Im Laufe seiner sieben Jahrzehnte umspannenden Karriere hat Michael Caine die Schauspielerei immer ganz einfach und natürlich aussehen lassen. In Filmen wie „Hannah und ihre Schwestern“ oder „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, die ihm jeweils einen Oscar als Bester Nebendarsteller einbrachten, besticht er durch sein besonnenes, nuanciertes Spiel. Diese Qualität machte ihn auch zum perfekten Alfred Pennyworth, dem treuen Butler und väterlichen Vertrauten von Bruce Wayne in Christopher Nolans „The Dark Knight“-Trilogie.
Doch bis zu einem gewissen Grad ist es auch eine Illusion, Caines Leistungen für mühelos zu halten, nur weil es auf der Leinwand so rüberkommt – schließlich gehört es zur Kunst eines guten Schauspielers, sich die Anstrengungen hinter einer Rolle vom Publikum nicht anmerken zu lassen.
Passend dazu erinnert der mittlerweile 93-Jährige, der sich seit inzwischen drei Jahren im Ruhestand befindet, in seiner Autobiografie „Blowing The Bloody Doors Off: And Other Lessons In Life“ an eine Metapher, die ihm einst die Theaterregisseurin Joan Littlewood beigebracht und die seine Lebens- und Arbeitsphilosophie entscheidend geprägt hat: „Enten wirken ganz ruhig, wenn sie über die Wasseroberfläche gleiten. Doch darunter paddeln sie mit aller Kraft.“ (via Minha Vida)
Caine führt daraufhin mit eigenen Worten aus, was er aus diesem Satz zieht: „Wenn man die Vorbereitungsarbeit richtig macht, wird das Ergebnis so gut, dass die Zuschauer den Fehler begehen, alles für natürlich und mühelos zu halten. Meiner Erfahrung nach ist das niemals der Fall.“
Wie sehr der „Dressed To Kill“-Darsteller diesen Umstand verinnerlicht hat, zeigt ein weiterer Ratschlag, den er von Littlewood mit auf den Weg bekam: „Die Probe ist die Arbeit, die Aufführung ist die Entspannung.“ Gemeint ist damit nicht, dass man sich beim eigentlichen Auftritt zurücklehnen kann. Vielmehr soll die Vorbereitung so gründlich sein, dass man seine Rolle in- und auswendig kennt und sich vor der Kamera ganz auf den Moment konzentrieren kann.
Der Mime, der in bescheidenen Verhältnissen im Süden Londons aufgewachsen ist, stellt damit auch klar, dass er sein schauspielerisches Können keineswegs in erster Linie für angeborenes Talent hält, sondern darin das Resultat harter Arbeit und jahrelanger Übung sieht. Schaut man sich seine lange und erfolgreiche Karriere an, kann man jedenfalls sicher sagen, dass er mit dieser Einstellung gut gefahren ist. Wobei auch eine Größe wie Caine so manches Tief verkraften musste, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:
"Ich war so verzweifelt, dass ich einen Film mit Steven Seagal drehte": Michael Caine spricht über die schwierigste Zeit seiner KarriereEin ähnlicher Artikel ist zuvor bereits bei unseren Kolleg*innen von Minhavida.com erschienen.