Shitstorm gegen Kult-Ikone: Darum steht Danny Trejo wegen seines neuen Films unter Beschuss
von Björn Becher
Teile diesen Artikel

Danny Trejo ist eine Ikone der hispanischen Gemeinschaft. Doch nun steht der „From Dusk Till Dawn“-Kultstar sogar in seiner eigenen Community in der Kritik. Das liegt an seinem neuen Projekt, von dem er sich nicht einmal richtig distanzieren kann.

Universal Pictures

Danny Trejo ist seit Jahrzehnten eines der größten Kult-Gesichter Hollywoods. Kaum jemand dreht so viel wie er. Fast 500 (!) bereits abgedrehte und künftige Rollen listet allein die Internet-Filmdatenbank IMDb für den mittlerweile 82-jährigen Schauspieler. Bekannt wurde der vor allem durch Robert Rodriguez' „Desperado“ und „From Dusk Till Dawn“ und mit dessen „Machete“ stieg er sogar zum Actionhelden auf. Doch natürlich finden sich neben diesen Titeln oder auch Werken wie „Con Air“, „Heat“ sowie der Serie „Breaking Bad“ auch eine Menge billiger B-Movies in der Vita des Stars. Das konnte ihm bislang nichts anhaben. Dass Trejo zu fast jedem Angebot „Ja“ sagt, gehörte irgendwie sogar zu seiner Person dazu. Doch das hat sich jetzt geändert.

Eigentlich dachte Danny Trejo selbst, dass er in seinem neuen Film „Pawn Shop“ einen Helden spielen würde. Doch womöglich wusste er nicht über alle Details Bescheid. Jetzt sorgt das Projekt nicht nur für heftige Kritik und große Kontroversen, sondern beschert ihm den wohl massivsten Shitstorm seiner Karriere. Nun musste sogar sein Sohn öffentlich erklären, wie der „Machete“-Star offenbar unfreiwillig in einen politischen Skandal geraten ist und warum Trejo Senior selbst nicht frei darüber reden kann.

Danny Trejo in "Pawn Shop": Ein ICE-Thriller eines Trump-Unterstützers

Wie beiläufig im Rahmen der Berichterstattung über Proteste gegen den Dreh des Thrillers „Pawn Shop“ bekannt wurde, wirkt in dem Film neben Harvey Keitel und Ex-„E.T.“-Kinderstar Henry Thomas auch Danny Trejo mit. Und das sorgte für gewaltiges Aufsehen. Denn „Pawn Shop“ ist das neue Werk des rechtskonservativen US-Medienunternehmens Daily Wire von Ben Shapiro. Der ist einer der bekanntesten konservativen Kommentatoren der USA und deutlicher Unterstützer der Politik von Donald Trump. Kritiker ordnen die Werke des Netzwerks wie zuletzt „Run Hide Fight: Infidels“ häufig als politische Propaganda ein, die scharf gegen Minderheiten und Einwanderer agitiert.

Das scheint bei „Pawn Shop“ nicht anders zu sein, der zudem ein besonders brisantes Thema aufgreift. Im Mittelpunkt steht nämlich ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE, der bei einem Einsatz in Minneapolis von seinem schwer verletzten Partner getrennt wird. Verfolgt von einer aufgebrachten Menschenmenge sucht er in einem Pfandhaus bei dessen ausgerechnet mexikanischstämmigen Besitzer (Danny Trejo) und dessen progressiven Sohn Zuflucht. Gemeinsam müssen die drei unterschiedlichen Männer ums Überleben kämpfen.

Kritik an "Pawn Shop" sorgte sogar für kurzzeitigen Drehstopp

Der Film soll angeblich die US-Einwanderungsbehörde ICE, die wegen rabiater Methoden und mehrerer Todesfälle in der Kritik steht, in ein positives Licht rücken und Gegendemonstranten derweil als unkontrollierten, gefährlichen Lynchmob darstellen. Der Handlungsort Minneapolis ist dabei noch einmal besonders pikant. Dort wurde schließlich die dreifache Mutter Renée Good im Januar 2026 während eines Protests von einem ICE-Agenten erschossen.

Das rückte noch stärker in den Fokus, als Augenzeugen berichteten, dass beim Dreh in der Kleinstadt Livingston im US-Bundesstaat Montana eine Szene nachgestellt wurde, die an Goods Tod erinnert, die Behörde ICE dabei jedoch von jeglicher Schuld freispricht. Ob das wirklich der Fall ist und ob der Film die reale Geschichte thematisiert, lässt sich aktuell nicht sagen. Bekannt ist nur, dass die Dreharbeiten nach Protesten Anfang Oktober 2026 sogar für mehrere Tage unterbrochen werden mussten. Grund dafür waren aber in erster Linie mögliche Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften beim Dreh mit Schusswaffen und Pyrotechnik. Nach kurzer Zeit wurde die Drehgenehmigung dann mit strengen Auflagen wieder erteilt. Mittlerweile soll die Produktion auch beendet sein.

