Auch wenn „Spuk in Hill House“-Mastermind Mike Flanagan bei seiner „Carrie“-Adaption die Geschichte um die gemobbte Titelfigur und das Erstarken ihrer übersinnlichen Kräfte massiv ausgebaut und mit viel Freiheiten modernisiert hat, ist es durchaus erstaunlich, dass der Stoff aus der Feder von Stephen King über die Jahre so oft adaptiert wurde. Schließlich gilt bereits die erste Verfilmung aus dem Jahr 1976 als absolutes Meisterwerk.
Mit seiner nur zwei Jahre nach Stephen Kings gleichnamigen Debütroman erschienenen Version von „Carrie“ hat der spätere „Scarface“-, „Die Unbestechlichen“- und „Mission: Impossible“-Regisseur Brian De Palma nicht nur einen virtuos bebilderten Meilenstein des Horror-Kinos abgeliefert, sondern als erste King-Verfilmung überhaupt den Weg für die unzähligen weiteren Adaptionen von Werken des Gruselmeisters geebnet.
Mike Flanagan setzt sich nun ganz bewusst von De Palmas Version ab, um sein eigenes Ding zu machen. Dennoch lässt der „Doctor Sleep“-Regisseur die Vorarbeit des legendären Filmemachers nicht unter den Tisch fallen. Das wird einerseits durch vereinzelte visuelle und inhaltliche Referenzen deutlich (etwa die Kameraarbeit beim Abschlussball oder ein gewisser Hauseinsturz gegen Ende). Auf der anderen Seite gibt es aber auch das eine oder andere Easter Egg zu entdecken, am deutlichsten in der finalen achten Folge – was angesichts der Platzierung im Hintergrund und des Infernos davor dem einen oder der anderen jedoch vielleicht trotzdem entgangen ist. Achtung, es folgen Spoiler zur letzten Folge von „Carrie“!
Brian-De-Palma-Namedrop im "Carrie"-Showdown
Als Carrie (Summer H. Howell) nach dem Massaker in der Turnhalle ihrer Highschool mit (der Astralprojektion) ihrer Freundin Emaline (Thalia Dudek) auf den brennenden Straßen von Chamberlain tanzt und Letztere dann plötzlich angeschossen wird, kommt Carrie vor einem Kino zum Stehen. Und über dessen Eingang ist auf einer Leuchtanzeige zu lesen, was zurzeit dort gespielt wird: eine „Brian De Palma Retrospective in 35mm“:
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Ob bei der damit beworbenen Wiederaufführung von De Palmas Werken auch „Carrie“ mit dabei ist und somit für ein amüsantes Paradoxon sorgt, steht auf einem anderen Blatt. Letztlich handelt es sich hier ja auch schlicht um ein augenzwinkerndes Easter Egg zu De Palmas wegweisendem „Carrie“-Beitrag, ohne Relevanz für die Handlung oder die entworfene Welt ...
... und es ist übrigens nicht das einzige. So ist die in der Serie auftretende Sozialarbeiterin Nancy Piper etwa nach den Schauspielerinnen Nancy Allen und Piper Laurie benannt, die in der ersten „Carrie“-Verfilmung Ober-Mobberin Chris respektive Carries Mutter Margaret verkörperten.
Ein ähnlich versteckter Insider-Gag findet sich darüber hinaus in der Schulturnhalle, wo auf den Meisterschaftsbannern ganz bewusst die Jahreszahlen 1974 (Veröffentlichung von Kings Roman) und 1976 (Kinostart von De Palmas Film) weggelassen wurden.
Wo die erste und die neueste „Carrie“-Adaption in den Augen von FILMSTARTS-Autorin und Stephen-King-Fan Selina Sondermann im Ranking aller Verfilmungen landen, könnt ihr derweil im folgenden Artikel nachlesen:
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