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    "American Assassin": Darum ist das geplante Mega-Franchise gescheitert
    Von Björn Becher — 20.10.2019 um 17:58
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    13 Bücher schrieb Vince Flynn über den CIA-Anti-Terror-Kämpfer Mitch Rapp bis zu seinem Tod 2013, es folgten fünf weitere Romane aus der Feder eines neuen Autors. Genug Stoff für ein Mega-Action-Franchise. Doch daraus wurde bekanntlich nichts.

    CBS Films

    Es ist in Hollywood heutzutage nicht ungewöhnlich, dass die Macher bereits ein ganzes Franchise im Kopf haben, wenn sie erst mal nur einen Film produzieren. Und es ist auch nicht ungewöhnlich, dass diese Pläne schnell wieder in der Schublade verschwinden, wenn der erste Teil an den Kinokassen floppt. Dass „American Assassin“ niemals eine Fortsetzung sehen wird, ist etwa total logisch: Weltweite Einnahmen von nur rund 67 Millionen Dollar sind einfach zu mickrig – selbst bei einem moderaten Budget von 33 Millionen Dollar.

    Dabei hätte man bei „American Assassin“ eigentlich schon früher erkennen können, dass die Geschichte eines jungen Mannes, der von der CIA zur perfekten Tötungsmaschine ausgebildet wird, nicht in Serie gehen wird! Warnsignale gab es schließlich genug…

    Box-Office-Flop mit Ansage

    Viel zu viele Anläufe: Aktuell ist der Kinokassen-Misserfolg von „Gemini Man“ ein warnendes Beispiel, dass es oft seinen Grund hat, wenn sich renommierte Regisseure und Autoren jahrzehntelang an einem Stoff versuchen, aber einfach keine zufriedenstellende Umsetzung auf den Weg bringen. Bei „American Assassin“ war es ähnlich.

    Nach dem Erwerb der Buchrechte 2008 gaben sich Regisseure, Autoren und Darsteller die Klinke in die Hand. Antoine Fuqua („Training Day“) und Edward Zwick („Last Samurai“) kamen und gingen genauso wie Gerard Butler oder Colin FarrellChris Hemsworth wurde dann sogar angeblich das stattliche Salär von zehn Millionen Dollar geboten, doch der „Thor“-Star fand die Rolle zu eintönig.

    Überstürzt: Doch dann musste es irgendwann ganz schnell gehen. Die Buchrechte drohten 2016, an die Erben von Autor Vince Flynn zurückzufallen, wenn nicht die Produktion endlich anlief. Wo man ursprünglich Flynns achten Roman „Der Feind“ verfilmen wollte, in dem sich ein verbitterter Mitch Rapp auf einen persönlichen Rachefeldzug gibt, war mittlerweile mit „American Assassin – Wie alles began“ die Vorgeschichte des CIA-Killers erschienen. Mit „Maze Runner“-Star Dylan O’Brien als jungem Hauptdarsteller könnte man über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte arbeiten. Doch womöglich handelte man nun zu überstürzt…

    STUDIOCANAL / Christian Black
    Jungstar für ein Franchise.

    Die falsche Zeit: Hätten die Macher nämlich noch mal nachgedacht, wäre ihnen vielleicht eingefallen, dass der kompromisslos, aber natürlich immer für die gute Sache tötende Amerikaner, der die Welt im Alleingang rettet, vielleicht gerade nicht ganz so angebracht ist, wo zu jener Zeit der damals aktuelle Präsidentschaftskandidat nicht nur mit seinem Wahlslogan „America First“ deutlich macht, dass die Interessen seines Landes über allen anderen stehen sollten.

    Die Zeit, in der weltweit Zuschauer Fingernägel kauend mitfiebern, wie Jack Bauer (Kiefer Sutherland) in der Serie „24“ (an der Vince Flynn übrigens zeitweilig als Berater mitwirkte) für das Gute folterte, war schließlich auch nicht ganz ohne Grund vorbei. Und einen zu der Serie geplanten Kinofilm hatten die Macher längst abgesagt. Weil sie wussten, dass es die falsche Zeit für diese Art von bewusst nahezu unreflektiertem Anti-Terror-Einzelkampf ist…

    20th Century Fox
    Auch seine Zeit war bereits vorbei...

    Harte Action mit Teenie-Star: Vince Flynns Bücher sind knallhart und so dürfte es Fans gefallen haben, dass die Macher direkt ankündigten, keine Kompromisse einzugehen. In den USA bekam der Film so auch die sogenannte „Erwachsenenfreigabe“, das R-Rating. In Deutschland wurde er nach einer ursprünglichen Verweigerung der Jugendfreigabe im Berufungsverfahren gerade noch ab 16 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung werden auch die „teils drastischen Action- und Gewaltszenen“ erwähnt. Allerdings sind solche harten Actionfilme schwer zu vermarkten. Dafür braucht es eine bekannte Marke und/oder Stars, die dafür stehen – siehe Stallone und „Rambo“.

    Doch das fehlt: Eine Romanadaption hat zwar eine Fanbasis, aber damit Adaptionen (auch von Videospielen) ein Erfolg werden, muss man gerade auch die Leute ansprechen, die davon noch nix gehört haben. Die machen schließlich das Gros der Kinogänger aus. Und dabei kann ein Star helfen, doch Dylan O’Brien stand bislang für eine völlig andere Zielgruppe. Er war als Teenie-Schwarm bekannt durch die MTV-Serie „Teen Wolf“ und die „Maze Runner“-Filmreihe – beide nicht gerade für ein Publikum gemacht, das sich denkt: „Oh, und jetzt schaue ich mir an, wie er Terroristen niedermetzelt!“

    Dass „American Assassin“ floppte, war also keine sonderlich große Überraschung. Falls ihr euch trotzdem selbst ein Bild von dem Film machen wollt: ProSieben zeigt den Action-Thriller am heutigen Sonntag ab 22.35 Uhr.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "American Assassin"

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