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Ant-Man
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Ant-Man
Von
In „The Avengers“ legten 2012 außerirdische Invasoren Manhattan in Schutt und Asche, während im Nachfolger „Avengers 2: Age Of Ultron“ drei Jahre später sogar eine ganze schwebende Großstadt dran glauben musste – und jedes Mal stehen die nachfolgenden Marvel-Superhelden-Solofilme vor demselben Dilemma: Wie zum Teufel soll man das noch toppen? Mit „Ant-Man“ gibt Regisseur Peyton Reed („Girls United“) nun die absolut passende Antwort: Gar nicht! Das „große“ Finale von „Ant-Man“ findet in einem Kinderzimmer statt – und statt einstürzender Wolkenkratzer gibt es lediglich eine entgleiste „Thomas und seine Freunde-Spielzeuglokomotive. Das Überraschende daran: Dieser verspielt inszenierte Miniaturshowdown macht deutlich mehr Spaß als der schiere Überwältigungsbombast von „Age Of Ultron“. Iron Man wird sicherlich auch in Zukunft der beliebteste Avenger bleiben – aber der in „Captain America 3“ zum Superheldenteam hinzustoßende Ant-Man könnte nach seinem gelungenen Solodebüt zukünftig für die kreativsten Action-Momente bei den Avengers zuständig sein.

Als der Wissenschaftler Dr. Hank Pym (Michael Douglas) auf die nach ihm benannten subatomaren Pym-Partikel stieß, nutzte er die aus seinen Forschungsergebnissen resultierende Möglichkeit, die Abstände zwischen einzelnen Atomen zu verringern, um fortan als bei Bedarf ameisenkleiner Ant-Man für die gerechte Sache zu kämpfen. Doch dann streckten in den 1980ern Howard Stark (John Slattery) und S.H.I.E.L.D. ihre Finger nach der Ant-Man-Technologie aus – und Pym zog sich als Reaktion sogar aus seinem eigenen Unternehmen zurück, nur damit diese auch ja nicht in die falschen Hände gerät. Inzwischen wird Pym Technologies von Pyms ehemaligem Protegé Darren Cross (Corey Stoll) geleitet – und der steht kurz davor, dem Geheimnis seines einstigen Lehrmeisters auf die Spur zu kommen. Das will Pym natürlich mit allen Mitteln verhindern, aber weil er selbst längst nicht mehr der Jüngste ist, braucht er unbedingt einen würdigen Nachfolger als Ant-Man – und den findet er ausgerechnet in dem geschiedenen Vater Scott Lang (Paul Rudd), der nach einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Einbruchs gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde…


Während der durchschnittliche Kinogänger von der ganzen Kontroverse wahrscheinlich gar nichts mitbekommen hat, war „Ant-Man“ für viele Hardcore-Fans nach dem überraschenden Ausstieg von Nerd-Liebling Edgar Wright nur wenige Wochen vor Drehstart quasi gestorben. Immerhin hatte der „Shaun Of The Dead“-Regisseur mehr als eine Dekade lang für einen „Ant-Man“-Film gekämpft und das Comic-Con-Publikum bereits 2012 mit ersten Testaufnahmen begeistert. Aber entweder haben alle Ersatzregisseur Peyton Reed höllisch unterschätzt – oder Marvel-Chef Kevin Feige hatte Recht, als er ankündigte, dass „Ant-Man“ trotz des Ausstiegs ein Edgar-Wright-Film werden würde: Immerhin ist der Brite besonders für seine ebenso eigenwilligen wie abgefahrenen Actionszenen in Filmen wie „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ oder „The World’s End“ bekannt – und denen steht „Ant-Man“ nun in nichts nach! Schon der erste Einsatz des Superhelden im Mini-Format ist visuell brillant: Nach der Flucht aus der Badewanne geht’s vorbei an einer Riesenratte zum Rodeo auf einem Schallplattenspieler - von den etlichen gewitzten Details in Bezug auf die von Ant-Man gesteuerten Ameisen (Stichwort: Zuckerwürfel) ganz zu schweigen. Zudem wagen die Macher noch einen überraschenden Schritt, der wunderbar den speziellen Look des Films ergänzt: „Ant-Man“ wurde passend zum Miniaturhelden im 1.85:1-Format gedreht und nicht wie die allermeisten Blockbuster heutzutage in Scope: Damit ist er neben „The Avengers“ der „schmalste“ aller Marvel-Filme.

