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    King Arthur: Legend Of The Sword
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    King Arthur: Legend Of The Sword
    Von Antje Wessels
    Regisseur und Drehbuchautor Guy Ritchie hat zuletzt nicht bloß die 60er-Jahre-Agentenserie „Solo für O.N.C.E.L.“ in ein zeitgemäßes Spielfilmgewand mit Retro-Appeal gekleidet, sondern zuvor auch den viktorianischen Geschichten rund um den Kultdetektiv Sherlock Holmes einen cleveren modernen Touch gegeben. Mit genau dieser zugleich zwanglosen und trotzdem die Vorlagen respektierenden Herangehensweise ist der Engländer eine gute Wahl für eine weitere Leinwandversion der Geschichte des legendären Herrschers König Artus (= King Arthur), der um das Jahr 500 den Kampf gegen die eindringenden Angeln und Sachsen angeführt haben soll. Ritchie bereitet den mittelalterlichen Sagenstoff als modernen Fantasy-Blockbuster auf und bedient sich ganz gezielt bei der Überlieferung. So bleibt die DNA der Vorlage erhalten und erkennbar, während der Regisseur der Geschichte um Arthur und sein Schwert Excalibur schon gleich zu Beginn eigene Facetten abgewinnt und das Mittelalter-Setting mit ordentlich Fantasy-Bombast einschließlich nach dem neuesten Stand der Technik animierter Fabelwesen anreichert. Zwar gibt es auch in „King Arthur: Legend Of The Sword“ manch austauschbares CGI-Schlachtengetümmel und andere Zugeständnisse an das Hollywood-Hochglanzkino, aber trotzdem ist das Fantasy-Action-Abenteuer bis zuletzt ebenso kurzweilig wie stimmungsvoll.

    Als Kleinkind wird der junge Arthur (Charlie Hunnam) Zeuge, wie sein Vater und König Uther Pendragon (Eric Bana) grausam ermordet wird. Den Befehl dazu gab der machtgierige Tyrann Vortigern (Jude Law), nur um wenig später als König selbst den Thron zu besteigen und das Volk grausam zu unterjochen. Als Erwachsener erinnert sich Arthur kaum und ahnt nichts von seinem Schicksal, bis er eines Tages vom Schwert Excalibur erfährt. Der Legende nach kann nur der rechtmäßige König von England das Schwert aus seinem Stein ziehen. Arthur versucht sein Glück, reißt Excalibur an sich und wird fortan von finsteren Visionen geplagt. Durch diese erfährt er nicht bloß von den dramatischen Umständen, die zum Tod seines Vaters geführt haben, sondern findet auch seine königliche Berufung. Gemeinsam mit einigen Rebellen und einer geheimnisvollen Magierin (Astrid Bergès-Frisbey) kämpft Arthur für die Befreiung des Volkes und gegen die Unterdrückung durch Vortigern. Doch dieser erweist sich als mächtiger Gegner…



    Ob als Zeichentrick-Abenteuer für die ganze Familie („Die Hexe und der Zauberer“), als historisches Actiondrama (Antoine Fuquas „King Arthur“) oder als beschwingte Komödie („Die Ritter der Kokosnuss“) – die Artus-Sage hat im Kino schon viele Gestalten angenommen. Guy Ritchie, der bei „King Arthur: Legend of the Sword“ nicht bloß die Regie übernahm, sondern gemeinsam mit Joby Harold („Awake“) und Lionel Wigram („Sherlock Holmes“) auch das Drehbuch verfasste, wählt für seinen Film eine Kombination aus einem modernen Action-Look und klassischem Mittelalter-Historienkino mit jeder Menge Fantasy-Elementen. Hier treffen Ritter in schweren Rüstungen auf haushohe Elefantenwesen und der nur mit einem Schwert bewaffnete König Arthur muss sich im Kampf schon mal einer furchterregenden Riesenschlange stellen. Die Originalität des Ansatzes liegt in der starken Konzentration auf die magischen Aspekte des Stoffes. Die berühmtesten Motive der Sage einschließlich der Szene, in der Arthur das Schwert aus dem Stein zieht, rücken etwas in den Hintergrund. Dagegen wird das Ringen des jungen Mannes um seine Berufung in den Mittelpunkt gestellt: Immer wenn Arthur das Schwert umfasst, ziehen die schlimmsten Momente seiner Vergangenheit an ihm vorbei. Dieser muss er sich stellen, bevor er für das Gute in den Kampf ziehen kann. Diese Prüfung, die er unter Zuhilfenahme der Zauberkräfte seiner gewieften Begleiterin, der Magierin, bestreitet, erweist sich fortan als echtes Abenteuer.

