Nicht zuletzt dank seines oft kopierten Stummfilm-Meilensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ gilt Sergei Eisenstein als einer der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte. Insbesondere sein Einsatz der Filmmontage prägte die Kunstform – und nachdem er die Regeln des Filmschnitts mitformte, lehnte er sich in einem Historienepos selbstbewusst wieder gegen sie auf:
Im Monumentalfilm „Iwan der Schreckliche“ poltert Eisenstein gegen konventionelle Montagetechniken ebenso wie er gegen seine historische Titelfigur und jene rebelliert, die sich als ihre Nachfolge aufspielten: Das zweiteilige Mammutprojekt huldigt ausführlich dem berühmt-berüchtigten Zaren, ehe es zu einer bitteren Dekonstruktion wird, die sich ebenso leicht als Kommentar auf Stalin deuten lässt. Daher wurde dieser Part des Historienschinkens in Stalins Sowjetunion verboten.
In Deutschland schrieb „Iwan der Schreckliche“ wiederum Kinogeschichte als erster Spielfilm, der in einer neu erstellten Synchronfassung im besetzten Deutschland anlief. Und nun endlich lassen sich die imposanten Bilder dieses ambitionierten Projekts in hochauflösender Qualität erleben, denn diese Woche ist „Iwan der Schreckliche“ erstmals auf Blu-ray erschienen!
Die Blu-ray-Edition aus dem Hause Filmjuwelen umfasst als Extras Featurettes und einen Audiokommentar von Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen. Außerdem kommt sie mit einem 40-seitigen, digitalen Booklet daher.
Darum geht es in "Iwan der Schreckliche"
1547: Im Alter von zarten 17 Jahren wird Iwan IV. (Nikolai Tscherkassow) in Moskau zum ersten Zaren Russlands gekrönt. Der Ehrgeizling nimmt sich vor, das zerstrittene Reich zu vereinen und darin tiefgreifende Reformen durchzusetzen. Unter anderem sollen die Vorrechte der Bojaren zugunsten des niederen Dienstadels abgeschafft werden. Während dieser Umwälzungen erobert der Zar mit seinen Truppen Khanate Kasan und Astrachan.
Doch als die Bojaren Iwans geliebte Frau Anastasia (Ljudmila Zelikowskaja) ermorden, gerät der Machtinhaber ins Grübeln. Er fürchtet, dass der Tod seiner Frau eine Strafe Gottes ist und zieht Konsequenzen...
Stalins Aufführungsverbot hin oder her: „Iwan der Schreckliche“ wurde von der Filmkritik und Eisensteins Kollegium als Meisterstreich gefeiert. So bezeichnete Charlie Chaplin das Epos als „besten historischen Film, der je gemacht wurde“ und schwärmte von seiner großartigen, atmosphärischen Ästhetik.
Seither war der Zahn der Zeit überaus gnädig mit dem Film, der nicht nur von der korrumpierenden Wirkung der Macht handelt, sondern sich ebenso mit religiösen Einflüssen und Sexualität auseinandersetzt: Prestigeträchtige Magazine wie Cahiers du Cinéma und Sight And Sound nannten ihn wiederholt einen der besten Filme aller Zeiten und so unterschiedliche Regisseure wie Éric Rohmer, Werner Herzog, Peter Greenaway und Volker Schlöndorff bezeichneten ihn als künstlerischen Einfluss.
Und wenn ihr nach dem von ehrfürchtig zu aufrührerisch schwankenden Historienepos noch mehr Eisenstein sehen möchtet, dürft ihr den folgenden Heimkinotipp nicht auslassen!
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