Netflix verliert einen seiner wichtigsten Regisseure: Ausgerechnet Brad Pitts neuer Film soll zum Problem geworden sein
von Björn Becher
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Seit über einem Jahrzehnt arbeitet einer der renommiertesten Regisseure Hollywoods exklusiv für Netflix. Dies wird nach seinem nächsten Film aber enden. Nun gibt es neue Hinweise darauf, was wirklich hinter der Trennung stecken könnte.

Mit Filmen wie „Sieben“, „Fight Club“ und „The Social Network“ hat David Fincher einige der größten modernen Kino-Klassiker geschaffen. In den vergangenen Jahren war aber nicht die große Leinwand, sondern Streamingdienst Netflix seine wichtigste kreative Heimat. Dort war er schließlich nicht nur an Serien wie „House Of Cards“, „Mindhunter“ und „Love, Death & Robots“ beteiligt, sondern drehte auch seine jüngsten Filme „Mank“ und „The Killer“. Doch damit ist bald Schluss.

Bereits Ende September wurde bekannt, dass der Regisseur seinen 2027 auslaufenden Exklusivvertrag mit Netflix nicht verlängern wird. Das kommende Tarantino-Sequel „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ wird sein vorerst letztes Projekt für Netflix. Weitere Ideen wie eine US-Version von „Squid Game“ oder eine neue Version des Hitchcock-Klassikers „Der Fremde im Zug“ werden nicht gemeinsam vorangetrieben. Nachdem die Gründe bislang unklar waren, legt ein neuer Bericht jetzt nahe, dass ausgerechnet Finchers nächster Film, der in enger Zusammenarbeit mit Hollywoodstar Brad Pitt entstand, eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte.

Streit um Brad Pitts neuen Film?

Wie die in Hollywood bestens vernetzte Tatiana Siegel in einem Artikel des US-Branchenportals Page Six unter Berufung auf Insider berichtet, soll es zwischen Fincher und Netflix-Filmchef Dan Lin zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten gekommen sein. Im Mittelpunkt habe dabei der genannte „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ gestanden, der anknüpfend an Quentin Tarantinos „Once Upon A Time... In Hollywood“ die Geschichte von Stuntman Cliff Booth weitererzählt.

Dazu muss man wissen, dass bei Netflix seit einiger Zeit zahlreiche Änderungen stattfinden. Gerade ging erst die Entlassung von insgesamt 1.000 Mitarbeitenden durch die Presse. Eine für Fincher entscheidende Änderung erfolgte allerdings bereits vor einigen Jahren. Lange war Scott Stuber bei Netflix für die Filmsparte verantwortlich. Er gilt als Freund und Fürsprecher der Kreativen und prägte jene Phase, in der Filmemacher sich bei Netflix austoben und ihre Herzensprojekte umsetzen konnten. Im Frühjahr 2024 wurde er aber durch Dan Lin ersetzt, der deutlich stärker auf die Kosten achten sollte. In dieser Zeit wurde die Menge der Produktionen zurückgefahren und die Budgets deutlich begrenzt.

 The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth
The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth
Von David Fincher
Mit Brad Pitt, Elizabeth Debicki, Scott Caan
Starttermin 25. November 2026

„The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ war jetzt die erste Zusammenarbeit für Fincher mit Lin, nachdem er seine vorherigen Netflix-Filme noch mit Stuber realisierte. Dabei soll es kräftig gekracht haben. Fincher gilt als Regisseur, der sehr langsam und mit vielen Takes arbeitet. Bekannt ist zudem, dass er oft mit dem ersten Schnitt unzufrieden ist und im Nachhinein Korrekturen über Nachdrehs einfordert.

Schon vor einigen Monaten machte die Meldung die Runde, dass Fincher auch bei seinem „Cliff Booth“-Film umfangreiche, kostspielige Nachdrehs ansetzen wolle. Lin habe entsprechende Forderungen zunächst abgelehnt und schließlich lediglich wenigen zusätzlichen Drehtagen zugestimmt. Darüber soll es zum Streit gekommen sein.

Eine Quelle beschrieb gegenüber Page Six sinngemäß, dass der Regisseur die „budgetären Fesseln“ von Lin schlicht sattgehabt habe. Ob diese aktuellen Auseinandersetzungen tatsächlich ausschlaggebend für Finchers Entscheidung waren, ist bislang aber nicht offiziell bestätigt.

Hat auch Ben Affleck Streit mit Netflix?

Laut dem Page-Six-Bericht ist Fincher aber nicht der einzige Kreative, der mit Lins Sparkurs seine Probleme hat. Auch Ben Affleck soll bei den Arbeiten an seinem kürzlich veröffentlichten Thriller „Animals“ nicht gut mit dem Netflix-Filmchef ausgekommen sein. Eine Person aus dem Umfeld von Affleck habe dem Portal auch bestätigt, dass der Regisseur und Schauspieler die Führungskraft nicht ausstehen könne. Bei der „Animals“-Premiere sorgte es bereits für großes Stirnrunzeln, dass nicht Lin den Film ankündigte, sondern Bela Bajaria, die als Netflix-Chief-Content-Officer übergeordnet den gesamten Content verantwortete, in der Vergangenheit aber vor allem rund um Serien in Erscheinung trat. Allerdings hat es einen Grund, dass wir hier die Vergangenheitsform wählen. Bajaria gehört zu den rund 1.000 Leuten, die gerade gefeuert wurden.

Bei Netflix ist aktuell viel in Bewegung und die Ausrichtung der Filmsparte wandelt sich spürbar. Einerseits betont der Streamingdienst inzwischen die Bedeutung von Kinostarts, andererseits regiert der Rotstift, was in einem zunehmend angespannten Verhältnisses zu Top-Kreativen resultiert. Wie es für „Fight Club“-Macher David Fincher weitergeht, ist derweil offen. Sicher ist erst einmal nur, dass noch die Veröffentlichung von „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ ansteht. Der Film mit Brad Pitt soll ab dem 25. November 2026 in IMAX-Kinos laufen, bevor er am 23. Dezember 2026 zu Netflix kommt.

Falls ihr derweil Filmtipps auf Netflix sucht, werdet ihr im folgenden Artikel fündig:

Die 3 besten Filme, die ihr dieses Wochenende auf Netflix schauen müsst
Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 25 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" und alles, was gerade im Kino läuft.
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