Dass jeder neue Eberhofer-Kinofilm noch erfolgreicher ist als der Vorgänger, liegt auch daran, dass sich der Hype um den Dorfsheriff aus Niederkaltenkirchen erst nach und nach in Richtung Norden ausgebreitet hat. Der Auftakt „Dampfnudelblues“ kam ja 2013 überhaupt nur in die Lichtspielhäuser, weil sich eine bayerische Kinobetreiberin dafür eingesetzt hat, den eigentlich fürs Fernsehen produzierten Krimi vorab auch auf der großen Leinwand zu zeigen.
Zu Beginn blieb es dann auch erst mal ein rein süddeutsches Phänomen – erst nach den wahnsinnig erfolgreichen TV-Ausstrahlungen der ersten Filme traute sich der Verleih Constantin Film ganz langsam und vorsichtig, die nächsten Eberhofer-Filme auch in einigen Kinos nördlich des Weißwurstäquators laufen zu lassen. Der Rest ist deutsche Krimi-Geschichte – und genau die soll jetzt mit Kommissar Jennerwein möglichst wiederholt werden.
Ein erprobtes Erfolgsrezept
Die „Kommissar Jennerwein ermittelt“-Romane von Jörg Maurer, in denen der titelgebende Mordkommissar nach einer Strafversetzung in einem vermeintlich idyllischen Alpenkurort ermitteln muss, schaffen es zwar regelmäßig an die Spitze der Bestsellerlisten – aber was Adaptionen angeht, gab es bisher nur den 2010 ausgestrahlten TV-Film „Föhnlage - Ein Alpenkrimi“ mit Martin Feifel als Kriminalhauptkommissar Hubertus Jennerwein. Jetzt mit „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ also endlich der erste (wenn auch von RTL co-produzierte) Kinofilm …
… und darin direkt ein angemessen skurriler Fall, zumindest für süddeutsche Krimi-Fans (sowie einige norddeutsche Ausnahmen wie Hannover): Die Hauptrolle spielt nun Florian Brückner, der in Garmisch-Partenkirchen im Fall eines tödlich verunglückten dänischen Skispringers ermittelt. Zunächst spricht viel für einen Unfall – aber dann wird auch noch ein Anschlag auf den Präsidenten des Bewerbungskomitees für die Olympischen Winterspiele verübt. Da liegt es auf der Hand, dass die Ereignisse miteinander zusammenhängen müssen …
Die Nordwanderung beginnt frühestens mit Teil 2
Es gibt in der Romanreihe inzwischen 16 Fälle – damit ist Jennerwein dem Konkurrenten Eberhofer sogar vier Bücher voraus. Es gäbe also reichlich Stoff für mögliche Fortsetzungen, falls sich in den kommenden Tagen und Wochen der erhoffte Erfolg speziell in den bayerischen Kinos einstellt. Aber selbst wenn es gut läuft, stehen die Chancen schlecht, dass dann noch viele norddeutsche Kinos spontan auf den Hype aufspringen – dafür ist dieser Herbst einfach viel zu voll mit anderen Kinostarts.
Was hingegen wahrscheinlicher ist: In ein bis zwei Jahren wird „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ (-> hier geht’s zu unserer ausführlichen Filmkritik) dann zur Primetime im gesamtdeutschen Fernsehen zu sehen sein – und dort hoffentlich starke Quoten einfahren. Und genau diese könnten es dann sein, die bei einem möglichen „Kommissar Jennerwein 2“ oder gar „Kommissar Jennerwein 3“ nach und nach dafür sorgen, dass sich die aktuell noch auf Höhe des Weißwurstäquators liegende Kinogrenze langsam, aber sicher immer weiter in den Norden der Republik verschiebt. Eberhofer hat’s schließlich vorgemacht.
Und apropos Eberhofer – darum ist es noch wichtiger, dass „Kommissar Jennerwein“ nun die Lücke schließt:
"Nächstes Jahr wird keiner kommen": Trotz des Erfolgs von "Steckerlfischfiasko" müssen wir länger auf einen neuen Eberhofer-Teil warten