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    "Es war zu brutal!": Darum wäre Disneys "Raya und der letzte Drache" fast sehr gewalttätig geworden
    Von Benjamin Hecht — 06.03.2021 um 13:00
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    „Raya und der letzte Drache“ ist kürzlich bei Disney+ erschienen. Im Interview erklären die Macher, welche Vorbilder sie inspiriert haben und weshalb die Martial-Arts-Kämpfe beinahe sehr brutal geworden wären.

    Disney+

    Mit „Raya und der letzte Drache“ erschien am 5. März 2021 der neueste Film der Disney Animation Studios (u.a. „Vaiana“ und „Die Eiskönigin“) bei Disney+. Das südostasiatisch inspirierte Fantasy-Abenteuer hat nicht nur eine besonders toughe Prinzessin zu bieten, sondern auch einige für einen Animationsfilm doch recht realistische Kampfszenen.

    ›› "Raya und der letzte Drache" bei Disney+*

    Wir trafen uns per Video-Call mit den Regisseuren des Films Don Hall (Oscar-Gewinner mit „Baymax“) und Carlos López Estrada („Blindspotting“) sowie mit Co-Autor Qui Nguyen („The Society“) zum Interview. Dabei sprachen die Macher von „Raya und der letzte Drache“ über die Schwierigkeiten, animierte Kämpfe nicht zu brutal werden zu lassen, und verrieten ihre wichtigsten Inspirationsquellen. Außerdem wird die Frage geklärt, warum der Drache Sisu aussieht wie die Eiskönigin Elsa und es gibt sogar eine kleine Kampfansage in Richtung Avengers.

    FILMSTARTS: Im Laufe der Zeit haben wir schon viele Disney-Prinzessinnen gesehen, doch Raya ist eine der besonders kriegerischen Sorte. Was waren eure Gedanken beim Erschaffen dieser Disney-Prinzessin?

    Don Hall: Ich denke, der Prinzessinnen-Teil davon war für uns eher nachrangig. Wenn du Raya selbst fragen würdest, ob sie sich als Prinzessin identifiziert, würde sie wahrscheinlich sagen: „Ja, technisch gesehen schon“. Aber ich denke, ihr Bestreben ist es – wie auch zu Beginn des Films dargestellt – eine Hüterin des Drachenjuwels zu sein, und sie identifiziert sich definitiv als Kriegerin und Wächterin.

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    Raya ist mehr Kriegerin als Prinzessin.

    Was wir an dieser Figur besonders gern mögen, ist, dass sie in den Kanon der Disney-Prinzessinnen hineinpasst, aber wir zugleich glauben, dass sie es auch mit den Avengers aufnehmen könnte. Diese Dualität von Raya finden wir sehr spannend.

    FILMSTARTS: Welche anderen Filme haben euch bei „Raya und der letzte Drache“ denn am meisten beeinflusst?

    Don Hall: Wir haben viel über andere Regisseure gesprochen, wenn es um stilistische Entscheidungen ging. Über Filmemacher wie Edgar Wright und Taika Waititi zum Beispiel. Doch „Jäger des verlorenen Schatzes“, einer meiner Lieblingsfilme, kam immer wieder im Gespräch auf, bis zu einem Punkt, wo alle mit den Augen rollten. Also, wenn es eine Art von Vorbild gab, dann war es „Jäger des verlorenen Schatzes“, als ein Film, der uns viel in Sachen Stimmung und Stil beeinflusst hat.

    ›› Disney+: Alle Filme auf einen Blick

    Qui Nguyen: Was mir besonders wichtig war, war es, einen Held oder eine Heldin zu erschaffen, der oder die aussieht wie ich und meine Kinder. [Anmerkung der Red.: Qui Nguyen ist Vietnamese, „Raya und der letzte Drache“ spielt in Südostasien.] Natürlich haben wir wegen der Kampfszenen auch einige Martial-Arts-Filme aus der Region geschaut, die diese Art von Kampfstil populär machten, wie zum Beispiel Filme von Tony Jaa oder „The Raid“. Das hat mich auf jeden Fall beeinflusst.

    FILMSTARTS: Bezüglich der Action-Szenen im Film. Wie seid ihr da vorgegangen? Was ist der Unterschied beim Inszenieren von animierten Kampfszenen und solchen in einem Live-Action-Film?

    Carlos López Estrada: Es gibt eine Menge Gemeinsamkeiten. Der Unterschied ist, dass wir, weil sich animierte Figuren nicht real verletzen können, in der Lage sind, viel grausamer zu werden. Wir haben schnell erkannt, dass wir die animierten Charaktere wie reale Menschen behandeln müssen. Bei einem Live-Action-Dreh würde man zum Beispiel niemals einen echten Schlag ins Gesicht sehen.

