Die 1990er-Jahre haben mehrere der legendärsten Twists der Kinogeschichte hervorgebracht – man denke nur an „Sieben“, „Fight Club“ oder „The Sixth Sense“. Ein weiterer Film, dessen Schlusspointe alles zuvor Gesehene völlig auf den Kopf stellt, ist der Thriller „Die üblichen Verdächtigen“, der 1995 unter der Regie von Bryan Singer („X-Men“) entstand – und dessen raffiniert konstruiertes Drehbuch aus der Feder von Christopher McQuarrie stammt, der heute vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Tom Cruise bei unter anderem vier „Mission: Impossible“-Blockbustern bekannt ist.
Falls ihr den Film noch gar nicht gesehen habt, lest an dieser Stelle lieber nicht weiter – falls es einfach nur zu lange her ist, hier noch einmal die grobe Zusammenfassung des Inhalts: Im Mittelpunkt steht der einzige Überlebende eines Massakers im Hafen von Los Angeles, der Kleinkriminelle Roger „Verbal“ Kint (Kevin Spacey). Beim anschließenden Verhör schildert er dem Ermittler Dave Kujan (Chazz Palminteri) die Ereignisse, die zu dem blutigen Verbrechen geführt haben.
Alles begann mit einer polizeilichen Gegenüberstellung, bei der Kint auf vier weitere Kriminelle traf: Dean Keaton (Gabriel Byrne), Michael McManus (Stephen Baldwin), Fred Fenster (Benicio del Toro) und Todd Hockney (Kevin Pollak). Bald startet das Quartett gemeinsam eine Serie von Überfällen – und gerät in den Bann eines mysteriösen Unterweltbosses namens Keyser Söze, dessen wahre Identität lange im Dunkeln bleibt.
Der finale Twist von "Die üblichen Verdächtigen" schrieb Geschichte
Wie sich bereits andeutet, stützt sich das gesamte Geschehen auf die Aussagen von Roger „Verbal“ Kint, einem körperlich beeinträchtigten Mann, der zunächst wenig bedrohlich wirkt. Doch wie Kujan lassen auch wir uns von einem unzuverlässigen Erzähler und Manipulator in die Irre führen. In den letzten Minuten des Films stellt der Ermittler nämlich fest, dass zahlreiche Details aus Verbals Bericht schlichtweg Gegenständen und Wörtern entnommen sind, die in seinem Büro zu sehen sind. Daraus zieht er den Schluss, dass Kints Geschichte weitgehend erfunden sein muss.
Was das genau bedeutet, zeigen erst die nächsten Bilder, die sich außerhalb des Sichtfelds von Kujan abspielen: Wenn Kint am Ende das Polizeirevier verlässt, legt er sein Hinken ab, verändert seinen Gesichtsausdruck und zündet sich mit der vermeintlich versehrten linken Hand eine Zigarette an – auf der Tonspur hören wir Schlüsselsätze aus den Verhörgesprächen. Schnell wird klar: „Verbal“ Kint und Keyser Söze sind ein und dieselbe Person.
Diese Szene ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit minimalen Gesten und ohne ausufernde Erklärungen eine komplette Filmhandlung in ein neues Licht rücken kann. Zugleich löst der Final-Twist nicht jedes Detail lückenlos auf – welche Teile des Berichts erfunden und welche vielleicht doch wahr waren, bleibt im Dunkeln. Nicht zuletzt deshalb hinterlässt der Schlussakt einen so nachhaltigen Eindruck, weil er zwar eine Auflösung bietet, dem Publikum zugleich aber den Boden unter den Füßen wegzieht.
Zum Schluss noch ein interessanter Fakt, den ihr vielleicht noch gar nicht kanntet: Der Filmtitel, der längst zum geflügelten Wort geworden ist, geht auf ein Zitat aus dem Hollywood-Klassiker „Casablanca“ zurück. Das gilt auch für einen anderen bekannten Begriff, der dem Titel eines Thriller-Meisterwerks entlehnt ist:
Jeder kennt dieses Wort – doch kaum jemand weiß, dass es aus einem Thriller-Meisterwerk stammt!Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer brasilianischen Schwesternseite AdoroCinema erschienen.
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