ANARCHIE IST ALSO DER WEG?
Bürgermeister Fisk ruft unter dem Namen „Sichere Stadt“ eine Anti-Maskierten-Taskforce ins Leben. Währenddessen versuchen Daredevil und Karen, Unschuldige zu befreien, Fisk aufzuhalten, ohne dabei ihre Prinzipien über Bord zu werfen. Blöd nur, New York versinkt zunehmend in Angst, Gewalt und Chaos.
Daredevil: Born Again Staffel 2 hat 8 Episoden mit ca. 40–60 Minuten Laufzeit und bestätigt leider weiterhin, das rote Hörnchen und ich werden keine Freunde. Mein größtes Problem bleiben die beiden Hauptfiguren. Matt und Fisk drehen sich gefühlt seit 2 Staffeln im Kreis, jammern ihren Ideologien hinterher und schauen hauptsächlich traurig oder gequält in die Kamera, als hätte jemand den letzten Kaffee in Hell’s Kitchen verboten. Beim Kingpin wird’s immerhin besser, sobald er endlich aufhört, in Ehetherapie-Sitzungen durch die Gegend zu grummeln und wieder das Monster sein darf, das er eigentlich ist.
Die Highlights sind aber die Nebenfiguren. Karen, Buck und Daniel wirken wesentlich menschlicher, weil sie Fehler machen, schwanken und neue Wege ausprobieren. Die scheitern zwar auch, aber bei denen fühlt es sich wenigstens nach Entwicklung an.
Die Action ist durchgehend stark. Brutal, direkt und gegen Ende endlich mal ohne Philosophieunterricht vorm Faustschlag.
Gerade das Finale zeigt, was die Serie könnte, wenn sie sich nicht selbst ausbremst: Gerichtsdrama, knallharte Action und Konsequenzen. Das Auftauchen von Jessica Jones gibt der Staffel ordentlich Energie. Da merkt man, wie gut der Serie Figuren tun, die nicht permanent klingen, als würden sie ein Selbsthilfebuch schreiben.
Das Finale knallt richtig. Fisk eskaliert, die Gewalt zieht an und plötzlich versteht die Serie, dass Daredevil nicht nur aus düsteren Blicken und Schuldgefühlen besteht.
Unterm Strich bleibt eine Staffel, die sich lange quälend anfühlt, erst spät die Kurve bekommt und im Finale zeigt, welches Potenzial drinsteckt. Nur machen ein oder zwei starke Folgen kein Meisterwerk.
7/10 Punkten. Mein persönliches Highlight bleibt der Rückblick mit Foggy. Das war wieder Gerichtsdrama, Ethikdiskussionen und Dialoge statt Dauerdepression in Rot.