    Es war einfach zu brutal anzusehen!

    Wir wollten die animierten Figuren nichts tun lassen, was ein realer Schauspieler auch nicht getan hätte. Es war einfach zu brutal anzusehen! Es ist leicht, so etwas zu tun, weil du niemandes Gesundheit gefährdest, aber als ein Zuschauer war es echt grausam, das zu sehen. Also mussten wir sichergehen, dass wir das wie einen Live-Action-Dreh behandeln.

    Don Hall: Wir haben zu Beginn auch ein bisschen herumprobiert, um den Spielraum der körperlichen Möglichkeiten zu ermitteln. Natürlich kann man in Animationsfilmen die Charaktere quer durch den Raum fliegen lassen. Was auch immer wir tun wollen, können wir tun, weil wir nicht an die Gesetze der Physik gebunden sind. Und ja, die körperlichen Möglichkeiten wurden überhöht, befinden sich aber noch im Bereich der menschlichen Glaubwürdigkeit.

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    „Raya und der letzte Drache“ wurde von Martial-Arts-Filmen inspiriert.

    FILMSTARTS: Kommen wir von den eher realistischen Aspekten mal zu etwas Magischem. Der Drache Sisu hat ja durchaus eine leichte Ähnlichkeit zu Elsa aus „Die Eiskönigin“, nur eben als Drachen-Einhorn-Variante. Warum habt ihr euch für dieses Design entschieden?

    Don Hall: (lacht) Unser Drache basiert auf den Nagas, die ein Teil vieler verschiedener Kulturen in Südostasien sind. Also es ist eine sehr spezifische Art von Drache, der sich sehr von einem westlichen Drachen unterscheidet. Und sie haben eine tiefe Verbindung zum Wasser. Sie sind eher spirituelle Wesen und keine Antagonisten wie in der westlichen Kultur. Sie sind keine Monster, die es zu besiegen gilt, sondern Kreaturen der Inspiration und der Hoffnung.

    Jegliche Ähnlichkeit zu Elsa ist kompletter Zufall.

    Allein schon, weil wir die Nagas als Referenz nahmen, haben wir uns stark vom westlichen Drachentyp entfernt. Jegliche Ähnlichkeit zu Elsa ist kompletter Zufall (lacht) und wir hatten nicht mal darüber nachgedacht, bis Leute danach gefragt haben. Wir finden es sehr lustig, weil wir nie daran gedacht haben... bis jetzt! Ich meine beide kontrollieren Wasser, okay...

    Qui Nguyen: Und sie sind beide blau. (lacht)

    Don Hall: Ja, sie sind beide blau, aber jegliche Ähnlichkeit ist völlig zufällig.

    Carlos López Estrada: (scherzhaft) Sind sie nicht verwandt, Don?

    Don Hall: Ich glaube nicht.

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    Raya trifft auf Sisu, den letzten Drachen.

    FILMSTARTS: Kommen wir nun zu Noi, dem kleinen Badass-Baby. Warum ist sie so verdammt stark? Und was hat es mit ihren Ongi genannten Affenfreunden auf sich? Wie hängt das alles zusammen?

    Carlos López Estrada: (scherzhaft) Also die Ongi... deren Nahrung, die sie mit Noi geteilt haben... ja die hat es ihr erlaubt, Muskeln aufzubauen und extrem schnell ihr Gehirn zu entwicklen.

    Don Hall: (macht den Spaß mit) Ja, wie bei Tarzan. Ich glaube, weil sie mit den Ongi mithalten musste, hat sich ihr Körper sehr schnell in die Richtung entwickelt. Vielleicht haben wir es aber einfach nur gemacht, weil es lustig ist.

    FILMSTARTS: Die Welt von „Raya und der letzte Drache“ ist riesig und es gäbe so viel Potential, die ganzen Gebiete und Clans noch mehr zu erforschen. Gibt es denn schon Ideen oder Pläne, in irgendeiner Form wieder in diese Welt einzutauchen?

    Don Hall: Ich kann nicht sagen, dass wir aktuell darüber nachdenken, weil wir mit dem Film fertig sind. Wir sind uns darüber bewusst, dass das eine riesige Welt ist, die noch viel mehr Geschichten beheimaten könnte, doch wir werden sehen müssen, wie sich das zukünftig entwickelt. Stand jetzt sind wir einfach nur froh, den Film fertiggestellt zu haben und hoffen darauf, dass jeder Gefallen daran findet.

    „Raya und der letzte Drache“ gibt es seit dem 5. März 2021 per VIP-Zugang (einmaliger Aufpreis von 21,99 Euro) bei Disney+.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Raya und der letzte Drache"

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