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    Die wichtigste Frage zum "Kaiserschmarrndrama": Wie schafft man es, dass ein Hund derart bekifft in die Kamera schaut?
    08.08.2021 um 14:55
    Christoph Petersen
    Christoph Petersen
    -Chefredakteur
    Hat im letzten Jahr exakt 700 Filme gesehen - und jede Minute davon genossen, selbst wenn der Film gerade nicht so gut war.

    Zum Start des siebten Eberhofer-Krimis „Kaiserschmarrndrama“ (läuft seit Donnerstag im Kino) haben wir zur Abwechslung mal nicht mit den (menschlichen) Stars oder dem Regisseur gesprochen – sondern mit der Tiertrainerin Sandra Folgner...

    Copyright 2020 Constantin Film Verleih GmbH

    Trotz Corona-Beschränkungen hat „Kaiserschmarrndrama“ am vergangenen Donnerstag den erfolgreichsten Kinostarttag der gesamten Eberhofer-Reihe hingelegt. Zunächst nur ein Phänomen in Bayern, haben die Verfilmungen der Kult-Krimis von Rita Falk inzwischen längst auch den Rest der Bundesrepublik im Sturm erobert – und obwohl wir inzwischen schon beim siebten Fall angekommen sind, scheint das Ende der Fahnenstange noch immer nicht erreicht...

    Mit der Popularität der Filme stieg auch der Stern von Joker, einem Berger de Picardie, der in den Filmen Eberhofers Hund Ludwig verkörpert. Obwohl (oder vielleicht sogar gerade weil) er die meiste Zeit nur völlig entspannt auf der Eckbank hockt, hat Joker/Ludwig inzwischen so viele Fans, dass er nicht nur eine eigene Facebook-Seite bekommen, sondern auch regelmäßig Programmstunden gegeben hat.

    Deshalb wollten wir zum Start von „Kaiserschmarrndrama“ diesmal auch unbedingt was zu Fanfavorit Ludwig machen – und haben deshalb bereits im vergangenen Jahr mit Jokers Trainerin Sandra Folgner telefoniert. Die war nämlich auch am Set immer ganz nah mit dran, egal wie eng es dort auch wurde:

    Traurigerweise ist Joker vor einigen Wochen verstorben – und die Anteilnahme seiner Fans auf seiner Facebook-Page war erwartbar überwältigend:

    Trotzdem möchten wir euch das Interview nicht vorenthalten – denn das ist nicht nur sehr schön geworden, es ist ja auch gerade jetzt mehr denn je angebracht, Jokers Leistungen zu ehren. Behaltet beim Lesen nur bitte im Hinterkopf, wann das Gespräch geführt wurde.

    FILMSTARTS: War der Joker eigentlich von Anfang an dabei oder ist er erst bei einem späteren Teil dazugekommen?

    Sandra Folgner: Im ersten Teil, das war der „Dampfnudelblues“, da wurde der Ludwig nicht mitverfilmt. Aber es hat dann einen ziemlichen Aufstand in der ja doch relativ großen Fangemeinde der Bücher gegeben. Da wurde sich beschwert, dass der Ludwig nicht dabei ist – und so kam im zweiten Film „Winterkartoffelknödel“ auch der Hund und damit der Joker mit dazu.

    FILMSTARTS: War das damals seine erste größere Rolle – oder war er da schon dick im Geschäft?

    Sandra Folgner: Nein, das war damals seine erste größere Rolle. Er war ja auch erst knapp zwei Jahre alt.

    FILMSTARTS: Wie sieht so ein Casting für einen Hund eigentlich aus? Guckt sich der Regisseur nur die Bilder an – oder muss man da tatsächlich richtig vorspielen?

    Sandra Folgner: Das kommt darauf an. Wenn es eine wirklich große Rolle ist, dann gibt es schon richtige Castings. Aber der Ludwig hat in den Eberhofer-Krimis ja nicht wirklich viel zu tun. Klar ist er immer präsent und sitzt meistens mit auf der Eckbank – doch darüber hinaus macht er eher kleine Sachen, der Franz geht mal mit ihm spazieren oder so. Wir haben uns schon vorab mit dem Regisseur Ed Herzog getroffen, aber da ging’s dann eigentlich mehr um die Optik.

    FILMSTARTS: Gab es denn überhaupt Szenen, für die ihr speziell Sachen trainieren musstet?

