Die Überschrift meiner Kritik zum Film lautet: „Groß! Wahnsinn! Größenwahnsinnig?“ Damit ist der Ton gesetzt. Nachdem er sich einige Jahre lang vor allem um seine weltweit erfolgreiche Historien-Kriminal-Serie „Babylon Berlin“ gekümmert hatte, meldete sich „Lola rennt“-Mastermind Tom Tykwer mit einem Paukenschlag im Kino zurück: Sein episches Fantasy-Drama „Das Licht“ eröffnete 2025 mit einer stolzen Laufzeit von zwei Stunden und 42 Minuten erst die Berlinale – und soff dann nur wenige Wochen später mit gemischten Kritiken an den Kinokassen gnadenlos ab. Trotz des gewaltigen Produktionsaufwandes reichte es am Ende nicht mal für einen Platz in den Top 125 der deutschen Kino-Jahrescharts!
Aber nachdem nun auch die fünfte und letzte Staffel von „Babylon Berlin“ fertig im Kasten ist, hat sich Tom Tykwer noch mal in den Schneideraum gesetzt, um mal zu schauen, ob sich da nicht doch noch was herausholen lässt – und tatsächlich: Am heutigen Freitag erscheinen alle Folgen einer aus dem Material neu zusammengeschnittenen Mini-Serie auf dem ZDF Streaming-Portal (wie die ZDF-Mediathek seit Februar 2025 SEO-konform heißt). Insgesamt umfasst „Das Licht“ nun vier Episoden mit einer Länge zwischen 33 und 44 Minuten – womit die Gesamtlänge sogar knapp unter der des Kinofilms liegt.
Besser als Film oder als Serie?
Tom Tykwer selbst sagt dazu: „Der Film war für seine TV-Ausstrahlung im ZDF immer auch als Mini-Serie konzipiert. Die vier Episoden haben ein schönes, klares Eigenleben als Kapitel und schenken der Erzählung einen neuen Rhythmus.“ Die Gesamtlänge bleibt allerdings fast gleich gegenüber dem Kinofilm – es ist also nicht wie bei klassischen TV-Zweiteilern wie „Die Päpstin“, bei denen die Fernsehfassung noch mal deutlich erweitert gegenüber der Leinwandversion ist.
Aber einen Vorteil hat die Serie für viele sicherlich: Es fällt einem Gros des Publikums viel leichter, eine Mini-Serie zu starten, deren erste Episode gerade einmal 33 Minuten lang ist, als einen Film von fast drei Stunden Länge – selbst wenn man die Serie am Ende doch am Stück bingt und so auf dieselbe Fernsehdauer kommt, als hätte man direkt den Film eingeschaltet.
Und apropos Film: Der „Das Licht“-Kinofilm feiert ebenfalls in wenigen Tagen seine TV-Premiere – und zwar am 6. November um 22.15 Uhr bei 3sat.
Darum geht’s bei "Das Licht"
Die Eheleute Engels wollen die Welt retten: Deshalb arbeitet Tim (Lars Eidinger) in einer Agentur, die großen Unternehmen einen nachhaltigen Anstrich verpasst, während Milena (Nicolette Krebitz) Förderprojekte in Kenia umsetzt. Zugleich bricht ihre eigene Familie auseinander: Teenager-Sohn Jon (Julius Gause) verliert sich in der VR-Welt, Zwillingsschwester Frieda (Elke Biesendorfer) feiert die Wochenenden durch, und das jüngste Kind Dio (Elyas Eldridge) wird hin- und hergeschoben.
Dann stirbt die Haushälterin der Familie an einem Herzinfarkt. Als Ersatz tritt die aus Syrien geflüchtete Farrah (Tala Al-Deen) die Stelle an, die die tiefen Gräben zwischen den Familienmitgliedern aufbricht. Dazu nutzt sie u. a. ein mysteriöses blinkendes Licht, dessen besondere Wirkung die Mitglieder der Familie Engels bald erfahren ...
Lohnt sich "Das Licht"?
„Das Licht“ ist definitiv umstritten. Manche werfen Tom Tykwer vor, nach seiner langen Kinopause einen Film abgeliefert zu haben, in dem er zu wirklich jeder aktuellen Diskussion etwas beitragen will – und so im selben Moment auch wieder gar nichts (Essenzielles) zu sagen hat. Aber trotz dieser Weltverbesserungs-Cringe-Vorwürfe sind wir anderer Meinung – und so lautet das Fazit meiner 4-Sterne-FILMSTARTS-Kritik auch:
„In den neun (!) Jahren seit seinem letzten Kinofilm hat sich bei Tom Tykwer offensichtlich etwas angestaut, das nun mit ganzer geballter Kraft auf die Leinwand drängt. Das Ergebnis ist derart kühn, draufgängerisch und thematisch wie cineastisch allumfassend, dass man sich hinterher ganz wunderbar darüber streiten kann, ob wirklich jeder Einfall zu 100 Prozent aufgeht – aber gerade deshalb ist es ja so aufregendes, anregendes, pures Kino!“
Und daher haben wir Tom Tykwer auch zu uns in die Redaktion zu einer gemeinsamen Episode unseres Podcasts „Leinwandliebe“ eingeladen:
Und einen weiteren Film, der in dieser Woche ebenfalls schneller als erwartet im Streaming gelandet ist, findet ihr im Abo-Angebot von Amazon Prime Video:
Gerade noch im Kino, jetzt schon bei Amazon Prime Video: Auf diese Rückkehr haben Fans 24 Jahre gewartet!