Während das ursprüngliche Drehbuch von Edgar Wright und Joe Cornish („Attack The Block“) nach dem Regiewechsel strukturell weitgehend intakt blieb, war es die Aufgabe von Adam McKay („Anchorman“) und Hauptdarsteller Paul Rudd („Immer Ärger mit 40“), bei ihrer Überarbeitung für mehr Humor zu sorgen – und auch das ist gelungen: Während die erste halbe Stunde noch arg expositionslastig ausfällt und es ein wenig dauert, bis der Film voll in Fahrt kommt, punkten die anschließenden Szenen des Trios Paul Rudd, Michael Douglas und Evangeline Lilly (als Hanks Tochter Hope van Dyne) allesamt mit einem extrem trockenen, zugleich aber auch sehr warmherzigen Humor. Apropos warmherzig: Nach einem Superreichen (Iron Man), einem Superpatrioten (Captain America) und einem Gott (Thor) ist Scott Lang, dem es eigentlich nur darum geht, endlich seine kleine Tochter wiedersehen zu dürfen, der bisher „menschlichste“ aller Marvel-Leinwandhelden – und auch deshalb fiebert man im Finale so sehr mit, selbst wenn dabei „nur“ die Einrichtung eines Kinderzimmers zu Bruch geht. Bei zumindest einem speziellen Marvel-Problem kann aber selbst „Ant-Man“ trotz des vielen frischen Winds nicht helfen: Loki bleibt der einzige wirklich begeisternde Bösewicht in den Marvel-Kinofilmen – denn Corey Stoll („Midnight In Paris“) als Yellowjacket ist trotz seines laserstrahlenschießenden Miniaturanzugs gleich nach dem Abspann schon wieder vergessen.

Fazit: Showdown im Kinderzimmer: „Ant-Man“ ist zwar nicht der größte, aber dafür der am kreativsten inszenierte aller bisherigen Marvel-Filme.
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Kommentare

  • Fain5
    Danke für diese Kritik, denn ich habe lange mit dem Film gehadert. Mein Dilemma sah ungefähr so aus: Endlich hat Paul Rudd seine verdiente Hauptrolle, welche auch wirklich kommerziellen Erfolg bringen könnte und dann ist es Ant-Man? Marvel hat mich eigentlich nie wirklich enttäuscht aber er ist Ant-Man! Und Petersen hat Recht, der Regisseur hat gezeigt, dass er es versteht Actionenszenen zu drehen die sich deutlich vom einerlei absetzen. Meine damalige Freundin war vom Godzilla Endkampf in Hot Fuzz begeistert, ich finde Scott Pilgrim genial gemacht und auch wenn mir World´s End nicht wirklich gefallen hat fande ich die Kampfszenen echt gut gemacht. Von daher finde ich es beruhigend zu hören, dass das auch bei Ant-Man zutrifft und ich mich einfach mal drauf einlasse und ihm eine Chance geben werde.Kleine Rüge: Christoph du hast hier mit Iron Man, Captain America und Thor natürlich nicht Unrecht, wenn du sie als Beispiele für Scotts Menschlichkeit benutzt aber hast du leider die Rechnung ohne Peter Parker gemacht.
  • HalJordan
    Wie kommst du hier auf Hot Fuzz und Scott Pilgrim? Edgar Wright hatte das Projekt doch schon vor Ewigkeiten verlassen!
  • Fain5
    Dann habe ich den Satz in der Kritik anscheinend falsch verstanden. Schämen sie sich Herr Petersen für diesen doppeldeutigen Satz!
  • Fain5
    Du sprachst von Marvel Leinwandhelden...
  • Jimmy V.
    Liest sich doch besser als gedacht. Für Rudd würde ich mir den Film auch anschauen. Andererseits: Öder Bösewicht? So ziemlich jeder Marvel-Film außer eben vll. die Auftritte von Loki hatten viele verschenkte Bösewichte...
  • sky_erosion
    Ich würde auch eher sagen, dass Corey Stoll noch der interessanteste Bösewicht unter den Wegwerf-Gegnern im MCU ist. Im Vergleich würde ich den nicht als öde bezeichnen. An Loki wird wahrscheinlich bis Thanos keiner rankommen...
  • HalJordan
    :-D
  • HalJordan
    Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Schön, dass der Film doch was taugt. Nur schade, dass wir nie erfahren werden, wie viel Anteil daran Edgar Wright hatte. Marvel wird das in jedem Fall so darstellen, als wäre das deren Verdienst, obwohl Wright schon ewig an diesem Film gearbeitet hat.Für Paul Rudd freut es mich. Er ist ein sympathischer Darsteller und hat ein gutes Gespür für Situationskomik.