    Sandra Folgner: Es gibt immer wieder solche Szenen, das ist ganz klar. Aber im Grund ist es mehr oder weniger das Standard-Repertoire eines guten Filmhundes. Wobei es da auch auf das Wesen des Tieres ankommt. Joker passt da sehr, sehr gut rein, weil er ein total ausgeglichener, in sich ruhender und ruhiger Hund ist. Dem macht es auch nichts aus, da ewig auf der Eckbank rumzusitzen und den anderen beim Essen zuzuschauen.

    In "Kaiserschmarrndrama" wird Ludwig schwer krank - aber mit den Marihuana-Fleischpflanzerln von Papa Eberhofer lassen sich die Schmerzen gleich viel besser aushalten.

    FILMSTARTS: In der für mich schönsten Szene von „Kaiserschmarrndrama“ schaut der Ludwig mit einem wunderbar bekifften, zugleich völlig leeren und rundherum zufriedenen Blick einfach nur reglos in die Ferne. Habt ihr da mit irgendwelchen Tricks nachgeholfen?

    Sandra Folgner: Nein, gar nicht. Das ist trainiert und gespielt. Bei Renate's Film-Tier-Ranch, für die ich ja arbeite, ist es ganz klar, dass die Tiere weder irgendwie betäubt noch müde gemacht werden. Diesen bekifften Blick hat er eben auch einfach – das kann man nicht trainieren, das bringt ein Tier mit oder nicht. Wir haben aber trainiert, dass er in dem Moment wirklich nur zu mir guckt und sich von nichts ablenken lässt – egal ob Sebastian vorbeigeht oder eine Tür zuschlägt, und das ganze Team drumherum ist ja auch noch da. Das ist nicht leicht, denn ein Hund weiß ja nicht, dass wir da gerade einen Film drehen – und da reagiert er eben auf Dinge, die um ihn herum geschehen. Das hat er aber sehr, sehr gut macht, das muss ich echt sagen.

    FILMSTARTS: Die Bücher sind ja schon länger Kult. Aber die Filme haben die Eberhofer-Krimis natürlich noch mal populärer gemacht. Wird der Joker denn mittlerweile auf der Straße erkannt?

    Sandra Folgner: Erkannt wird er schon relativ lange. Man mag es kaum glauben, aber wenn ich privat im Wald, in der Stadt oder auf dem Christkindelmarkt bin – es ist total wurscht wo, dieser Hund wird wirklich permanent erkannt. Das ist echt der Wahnsinn. Die Rasse ist natürlich auch selten, deshalb hat er einen Wiedererkennungswert. Bei einem Dackel würde man wohl nicht so oft angesprochen werden. Der Ablauf ist dabei eigentlich immer derselbe, das ist ganz lustig: „Darf ich Sie mal was fragen?“ Da ist mir schon klar, was derjenige will, und ich brauch nur noch sagen: „Ja, das ist DER Ludwig.“

    Dann geht’s schon los: Darf ich ein Foto machen? Haben Sie ein Autogramm? Die Leute freuen sich, wenn sie diesen Hund treffen, als wäre es George Clooney. Wir werden ja auch für Autogrammstunden gebucht – und da fahren die Leute auch wirklich große Strecken, um ihn zu sehen und ihn mal zu streicheln. So nach dem Motto: „Jetzt darf ich mir drei Tage die Hände nicht mehr waschen, denn ich habe den Ludwig angefasst!“ Es ist unglaublich, wie viel Freude eine solche Begegnung den Menschen bringt.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Kaiserschmarrndrama"

    FILMSTARTS: Ich kann das schon auch nachvollziehen. Mir wurden auch Sebastian Bezzel und Ed Herzog für Interviews angeboten, aber ich habe gesagt, ich würde eigentlich lieber mit Ihnen sprechen...

    Sandra Folgner: Das ist nett. Ich habe vor inzwischen drei Jahren auch eine Fanpage auf Facebook für Joker eingerichtet, weil wir eben so viele Anfragen kriegen und jeder wissen will, was er gerade macht und was seine Hobbys sind. Wenn ich Fotos von seinem Geburtstag reinstelle, da kriegt er sofort Tausende Glückwünsche. Wo ich immer denke: Mensch, das ist ein Hund... Aber die meinen das total ernst und die haben da wahnsinnige Freude dran – und das ist dann einfach schön.

    „Kaiserschmarrndrama“ läuft seit dem 6. August 2021 in den folgenden Kinos:

    Das Kinoprogramm für "Kaiserschmarrndrama"
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