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    Die besten Filme des Jahres 2018 (von Alexander Friedrich)
    Von Alexander Friedrich — 15.12.2018 um 16:00

    Zum Ende des Jahres präsentieren wir euch täglich die Top-10-Liste eines FILMSTARTS-Mitarbeiters mit den besten Filmen, die 2018 regulär in den Kinos angelaufen sind. Heute erfahrt ihr, wovon Volontär Alexander Friedrich besonders begeistert war.

    Fox Deutschland

    In meiner Gesamtbetrachtung fiel lange kein Kinojahr mehr so schwach aus wie 2018. Kein einziger der gesichteten Titel hätte von mir die magischen fünf Sterne bekommen und der geliebte Vorführsaal im Lichtspielhaus glich mehr denn je einem tristen Ort, wo auf den Smartphone-Displays der anwesenden Störenfriede in der Regel mehr los war, als auf der Leinwand. Das restliche Publikum flieht derweil zur Streaming-Konkurrenz, wo ein erdrückend großes Angebot jedoch spürbar vor Qualität geht. Und im Kino waren es vor allem die großen Blockbuster aus Übersee, die dieses Jahr auf ganzer Linie enttäuscht haben. Das Spin-off-Prequel-Sequel-Reboot-Live-Action-Remake getränkte Hollywood braucht dringend frischen Wind, ein positives Beispiel ist da immerhin schon mal der überragende „Spider-Man: A New Universe”. So viel Substanz, Herz und Liebe zum Detail haben sämtliche MCU-Filme nicht mal zusammen.

    Platz 1: "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

    Dass der beste Film des Jahres bereits im Januar erschien und danach nicht mehr getoppt werden konnte, ist doch irgendwie bezeichnend für die mauen zurückliegenden zwölf Monate. Doch umso mehr weiß Martin McDonaghs herausragende Groteske „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” zu gefallen: Erschütternde Tragik und absurde Situationskomik verschmelzen so gekonnt zu einer Einheit, wie es nur der „Brügge sehen... und sterben?”-Regisseur zu bewältigen vermag. Bei all den Schlägen in die Magengrube, die hier mal sinnbildlich, mal im wahrsten Sinne des Wortes verteilt werden, könnte einem das Lachen an jeder dieser Stellen auch genauso gut auch im Halse stecken bleiben. Durch diese allgegenwärtige Divergenz wird gewinnt der Film eine ungeheure Faszination. Was jedem anderen Filmemacher wohl gnadenlos entgleist wäre, gelingt McDonagh mit erzählerischer Brillanz – aber über all dem steht der schlichtweg unvergessliche Sam Rockwell in der Rolle seines Lebens.

    Platz 2: "Hereditary - Das Vermächtnis"

    Im Horror-Segment hat man eigentlich längst alles gesehen, doch Regie-Debütant Ari Aster erfindet hier einfach mal das ganze Genre neu. In beängstigend perfektionistischer Präzision werden die kafkaesken Einstellungen verheißungsvoll platziert, zudem bekommen wir haufenweise Modell-Kunstwerke vorgesetzt, mit denen die fantastisch aufspielende Toni Collette ihre ganz eigenen Gefühlswelten erschafft. Dabei steckt hinter dem sich bis zum okkulten Exzess kontinuierlich steigernden Unheil vor allem ein tief in unsere Psychologie blickendes Familiendrama über die innere Verarbeitung von Depression und Verlust. An der Oberfläche bleibt „Hereditary” so ein höchst verstörender Horrorfilm, in seiner Struktur ist er jedoch vielmehr eine doppelbödige Charakterstudie, die emotional noch lange nachhallt.

    Platz 3: "Die Verlegerin"

    Lang lebe der Journalismus! So plakativ bringt Steven Spielberg die Botschaft seines oscarnominierten Politdramas „Die Verlegerin” zum Glück aber nicht zum Ausdruck, dennoch verneigt sich die Hollywood-Legende merklich vor dem zeitlosen Handwerk der guten alten Tageszeitung, in diesem Falle der Washington Post und ihrer ambivalent zu bewertenden Enthüllung der Pentagon Papers. Ein presseethisches Pulverfass, welchem eine groß aufspielende Meryl Streep als titelgebende Verlegerin ausgesetzt wird. Die impulsive Geschichtsstunde besticht aber nicht nur durch ihr moralisches Dilemma, sondern auch durch ihre Thematik, die heute aktueller denn je ist (die Handlung könnte man auch genauso gut im Fake-News-Skandal-geprägten Amerika der Gegenwart ansiedeln), sowie nicht zuletzt durch eine einmal mehr souveräne Fotografie von Kamera-Schwergewicht Janusz Kaminski.

    Die weiteren Platzierungen

    Die besten Filme ohne deutschen Kinostart

     

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