    Die emotionale Seite des Kampfs mit den eigenen Dämonen kommt allerdings etwas kurz. Das liegt nicht nur an Hauptdarsteller Charlie Hunnam („Die versunkene Stadt Z“), sondern auch daran, dass Arthurs Vorgeschichte extrem gerafft wird. Nachdem sich Guy Ritchie früh von der ursprünglichen Idee verabschiedet hat, „King Arthur“ als Zweiteiler zu inszenieren, müssen die schrecklichen Erlebnisse aus dem Prolog reichen, um die seelische Verfassung Arthurs als „traumatisiert“ einzuordnen. Und nachdem er die Geister der Vergangenheit einmal vertrieben hat, tritt er nur noch als unentwegt kämpfender Hüne gegen allerlei Bösewichte und Monster an. Für persönlich-menschliche Akzente bleibt da kaum Gelegenheit, auch der Schalk, den der offenherzige Arthur in sich trägt, kommt nur sehr gelegentlich durch. Ein umso deutlicheres Profil hat dagegen der Schurke Vortigern, denn Jude Law („Genius“) agiert als tyrannischer König, der wahnhaft zur Macht strebt, haarscharf an der Grenze zur Karikatur - ohne sie jedoch zu überschreiten, wohingegen sich die zurückhaltend aufspielende Astrid Bergès-Frisbey („I, Origins“) als echte Entdeckung erweist. Die von ihrer Figur ausgehende Aura ist nahezu undurchdringbar und damit fesselnd und geheimnisvoll zugleich.

    Um zu erkennen, dass es sich bei „King Arthur: Legend of the Sword“ um einen Guy-Ritchie-Film handelt, müssen nicht einmal zehn Minuten vergehen. Wenn der Regisseur für die Zeitraffer-Szene von König Arthurs Jugendjahren ein Best-Of aller möglichen Split-Screen-Variationen bereithält, diese mit dem impulsiven Score von Daniel Pemberton („Steve Jobs“) unterlegt und die Schlagzahl der Schnitte so lange erhöht, bis das Erzähltempo schon in dieser frühen Phase in enorme Höhen schnellt, dann fühlt man sich sofort an die vielen Glanzstunden aus Guy Ritchies Vita erinnert. Im Laufe der weiteren zwei Stunden zieht der Regisseur noch mehrmals derartige, für ihn typische stilistische Mittel aus dem Ärmel, doch im Gegensatz zu seinen bisherigen Filmen fügen sich solche Szenen nicht immer selbstverständlich in die ansonsten sehr geradlinige Inszenierung ein. Während man gerade im finalen Kampf zwischen Gut und Böse die Kreativität eines Guy Ritchie vermisst, entdeckt man die Detailverliebtheit wiederum in anderen Dingen. So sehen nicht nur die Computereffekte wirklich ordentlich aus, auch die riesigen Massen an Statisten und die aufwändig dekorierten Sets tragen dazu bei, dass „King Arthur: Legend of the Sword“ den Eindruck erweckt, mit viel Leidenschaft entstanden zu sein.

    Fazit: In „King Arthur: Legend Of The Sword“ trifft moderne Fantasy-Action auf spektakulären Mittelalter-Bombast. Guy Ritchie schafft es, der bekannten Vorlage neue Facetten abzugewinnen und inszeniert seinen Film mit den für ihn so typischen Stilmitteln. Sollte es eine Fortsetzung geben, würden wir aber gern ein wenig mehr über die Figur King Arthur an sich erfahren.

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