"Ich lief in meinen Wohnwagen und brach in Tränen aus": Kate Winslet (51) war sich nach dem Urteil eines Meisterregisseurs sicher, dass ihre Karriere vorbei ist
von Michael Bendix
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Vor 30 Jahren erhielt Kate Winslet für ihre Leistung in „Sinn und Sinnlichkeit“ die erste Oscar-Nominierung ihrer Karriere. Doch der Dreh gestaltete sich alles andere als einfach – denn der Regisseur des Films war äußerst zurückhaltend mit Lob.

Kate Winslet feierte ihren großen Durchbruch bekanntlich im Alter von etwa 21 Jahren mit James Camerons Rekord-Blockbuster „Titanic“ (1997). Ihre erste Oscar-Nominierung erhielt die Britin allerdings schon ein Jahr vorher – für die Rolle der Marianne Dashwood in „Sinn und Sinnlichkeit“.

Winslet konnte in Ang Lees längst zum Klassiker avancierter Kino-Umsetzung des berühmten Gesellschafts- und Liebesromans von Jane Austen sowohl Kritik als auch Publikum überzeugen. Doch obwohl sie auf der Leinwand scheinbar mühelos mit Co-Stars wie Hugh Grant, Emma Thompson oder Alan Rickman Schritt halten konnte, war die damalige Newcomerin zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich leicht zu verunsichern, was ihre schauspielerischen Fähigkeiten angeht. Kein Wunder, hatte sie bis dahin doch erst eine einzige größere Rolle gespielt (in Peter Jacksons viel gelobtem Coming-of-Age- und Kriminaldrama „Heavenly Creatures“).

Sinn und Sinnlichkeit
Sinn und Sinnlichkeit
Starttermin 7. März 1996 | 2 Std. 15 Min.
Von Ang Lee
Mit Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,5
Vorführungen (76)

Das Drehbuch zu „Sinn und Sinnlichkeit“ verfasste übrigens Thompson selbst, die im Film Mariannes ältere, vernunftbetonte Schwester Elinor verkörperte. Sie war es auch, die von Winslets Fähigkeiten so beeindruckt war, dass sie vorschlug, ihr statt des deutlich kleineren Parts der Lucy Steele (den schließlich Imogen Stubbs übernahm) eine der beiden weiblichen Hauptrollen anzubieten. Doch bereits zu Beginn der Dreharbeiten kam es zu einem Vorfall, der die junge Schauspielerin kurzzeitig völlig aus der Bahn warf.

„Sinn und Sinnlichkeit“ war der erste englischsprachige Film des taiwanischen Regisseurs Ang Lee, der später Kinoerfolge wie „Tiger & Dragon“, „Brokeback Mountain“ oder „Life Of Pi“ drehen sollte. Weil er mit Austens Werk nicht besonders gut vertraut war, vertiefte sich Lee intensiv in den Stoff – und verlangte dasselbe auch von seinen Schauspieler*innen. Von Winslet soll er beispielsweise erwartet haben, dass sie gotische Literatur liest und das Klavierspielen übt, um sich so gut wie möglich in ihre Figur hineinversetzen zu können. Erschwerend hinzu kam, dass er sich trotz seiner hohen Erwartungen sehr damit zurückhielt, den Darsteller*innen Feedback zu ihren Leistungen zu geben.

Kate Winslet bat Ang Lee um seine Meinung – und sollte das schnell bereuen

Am Ende eines Drehtages fasste sich Winslet ein Herz und wendete sich an Lee, um zu erfahren, wie zufrieden er mit ihrer Performance war. „Ich ging zu Ang, denn er hatte bis dahin kein Wort zu mir gesagt“, erinnerte sich die „Vergiss mein nicht!“-Mimin im Podcast „How To Fail With Elizabeth Day“ (via Far Out Magazine). „Da dachte ich: ‚Ich frage ihn jetzt einfach, oder?‘“

Die heute 51-Jährige fuhr fort: „Ich sagte: ‚War denn alles in Ordnung?‘ Und er sah mich lächelnd an, legte mir eine Hand auf die Schulter und sagte: ‚Ach, du wirst besser werden, das verspreche ich dir.‘ Und ich dachte nur: ‚Okay, ja, alles klar. Das hat gesessen.‘ Dann lief ich in meinen Wohnwagen und brach in Tränen aus.“

Winslet fasste Lees wenig aufmunternde Antwort als vernichtendes Urteil über ihr schauspielerisches Können auf und war sich für diesen Moment sogar sicher, dass ihre Karriere keine Zukunft hat. Doch dieser Eindruck hätte natürlich kaum weiter von der Realität entfernt sein können – schließlich ist Winslet bis heute eine erfolgreiche und gut beschäftigte Schauspielerin. Und für „Der Vorleser“ erhielt sie im Jahr 2009 auch ihren ersten Academy Award!

Übrigens: Nach „Titanic“ schwor sich Winslet eigentlich, nie wieder mit James Cameron zusammenzuarbeiten zu wollen. Was der Grund war (und warum sie sich schließlich doch umstimmen ließ), erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Man müsste mir eine Menge Geld zahlen": Deshalb wollte "Titanic"-Star Kate Winslet nie wieder mit James Cameron zusammenarbeiten
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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