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    Das bessere Netflix wird noch besser: Streamingdienst für Filmliebhaber begeistert mich mit seiner Videothek
    Von Björn Becher — 30.05.2020 um 09:45

    In cinephilen Kreisen gilt MUBI schon lange als das bessere Netflix, als die Streaming-Heimat für alle Liebhaber von Kinokunst. Doch mittlerweile bietet der Dienst noch mehr – und ist für FILMSTARTS-Redakteur Björn Becher so noch besser…

    SBS Distribution

    +++ Meinung +++

    Das Modell von MUBI war bislang so außergewöhnlich wie das Angebot. Der Streamingdienst für „Kult, Klassiker und Indie“ stellte jeden Tag genau einen neuen Film zur Verfügung, der dann genau 30 Tage verfügbar war. Als Nutzer hatte man so immer die Auswahl aus exakt 30 Filmen. Das mag überschaubar klingen, doch dieses Angebot war immer so besonders und gelungen, dass ich eigentlich nie Probleme hatte, einen Film zu finden.

    Doch seit rund einer Woche ist alles anders. Das 30-Tage-Modell gibt es weiterhin, doch nun hat MUBI noch eine neue Rubrik: die „Videothek“ – auf der Webseite neben der eigentlichen Filmauswahl zu finden, scheinbar leider noch nicht in alle Apps integriert.

    Und mit der Videothek steigt das Angebot von 30 auf mehrere hunderte Filme an und damit so sehr, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich das alles bei MUBI schauen soll, was nun auf meiner Watchlist steht.

    MUBI schließt die Netflix-Lücke

    Denn MUBI hat sein Angebot nicht einfach irgendwie gewaltig (mit irgendwelchem Mist) aufgestockt, sondern setzt weiter komplett auf Perlen für Kinoliebhaber – und schließt damit genau die Lücke, die Netflix und Co. lassen. Denn auf MUBI findet ihr die Filme, die bei fast allen anderen Streamingdiensten fehlen – wie schon die Kategorien zeigen.

    Da gibt es die Highlights aus vielen Jahren Cannes Film Festival (neben Klassikern wie „Apocalypse Now“ und Andrei Tarkovskys „Opfer“ so unterschiedliche Filme wie „Laurence Anyways“ von Xavier Dolan oder „Mother“ von „Parasite“-Regisseur Bong Joon-ho) und zahlreiche verschiedene Schwerpunkte – aktuell zum Beispiel auf die Werke von Jim JarmuschAngela Schanelec und Lav Diaz, auf Frauen hinter der Kamera, auf Klassiker aus Indien und auf von „Drive“-Regisseur Nicolas Winding Refn restaurierte, vergessene Genre-Perlen.

    MUBI ist nicht nur experimentell

    Liebhaber von Experimentalfilmen werden auf MUBI bedient, auch Kurzfilme gibt es. Das deutsche Kino ist nicht nur mit FassbinderWenders und Herzog präsent, doch selbst, wem das zu artsy-fartsy ist, der findet auch Filme wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder „Beasts Of The Southern Wild“.

    Wobei MUBI, als man vor rund einer Woche die neue Funktion Videothek einführte, gerade hier wohl scheinbar etwas zu offensiv ans Werk ging. Einige Filme wie „Tanz der Teufel 2“, „Das Schweigen der Lämmer“, „Hot Fuzz“ oder „Die Klapperschlange“ verschwanden gleich wieder und sind aktuell nicht mehr abrufbar.

    3 persönliche Filmtipps

    Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Filme empfehlen, die es aktuell bei MUBI zu streamen gibt. Ich beschränke mich bewusst auf eher unbekannte Werke, die hoffentlich noch nicht jeder Leser kennt.

    Bacurau“: (siehe auch Newsbild) neben „Parasite“ die Überraschungssensation bei den Filmfestspielen von Cannes 2019. Die Bewohner eines brasilianischen Dorfes stellen fest, dass etwas Ungewöhnliches passiert. U. a. Udo Kier macht in diesem bitterbösen Genre-Mix nämlich Jagd auf sie. Der Film ist in Deutschland außerhalb von Festivals sogar nur via MUBI erschienen.

    Die Frau, die singt“: Denis Villeneuve bedarf hier wohl keiner Vorstellung mehr, doch während ihn die meisten für seine Hollywood-Filme wie „Sicario“, „Arrival“ und „Blade Runner 2049“ kennen, landete er mit „Die Frau, die singt“ auf dem Radar der Traumfabrik. Das emotional mitreißende Drama mit unglaublicher Sogwirkung ist für mich nicht nur sein bester Film, sondern sogar einer der besten Filme der 2010er Jahre.

    Supermarkt“: Roland Klick ist das Genre-Enfant-Terrible des deutschen Kinos der 1970er. Ein Ausnahmeregisseur, der so unangepasst war, dass er nie den ganz großen Kassenhit landen konnte (bei „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ überwarf er sich mit Produzent Bernd Eichinger). Mit „Supermarkt“ liefert er eine so eigenwillige wie düstere Verlierer-Geschichte von einem jungen Kleinverbrecher, der durch Hamburg streift. Von Klick gibt es übrigens auf MUBI auch den ebenfalls sehenswerten „Deadlock“, eine Art zeitgenössischer Spaghetti-Western mit Mario Adorf.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Die Frau, die singt"

    Wie so viele Streamingdienst kann MUBI übrigens auch kostenlos getestet werden – für sieben Tage. Danach kostet MUBI 9,99 € im Monat bzw. 95,88 € für ein Jahres-Abo. Zu finden ist der Dienst unter mubi.com.

    Bei Amazon Prime Video gibt es daneben auch den MUBI Channel, der sogar 14 Tage kostenlos getestet werden kann*, aber ein in großen Teilen anderes (!), nicht ganz so umfangreiches und meiner Meinung nach auch nicht so außergewöhnliches Programm wie MUBI in seiner neuen Videothek hat.

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