  • HalJordan
    Sorry, aber die Einbindung in das MCU wird wohl kaum der Grund für die schlussendliche Trennung gewesen sein. Die ganzen Querverweise auf das MCU waren in den letzten Marvel-Filme alle nicht so gravierend, als hätten sie den jeweiligen Film verändert. Bis auf die zwei Auftritte von Thanos und dem Collector waren die Guardians of the Galaxy auch eigenständig.Wright wusste garantiert, dass es diese "Anspielungen" geben soll. Immerhin hat er über 10 Jahre an diesem Projekt gearbeitet und wäre kaum wg. so einer Kleinigkeit, die seinen Film nicht torpediert hätte, abgesprungen. Vermutlich ist das Grobkonzept noch von Wright, der Rest trägt die Marvel-Handschrift. Kann mir kaum vorstellen, dass es bei Wrights Version keinen Humor gegeben hätte. Das dürfte also schon ein deutliches Zeichen dafür sein, wenn die Verantwortlichen auf die Idee kommen den typischen Marvel-Humor einzubauen.
  • Max H.
    mehr Humor, Action und Anspielungen und Cameos? So gern ich mir Marvel - Filme für Zwischendurch einfach mal gebe, muss ich doch sagen, gibt's da sonst auch noch mehr? Viele Handlungsgerüste halten einen Langzeitcheck wohl kaum aus.Das Endprodukt kann also so oder so nie in Wright's Interesse gewesen sein, seine Arbeit wird letztlich kommerziell meistbringend ausgeschlachtet und wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch Wright's meilenweit besseres Gespür von Humor lieber gesehen. Es kann doch auch nicht im Sinne des cinematischen und dramaturgischen Geschichtenerzählens sein, Drehbuchfetzen zusammenzuschustern. Ein Mann mit Idee ersetzt immer noch 300 Auftragsautoren.Also wie gesagt, ich guck die Filme nach wie vor gerne, aber da ist etwas Merkwürdiges abgezogen worden, nur um auf Nummer sicher zu gehen(und wenn wir mal ehrlich sind, hätte das bei Marvel und Wright auch ohne Sicherung genutzt), weshalb ich den jetzt mal nicht sehen will.
  • Admiratio
    Klingt interessant. Nur bitte nicht der nächste super-smarte, selbstironische Superheld.Das Antagonisten-Problem sehe ich als ähnlich schwerwiegend, wie die langen Vertragszeiträume an. Ant-Man wird überleben, genauso wie die anderen Superhelden. Das ist einfach langweilig.Eine Frage noch: hat sich Disneys Politik gegenüber den kleinen Kinos im Vergleich zu Avengers 2 geändert?
  • Admiratio
    Ganz genau - weiß auch nicht, welche Spannung da weg sein soll. Man weiß doch eh schon am Popcorn-Stand, wie der Film ausgeht.
  • TheLovedOne
    find ich auch! versteh nicht was alle so toll an ihm finden... man erinnert sich halt am meisten an ihn weil er am häufigsten vorkommt....
  • Modell-101
    Oh, dann gibts ja noch Hoffnung für Quicksilver!!!!!
  • Modell-101
    Sehr gut Christoph, diese Wertung stimmt mit deinem Twitter-Kommentar überein.Schön, dass Ant-Man so eine gute Kritik erhalten hat, schließlich führt er einen neuen Helden ein und bildet gleichzeitig den Abschluss von Phase 2.Was die Bösewichte angeht.... ich fand den Red Skull auch nicht schlecht, ganz zu schweigen von Robert Redford und den Winter Soldier.
  • Peter H.
    Diese Sezen im Trailer, Ant-Man gegen den Bösewicht, erinnert schon seeeehr an Spider-Man 1. Bin aber froh, dass der Film so gut abschneidet. Werde ihn mir somit anschauen.
  • Admiratio
    Alles klar, wenn Disney seine Politik da nicht ändert, hab ich auch keine Lust mehr, mir ihre Filme im Kino anzusehen.
  • Admiratio
    Nein, er ist so gut, da er kein übermächtiger Niemand von irgendwo ist. Er hat Persönlichkeit, ist nicht so eindimensional und eigentlich sympathisch.Der Rest mag vom Comic-Background interessant sein, in den Filmen sind sie aber alle auswechselbar und langweilig.
  • Modell-101
    Nein, Ausnahmsweise nicht. Dachte auch jeder, aber Marvel sagte, dass Ant-Man den Abschluss bildet. Warum, wird man evtl. noch sehen.
  • Fain5
    War gestern drin und kann nur sagen: echt klasse. Der Film hätte meiner Meinung nach noch ne halbe Stunde länger gehen können, man kann sich nicht satt sehen an den tollen Ideen, die die Ausgangssituation zulässt. Sehr sympathische Darsteller und der Humor kommt nie zu kurz. Einfach ein super unterhaltsamer Film.