So reagierte Danny Trejo auf den Shitstorm

Erst im Zuge dieser Berichterstattung wurde Trejos Mitwirken öffentlich und löste umgehend den aktuellen Shitstorm im Netz aus. Schließlich ist ICE gerade in der hispanischen Gemeinschaft verhasst. Viele US-Bürger*innen mit Wurzeln in Süd- und Mittelamerika haben Angst vor den oft rücksichtslos agierenden Einsatzkräften. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass selbst ein legaler Aufenthaltsstatus oder die US-Staatsbürgerschaft nicht vor Übergriffen der Behörde schützen.

Dass ausgerechnet Trejo, der immer auch eine Stimme der Community war und sich wiederholt für Einwanderer eingesetzt hat, nun in einem möglichen Pro-ICE-Film mitwirkt, enttäuscht viele. Vor wenigen Tagen reagierte der Schauspieler erstmals auf die vielen negativen Kommentare in den sozialen Medien.

In einem Instagram-Statement betonte er, stolz auf seine mexikanischen Wurzeln zu sein, seine Community weiterhin zu unterstützen und erklärte: „Ich bin natürlich auch pro-Zuwanderung. Ich bin nicht für ICE. Ich weiß, woher ich komme, und ich kenne unsere Kämpfe. Ich bin Schauspieler. Mein Job ist es, eine Geschichte zu erzählen.“

Vielen Fans geht diese Distanzierung nicht weit genug. Sie fragen sich in den Kommentaren, wie diese Worte zu seinem Engagement passen und ob die Gage am Ende schwerer wog als seine Werte. Doch es hat wohl einen Grund, warum Trejo so wenig sagen konnte.

Danny Trejos Sohn verteidigt seinen Vater: "Er ist an dieses dumme Projekt gefesselt"

Das macht zumindest sein Sohn Gilbert Trejo deutlich, der sich nun seinerseits gegen die Vorwürfe an seinen Vater zur Wehr setzte. Wie Variety berichtet, erklärte Gilbert, dass die Familie ungefähr erst zwei Wochen nach Beginn der Dreharbeiten überhaupt von der Beteiligung Ben Shapiros erfahren habe. Sein Vater habe auch überhaupt nicht gewusst habe, wer das sei: „Ich musste ihm erst erklären, wer das ist und was für ein Typ das ist“, so Trejo Junior.

Laut Gilbert Trejo wurde „Pawn Shop“ seinem Vater ganz anders beschrieben, als der Film jetzt in den Medien dargestellt wird. „Er wurde für einen Film gebucht, der nicht pro-ICE ist und auch sonst nichts offensichtlich verherrlicht. Sein Agent beschrieb ihn als ‚eine komplizierte Geschichte über eine komplizierte Zeit, in der alle schlecht wegkommen – außer du, der hart arbeitende mexikanische Ladenbesitzer, der einfach nur seine Ruhe haben will‘. Er hat die Chance, mal den Guten zu spielen, sofort ergriffen.“

Nun habe Danny Trejo das Problem, dass er weder aussteigen noch öffentlich gegen Shapiro oder den Film Stellung beziehen könne, ohne rechtliche Konsequenzen zu riskieren. So drohe ihm bei einem Ausstieg eine Klage wegen Vertragsbruchs. Auch das eigentliche Statement, welches Danny Trejo eigentlich abgeben wollte, durfte er nach Angaben seines Sohnes nicht veröffentlichen: „Es ist absolut beschissen. Er ist an dieses dämliche Projekt gefesselt.“

Ihn enttäusche sehr, dass „scharenweise Leute“ nun seinem Vater den Rücken kehren, weil das nur der Gegenseite nütze: „Ben Shapiro hat Mexikaner dazu gebracht, einen ihrer Helden im Stich zu lassen, hat seinen eigenen Namen an die Spitze der Google-Suchergebnisse befördert und lässt uns wie wütende Narren aussehen, denen jegliche Differenzierung fehlt. Er hat gewonnen.“

Wann und in welcher Form der kontroverse Thriller von Regisseur Michael Polish („Alarum“, „Force Of Nature“) veröffentlicht werden soll, ist bislang nicht bekannt.

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 25 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" und alles, was gerade im Kino läuft.
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren