Erfolg von "Die Odyssee" könnte Hollywood verändern: Star aus Christopher Nolans Fantasy-Epos spricht über Hoffnungen für die Zukunft des Kinos

Christopher Nolan ist bekannt dafür, auf praktische Effekte zu setzen. Bei „Die Odyssee“ hat diese Vorliebe einmal mehr zu einer eindrucksvollen Bildgewalt geführt. Könnte der Erfolg des Fantasy-Abenteuers die Hollywood-Zukunft stark beeinflussen?

Warner Bros.

So beeindruckend der Einsatz computergenerierter Effekte auch sein mag (man denke nur an die neuen „Planet der Affen“-Filme), letztlich besitzt es doch eine ganz eigene, nachhaltige Wirkung, wenn Filmemacher stärker auf handgemachte Effekte setzen und das Analoge mit dem Digitalen verweben. „Jurassic Park“ fasziniert auch mehr als 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch immer ungemein, während „Avengers: Endgame“ in dieser Hinsicht nicht einmal zehn Jahre später für den Autor dieser Zeilen bereits erstaunlich überholt und mitunter geradezu matschig wirkt.

Mit „Die Odyssee“ hat Christopher Nolan („Memento“) einmal mehr einen Riesenhit an den Kinokassen gelandet, der auch bei der Kritik bisweilen frenetische Begeisterung ausgelöst hat. Einer der Gründe für die Wirkung der Homer-Adaption ist Nolans bewusste Entscheidung, verstärkt auf praktische Effekte zu setzen. Dadurch erhält das Fantasy-Abenteuer eine plastische Wucht, von der andere Blockbuster heutzutage nur träumen können. Denn so eindrucksvoll digitale Bilder auch sein mögen: Es besitzt eine besondere Unmittelbarkeit, wenn etwas vor der Kamera existiert hat, statt erst im Nachhinein aus Einsen und Nullen eines Hochleistungsrechners zu entstehen.

Himesh Patel hofft auf Veränderung durch "Die Odyssee"

In der All-Star-Riege, die Christopher Nolan für „Die Odyssee“ vor der Kamera versammelt hat, befindet sich auch „Tenet“- und „Yesterday“-Star Himesh Patel. Der britische Schauspieler verkörpert Eurylochos, den Schwager und Gefährten von Odysseus (Matt Damon, „Good Will Hunting“). Nolans Beharren auf praktischen Effekten hat Patel nun zum Anlass genommen, in dem Podcast Romesh Ranganathan Show seine Hoffnungen für die Zukunft des Kinos zu formulieren.

„Ich weiß, dass Chris Nolan schon lange für seine Philosophie bekannt ist, so weit wie möglich auf praktische Effekte zu setzen und CGI nur minimal zu nutzen. Er setzt es zwar auf verschiedene Weise ein, aber so sparsam wie möglich. Er versucht, so viel wie machbar direkt vor der Kamera zu realisieren und CGI nur für die nachträgliche Zusammenfügung von Elementen zu verwenden“, erklärt Patel.

Damit spricht der Schauspieler einen entscheidenden Punkt an: Auch wenn Nolan auf praktische Effekte setzt wie kaum ein anderer Regisseur seiner Größenordnung, verzichtet er keineswegs vollständig auf CGI. Vielmehr kommt die digitale Technik dort zum Einsatz, wo sie tatsächlich sinnvoll und notwendig ist.

Patel führt weiter aus: „Wir nutzen Techniken, die es schon seit 30 oder 40 Jahren gibt, die aber in Vergessenheit gerieten, als wir uns an CGI gewöhnten. Ich hoffe sehr, dass der Erfolg dieses Filmes – und die Tatsache, dass so vieles auf der Leinwand tatsächlich greifbar ist – wahrgenommen wird.“

Auch "Spider-Man 4" ist für Himesh Patel ein wichtiges Argument

Himesh Patel ist dabei nicht nur von „Die Odyssee“ beeindruckt, sondern verweist auch auf „Spider-Man: Brand New Day“ als ein wichtiges Beispiel für eine mögliche Rückbesinnung auf handgemachte Effekte. „‚Spider-Man‘, den ich neulich gesehen habe, auch dort ist vieles greifbar und echt – etwa Tom Holland in seinem Kostüm statt einer CGI-Version. Ich hoffe wirklich, dass die Verantwortlichen darauf aufmerksam werden und solche Methoden künftig häufiger einsetzen.“

Ob dies tatsächlich eine nachhaltige Veränderung in Hollywood anstoßen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht helfen aber „Die Odyssee“ und „Spider-Man: Brand New Day“ wirklich dabei, dass sich die bereits eingangs erwähnte Erkenntnis stärker durchsetzt: Die überzeugendste Symbiose entsteht dort, wo sich praktische und digitale Effekte nicht gegenseitig ersetzen, sondern ergänzen.

Für Matt Damon war „Die Odyssee“ ebenfalls eine besondere Erfahrung – nicht zuletzt wegen des ungewöhnlich umfangreichen Einsatzes praktischer Effekte. Warum der Superstar glaubt, dass mit dem Film sogar eine Ära endet, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Matt Damon ist sich sicher: Mit Christopher Nolans "Die Odyssee" geht für ihn eine Kino-Ära zu Ende
Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.
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