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Krieg der Götter 3D
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Krieg der Götter 3D
Von
Im Trailer zu „Krieg der Götter 3D" wird mit der Zeile geworben, dass hinter dem Film dieselben Produzenten stehen, die vor einigen Jahren auch schon für die Comic-Verfilmung „300" verantwortlich zeichneten. Und tatsächlich erweisen sich beide Filme als ähnlich extrem stilisierte Fantasy-Epen, die zudem beide im vorchristlichen Griechenland angesiedelt sind. Aber wo Zack Snyders Spartaner-Schlachtplatte neben einem unbedingten Stilwillen auch einen veritablen Unterhaltungswert aufwies, setzt der Kostüm- und Ausstattungs-Fetischist Tarsem Singh („The Cell", „The Fall") nun alles auf eine Karte und zieht seine eigenwillige künstlerische Vision ohne Kompromisse durch. Daher ist sein Film eigentlich eher für Arthouse- als für Multiplex-Besucher geeignet, auch wenn das Götter-Gemetzel für einen Großteil des kunstbegeisterten Kinopublikums wahrscheinlich zu brutal geraten ist.

Nachdem seine Frau und sein Kind an einer Krankheit dahingesiecht sind, plant der unbarmherzige König Hyperion (Mickey Rourke), sich für den Verlust an den Göttern zu rächen. Dafür will er die einst in den Tartarus verbannten Titanen mithilfe eines magischen Bogens aus ihrem Verlies in der Unterwelt befreien, weil nur diese die Götter des Olymps besiegen können. Für Zeus (Luke Evans) und die anderen Götter wäre es zwar ein Leichtes, Hyperion und seine nach Blut dürstende Armee aufzuhalten, doch ein Gesetz aus früheren Zeiten besagt, dass sich Götter niemals direkt in das Schicksal der Menschen einmischen dürfen. Deshalb erwählt Zeus den einfachen Bauern Theseus (Henry Cavill), dieser soll sich Hyperion entgegenstellen. Bei seiner Aufgabe erhält er Unterstützung von einem jungfräulichen Orakel (Freida Pinto), einem loyalen Dieb (Stephen Dorff) und einem Mönch ohne Zunge (Greg Bryk), aber schließlich ist es doch an Theseus allein, Hyperions blutigem Feldzug durch Griechenland ein Ende zu setzen...



Ähnlich wie bei Tim Burton („Charlie und die Schokoladenfabrik", „Alice im Wunderland") erkennt man auch die Filme von Tarsem Singh sofort an ihrem spezifischen Look. Die Werke des indischstämmigen Regisseurs sind durch seine ausgiebigen Zeitlupen, die wehenden Stoffe, symmetrischen Formen und aufwändigen Masken unverwechselbar. Dafür entflieht der erfolgreiche Werbe- und Musikvideofilmer regelmäßig in Welten abseits der unsrigen: Sein Debüt „The Cell" hat Singh im Inneren der Psyche eines Serienmörders verortet und sein bislang stärkster Film „The Fall" entpuppt sich als auf die Leinwand geworfene Kinderphantasie. In „Krieg der Götter 3D" nimmt er sich nun also die Welt der griechischen Götter vor, die vom Olymp aus die Geschicke der Menschen beobachten.

Die für einen Film von Tarsem Singh im ersten Moment logisch anmutende Wahl des Handlungsorts und der Handlungszeit hat dann aber doch einen kleinen Haken: Die kalkulierte Optik braucht einen emotionalen Anker in der Erzählung, um den Film lebendig zu machen. Dafür waren die kranke Seele eines Killers in „The Cell" und die warmherzige Phantasiewelt eines kleinen Mädchens in „The Fall" bestens geeignet. In „Krieg der Götter" sind aber nicht nur die unsterblichen Bewohner des Olymps dem Menschlichen entrückt, auch die irdischen Helden Theseus und Hyperion werden als übermenschliche Ikonen in Szene gesetzt. Die Tragik der Geschichte kann sich nicht emotional entfalten, die kühle künstlerische Vision bleibt ohne Gegengewicht. Da Singh uns nicht mit den Figuren mitfühlen lässt, sondern einzig mit seiner visuellen Kraft berauscht, schleichen sich aber gerade in den bewusst theatralischen Dialogszenen immer wieder Längen ein.

Wenn dann aber etwas passiert, dann richtig: Da werden Hyperions Schergen von einem riesigen Tsunami erfasst und zerschellen an einem Kliff, Theseus nimmt es im Labyrinth seines Heimatdorfes mit einem Monster auf, das eine aus Stacheldraht gefertigte Minotaurus-Maske trägt, und in der entscheidenden Schlacht trifft Hyperions gigantisches Heer in einem schmalen Durchgang in bester „300"-Manier auf die wenigen verbliebenen hellenischen Soldaten. Der absolute Höhepunkt bleibt aber der Kampf zwischen Göttern und Titanen, bei dem Körper in Zeitlupe zermatscht, zerschmettert und zerrissen werden, während Blut und Eingeweide gleich eimerweise in der Gegend herumspritzen. Diese Szenen könnten auch direkt aus dem gefeierten Konsolenspiel-Bestseller „God Of War III" stammen, in dem sich der Spieler als blutrünstiger Spartaner bis in den Olymp metzelt. Wäre „Krieg der Götter" nur einen Tick weniger stilisiert, wäre der Film um eine Freigabe ab 18 Jahren wohl kaum herumgekommen.

Weil die Darsteller wie angedeutet kaum ausgearbeitete Charakterzüge besitzen, sondern vielmehr überlebensgroße Ikonen verkörpern, ist in „Krieg der Götter 3D" weniger schauspielerisches Talent als schiere Leinwandpräsenz gefragt: Damit haben der zukünftige „Superman" Henry Cavill als mutiger Theseus, der britische Theaterstar Luke Evans („Der Hobbit: Hin und zurück") als weiser Zeus und Mickey Rourke („The Wrestler") als hartherziger Hyperion auch überhaupt kein Problem, während die Götter-Darsteller Isabel Lucas („Transformers - Die Rache") als schöne Athena und Kellan Lutz („Twilight 4: Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 1)") als aufbrausender Poseidon an ihrer Aufgabe scheitern und in ihren goldenen Gewändern mitunter unfreiwillig komisch wirken.

Fazit: Tarsem Singhs opulent-blutiger Bilderbogen begeistert durch bedingungslosen Stilwillen, aber seine Figuren lassen einen merkwürdig kalt.
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