„Dark“ hat 2017 echte Pionierarbeit geleistet. Nicht nur war der vertrackte Mix aus Mystery-Krimi, Familien-Saga und Zeitreise-Sci-Fi damals die erste deutsche Netflix-Serie überhaupt, sondern tauchte auch derart selbstbewusst in Genre-Gefilde ab, wie man es in dieser Größenordnung aus Deutschland nur sehr selten kannte.
Und der Erfolg des auch international gefeierten Highlights entfachte zumindest im Streaming-Bereich die Lust an aufwändig produzierten deutschen Genre-Experimenten – vom dystopischen „Tribes Of Europa“, dem Martial-Arts-Actioner „60 Minuten“ und dem Vampire-im-Flugzeug-Thriller „Blood Red Sky“ bei Netflix über die Wolfgang-Hohlbein-Adaption „Der Greif“ bei Amazon Prime Video bis hin zur dämonischen Coming-of-Age-Geschichte „Pauline“ bei Disney+ (um nur einige zu nennen).
Und nun legt man beim letztgenannten Streamingdienst mit der achtteiligen dystopischen Serie „City Of Blood“ nach, die sich anschickt, die Lücke zu füllen, die „Dark“ seit dem Ende im Jahr 2020 hinterlassen hat – auch wenn hier zur Science-Fiction- noch eine klare Horror-Komponente hinzukommt. Wie das aussieht, könnt ihr ab sofort herausfinden: „City Of Blood“ startet am heutigen 16. September 2026 bei Disney+.
Vampire im dystopischen Berlin: Die Story von "City Of Blood"
In der nahen Zukunft ist Berlin von Krankheit, Müll und andauernder Hitze in Folge der globalen Erwärmung geprägt. Die Errichtung einer gemäßigten Schutzzone soll Abhilfe schaffen, verschärft die Spannungen zwischen Reich und Arm aber nur noch mehr. Inmitten dieses Klimas boomt der illegale Handel mit Blut, doch das hat einen weitaus düstereren Hintergrund, als es zunächst den Anschein hat.
Denn tatsächlich hat ein Clan von Vampiren die deutsche Hauptstadt bereits unterwandert und plant, im hitzigen politischen Geschehen mitzumischen, um endgültig die Macht an sich zu reißen. In die Ränkespiele werden auch die zwei ungleichen Schwestern Bea (Lea Drinda) und Phoebe (Soma Pysall) verwickelt, die versuchen, der Blutsauger-Verschwörung auf den Grund zu gehen, dabei aber schon bald um ihr eigenes Leben bangen müssen...
Lohnt sich "City Of Blood"?
„City Of Blood“ ist inspiriert von Reinhard Kleists und Tobias O. Meißners Graphic Novel „Berlinoir“, mutet aber am ehesten wie eine Art Vorgeschichte zum Comic an, in dem die Vampire bereits ein totalitäres Regime in Berlin aufgebaut haben. Nachdem wir vorab in die ersten Folgen der Serie reinschauen konnten, sind wir vor allem vom World Building überzeugt, in das Regisseur und Autor Philipp Kadelbach („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) seine Erzählung bettet.
Wenn Müllberge die Straßen säumen, auf denen zahlreiche Menschen ihre Notlager aufgeschlagen haben, oder die Kamera über zerstörte Windkrafträder und die wabernde Skyline von Berlin mitsamt ausgetrockneter Spree fährt, wähnt man sich mittendrin in dieser dem Untergang geweihten Welt, deren Vorboten ganz klar in unserer jetzigen Gegenwart verankert sind.
Tatsächlich gehen Kadelbach und sein Team wenig subtil, aber dadurch nicht unbedingt weniger effektiv vor, wenn mit den dargebotenen politischen Strömungen und dem präsentierten Zustand des zukünftigen Deutschlands der heutigen Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird.
Die dabei erzählte Geschichte ist primär in drei große Handlungsstränge geteilt, die sich immer wieder kreuzen – wobei der um die Ältere der Protagonisten-Geschwister im Vergleich zur Investigativ-Mission ihrer jüngeren Schwester und dem vampirischen Politzirkus deutlich abfällt, auch weil Darstellerin Soma Pysall in ihrem Spiel nicht mit dem starken restlichen Ensemble rund um Stars wie Lea Drinda („Wo ist Wanda?“), Lars Eidinger („Sterben“), Franz Hartwig („Der Pass“), David Schütter („4 Blocks“), Jördis Triebel („Dark“) und noch vielen anderen mithalten kann.
Dass es in all dem wenig zimperlich zur Sache geht und das blutige Versprechen, das der Titel der Serie macht, durchaus eingehalten wird, trägt indes zur schonungslosen Stimmung bei, die das Setting trotz seines übernatürlichen Überbaus greifbar unheilvoll macht – auch wenn „City Of Blood“ nicht so ein Atmosphäre-Monster ist wie der unangefochtene deutsche Genre-Primus „Dark“.
Dystopie auf Disney+ gibt es übrigens auch mit einer beliebten Film-Reihe, die seit Kurzem ebenfalls beim Streamingdienst abrufbar ist. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Über 9 (!) Stunden Sci-Fi-Dystopie: Eine der beliebtesten Filmreihen der 2010er-Jahre neu bei Disney+*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.