Franz Eberhofer Vs. Hubertus Jennerwein: Wer ist der bessere Kino-Kommissar?
von Christoph Petersen
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Bis 2013 spielten die Krimi-Reihen von Jörg Maurer und Rita Falk in derselben Liga – aber dann zog Eberhofer dank seiner regelmäßigen Kinohits scheinbar uneinholbar davon. Aber jetzt schlägt Jennerwein auch auf der großen Leinwand zurück!

Kommissare, die im (ländlichen) süddeutschen Raum in möglichst skurrilen Fällen ermitteln, haben in den Bestsellerlisten seit mindestens 20 Jahren durchgehend Hochkonjunktur. Aber während dem von Jörg Maurer erdachten Hubertus Jennerwein bereits 2011 der (einmalige) Sprung ins Fernsehen gelang (mit „Föhnlage - Ein Alpenkrimi“), startete Rita Falks Schöpfung Franz Eberhofer zwei Jahre später in eine ganz andere Sphäre durch: Zwar war der erste Fall „Dampfnudelblues“ ebenfalls „nur“ fürs Fernsehen produziert worden, aber dann kam er auf Drängen einer bayerischen Kinobetreiberin doch noch auf die große Leinwand …

… und schrieb dort in den folgenden Jahren deutsche Kinogeschichte: Dank der wahnsinnig erfolgreichen TV-Ausstrahlungen wurden die Kriminalfälle auch im Kino immer populärer und legten mit jedem neuen Film nur noch mehr zu, bis der im August gestartete 10. Teil „Steckerlfischfiasko“ sogar mehr als 1,7 Millionen Besucher*innen in die Kinos lockte. Kein Wunder, dass ein so nachhaltiger Erfolg Begehrlichkeiten weckt – und trotzdem hat es 13 Jahre gedauert, bis Eberhofer mit „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ in dieser Woche endlich ernsthafte Kino-Konkurrenz bekommt. Aber muss man sich in Niederkaltenkirchen jetzt wirklich Sorgen machen?

Wir haben alle zehn Eberhofer-Filme und jetzt auch „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ gesehen – und sind damit bestens für den direkten Vergleich gerüstet: Jennerwein Vs. Eberhofer - wer ist der bessere Kino-Kommissar?

Wer ist der bessere Ermittler?

Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) will seine Fleischkäsesemmel – und ansonsten seine Ruhe. Dass er die Fälle aber trotzdem immer irgendwie gelöst bekommt, während er mit seiner gleichermaßen genervten wie entspannten Art zugleich auch noch den Dorf- wie Familienfrieden sicherstellt, spricht aber dennoch für ihn.

„Pumuckl“-Hausmeister Florian Brückner gibt Hubertus Jennerwein hingegen mit einem extremen Blick für Details, meditativen Eigenheiten und klaren Defiziten, wenn es um den sozialen Umgang (gerade in einem Dorf wie Garmisch-Partenkirchen) geht – quasi eine Art alpiner „Monk“. Trotzdem: Falls auf mich mal ein Mordanschlag verübt werden sollte, würde ich ganz klar Jennerwein als verantwortlichen Ermittler bevorzugen.

Wer hat die besseren Fälle?

Man sollte hier ohnehin keine durchdachten Krimi-Mysterien auf Agatha-Christie-Niveau erwarten – dafür steht der Humor viel zu sehr im Vordergrund. Trotzdem scheint Rita Falk bei ihren Eberhofer-Geschichten an allererster Stelle vor allem auf besonders skurrile Szenarien zu setzen, und sich erst an zweiter Stelle um eine überraschende Auflösung zu scheren.

Bei Jennerwein wird es trotz der augenzwinkernden Attitüde schon öfter mal im klassischen Sinn spannend – und man wird auch mehr motiviert, zwischendrin mitzurätseln, statt nur auf die nächste Pointe zu warten. So ist es am Ende schlicht Geschmackssache, wobei zumindest Krimi-Purist*innen eher zu Jennerwein tendieren dürften.

Wer hat die besseren Co-Stars?

Was das skurrile Arsenal an Nebenfiguren angeht, bleibt aus „Hochsaison“ vor allem das Bestattungsunternehmen-Ehepaar mit seinen trockenen Werbesprüchen („Sterben, wo andere Urlaub machen“) hängen. Das erinnert an den ikonischen Bestatter aus den „Lucky Luke“-Comics. Ebenfalls gelungen sind die Auftritte von Gerhard Wittmann als Bäckereibesitzer, der die Zischgeräusche seiner nicht vorhandenen Cappuccino-Maschine mit dem Mund nachmacht, um sich vor seiner Kundschaft als Barista aufzuspielen. Aber das war’s im ersten Anlauf dann leider auch schon …

Bei Eberhofer hat’s damals auch seine Zeit gedauert, aber inzwischen sind seine Familienmitglieder und auch viele sonstige Dorfbewohner*innen selbst zu ikonischen Kinofiguren herangewachsen (u. a. auch hier wieder Gerhard Wittmann als Eberhofers spießiger Bruder). Vielmehr hat ein Film wie „Steckerlfischfiasko“ inzwischen genau das gegenteilige Problem – zu viele beliebte Charaktere, die man alle irgendwie in den 100 Minuten unterbringen muss. Trotzdem eine ganz klare Sache: In dieser Kategorie liegt Eberhofer meilenweit vor Jennerwein!

Wer ist mehr Kino?

Wie gesagt wurde der Eberhofer-Auftakt „Dampfnudelblues“ damals fürs Fernsehen gedreht – und das sieht man auch! Aber seitdem haben sich die Produktionswerte massiv gesteigert. Ist ja auch kein Wunder, wenn man fest mit mindestens 1,5 Millionen verkauften Kinotickets rechnen kann. „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ wurde nun zwar mit RTL gemeinsam produziert, aber man sieht trotzdem, dass mit mindestens einem Auge in Richtung große Leinwand geschielt wurde. Und gerade die Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen sorgt für imposante Schauwerte. Trotzdem hat Eberhofer hier – zumindest, wenn man seine neuesten Kino-Abenteuer zum Vergleich heranzieht – etwas die Nase vorn.

Am Ende lässt sich das Duell auf eine simple Formel herunterbrechen: Wer einen Krimi mit skurriler Alpin-Beilage sehen will, ist bei „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ gut aufgehoben. Wer hingegen eine schrullige Lokalkomödie mit ein bisschen Ermittlungsarbeit nebenbei bevorzugt, sollte eher auf den 11. Eberhofer-Kinofilm (voraussichtlich „Apfelstrudel-Alibi“) warten. Oder man schaut einfach beide …

… wobei das gerade für norddeutsche Krimifans teilweise gar nicht so einfach ist aktuell:

Den Weißwurstäquator gibt es auch im Kino: Einen der größten Filmstarts der Woche gibt es weder in Berlin noch in Hamburg zu sehen!

Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.
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