  • Der Eine vom Dorf
    Das sehe ich ganz genauso. Für mich war das bisher einer der, wenn nicht sogar DER beste Marvel-Film. Habe lange nicht mehr so gelacht im Kino. Und neben dem Humor hat alles Andere meiner Meinung nach ebenfalls gestimmt. Definitiv um Längen besser als The Avengers 2. Hätte sogar eher 9/10 vergeben.
  • Fain5
    Ich hoffe wirklich, dass Rudd jetzt endlich mal den Ruhm bekommt, den er verdient. Ich mein bei Chris Pratt hats ja mit Guardians auch geklappt.
  • Admiratio
    Ich muss sagen, für mich seit Iron Man 1 der beste Marvel-Film!Sehr unterhaltsam, angenehm "klein" (Probleme, Plot usw.) - aber auch mit den typischen Schwächen: Antagonist...Für mich persönlich hat auch Michael Douglas irgendwie nicht recht gepasst - seine Dialoge habe ich sehr hölzern im Gedächtnis.Dennoch verdiente 4/5!
  • Deliah Christine
    Ich habe den Film eben im Kino gesehen.Als es hiess Ant-Man würde der Heist-Film des MCU, war ich mehr als skeptisch. Doch ich muss sagen: Ja, das Thema passt und funktioniert. Zwar lehne ich all zu starke Veränderungen an den Charakter-Vorlagen prinzipiell ab, sehe aber ein, dass dieser Film ohne die Neu-Interretation Hanks und Janets nicht funktioniert hätte.Insgsamt hatte ich mir aber mehr von Ant-Man versprochen. Den Humor fand ich zeitweise überpräsent. Michael Douglas spielte nur zum Beginn des Films kurz auf dem Niveau seiner Möglichkeiten und baute dann kontinuierlich ab.Der Bösewicht erhielt diesmal sogar ein ganz klein wenig Charaktertiefe als deutlich wurde, was für ein verletzter kleiner Junge in ihm schlummert, dessen auf mangelndem Selbstbewusstsein aufgrund von Zurückweisung basierende Minderwertigkeitsgefühle und Zorn in Aggression und Grössenwahn gipfeln. Doch bleibt diese Figur dennoch blass, da sie zu keinem Zeitpunkt so etwas wie eine infernalische Genialität oder zumindest situative Überlegenheit und somit keine ernsthafte Bedrohung vermitteln kann.Für mich ist Yellowjacket seit und neben Abonomation der am Schwächsten umgesetzte Gegner im MCU.Da von der Handlung und der Charakter-Konstellation einige Ähnlichkeiten zu IM 1 erkennbar sind, muss ich einfach mal sagen, dass Obadiah Stane mE ein sehr unterschätzter Charakter des MCU ist und im direkten Vergleich Yellowjacket um Klassen überlegen.Davon abgesehen finde ich auch Alexander Pierce, Winter Soldier, Red Skull, Arnim Zola und als Nebenrolle auch Agent Sitwell neben Loki und Thanos als Bösewichte sehr gelungen, Ronan, Whiplash und Malekith immer noch ansprechend, und was aus Mandarin/Trevor und den 10 Ringen noch wlrd bleibt abzuwarten.Auf einige wird es sicher so zutreffen, aber andere der bereits Gezeigten könnten durchaus mehr als nur Wegwerf-Schurken sein.Abomination sitzt bei Ross im Käfig. Da Ross im Civil War auftritt, könnte auch Abo zu einem Cameo kommen. Immerhin sollte er ursprünglich anstelle Hulks ein Avenger werden (One Shot), und auch der Skull muss noch nicht endgültig aus der Geschichte genommen sein. Wer die Comics kennt weiss: They always come back. Da könnte auch noch eine von Pierce nicht gekannte Sicherungskopie von Zola existieren, oder er hat sich ins Internet geuploaded und versucht darüber Kontrolle über sensible Daten und Systeme der grossen Regierungen und Volkswirtschaften zu erlangen.Es sind gerade mal zwei Phasen um, und ob nach Phase IV das MCU zu Ende ist wage ich zu bezweifeln. Da kann noch viel passieren, dichter werden und zusammenwachsen.
  • Peter H.
    Bis auf das letzte Viertel ist der Film echt gut! Sehr sehr gute CGI-Effekte und die Story ist auch ok. Da hat man sich wirklich was einfallen lassen und das sieht alles auch extrem aufwändig aus. Das Finale war jedoch abzusehen und der Trailer hat da auch - wie die meisten Trailer heutzutage - zuviel verraten. Insgesamt ein guter Film, der einen unterhalten kann. Aber mehr als 6 von 10 Punkten kann ich nicht verteilen.
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