auch er hatte seine Probleme mit Manns Horror-Film: Stundenlang musste er in der Maske sitzen – „die schlimmste berufliche Erfahrung“ (via Far Out Magazine).
Dass Tarantino den Film als „schlechte Amateurtheater-Produktion“ bezeichnete, weicht allerdings gar nicht so sehr von der Wahrheit ab: Geprägt von Studioeinmischung und Streitigkeiten, gehört „Die unheimliche Macht“ tatsächlich zu Manns schlechtesten Filmen. Tarantino sollte also nicht als einziger der Meinung sein, dass der Horror den Status als Kultfilm unverdient trägt. Sogar Urheber Michael Mann hat sich über die Jahre von seinem eigenen Film distanziert und sich kritisch über ihn geäußert.
Mit späteren Projekten wie dem Cop-vs.-Gangster-Meilenstein „Heat“ (1995), dem Tom-Cruise-Thriller „Collateral“ (2004) oder „Miami Vice“ (2006), der Kino-Version der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie, konnte Michael Mann seinen Fehltritt auch wieder gutmachen.
Persönlich sollte der „Die unheimliche Macht“-Regisseur Tarantinos negative Kritik jedenfalls sowieso nicht nehmen, denn der zweifache Oscar-Preisträger beschimpft gerne mal Filme. Welchen Katastrophenfilm-Blockbuster er außerdem hasst, lest ihr hier:
"Es ist schockierend, wie furchtbar dieser Film ist": Quentin Tarantino hasst diesen legendären Katastrophenfilm-Blockbuster*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.