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    Safe House
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Safe House
    Von Carsten Baumgardt
    Wenn Action-Ästhet Tony Scott und sein Leibschauspieler Denzel Washington kooperieren, kracht es für gewöhnlich ordentlich. Bereits fünf Mal - von „Crimson Tide" bis „Unstoppable" - ließen die beiden bisher die Leinwand erbeben. Die Zutaten für Washingtons neuesten Action-Thriller „Safe House" sind ebenfalls sehr vielversprechend – der zweifache Oscar-Preisträger liefert sich vor der berauschenden Kulisse Kapstadts als Verbrechergenie einen harten Zweikampf mit CIA-Novize Ryan Reynolds. Das Problem: Obwohl der Trailer zu „Safe House" ganz nach einem typischen Werk des „Spy Game"-Regisseurs aussieht, ist der Film gar nicht von Tony Scott... Stattdessen sitzt Daniel Espinosa auf dem Kommandostand, wohin er sich mit dem Thriller „Easy Money" katapultiert hatte. Nur besitzt der Schwede mit chilenischen Wurzeln (bisher) nicht die Klasse Scotts. „Safe House" glänzt zwar durch starke Schauwerte und eine grobkörnige Optik mit fiebriger Farbgebung, krankt zugleich aber an einer extrem konventionellen, handzahmen Handlung und nervt schlicht mit dem ausufernden Einsatz einer wackligen Handkamera, die dem Publikum des Öfteren komplett den Überblick raubt.

    Der junge CIA-Agent Matt Weston (Ryan Reynolds) fristet bereits seit zwölf Monaten im südafrikanischen Kapstadt ein einsames Dasein als sogenannter Safe-House-Wächter – heißt, er bewacht ein als sicher geltendes Versteck des US-amerikanischen Geheimdienstes. Seine französische Freundin Ana (Nora Arnezeder) ahnt nichts von seiner CIA-Tätigkeit. Weston hat im Safe House schon seit Monaten nichts mehr zu tun bekommen und fleht seinen Vorgesetzten in der Zentrale in Langley, David Barlow (Brendan Gleeson), förmlich an, ihn nach Paris in den Außendienst zu versetzen. Doch seine große Stunde schlägt, als sich der Schwerkriminelle Tobin Frost (Denzel Washington) auf der Flucht vor Gangstern, die ihn umbringen wollen, mit letzter Kraft ins US-Konsulat in Kapstadt rettet. Der Ex-Agent hatte gerade versucht, hochbrisante Informationen zu verkaufen. Die CIA will Frost umgehend verhören und schickt ein Team aus Johannesburg. Mit dem Top-Verbrecher im Gepäck landet es bei Weston im Safe House. Doch der eigentlich geheime Unterschlupf wird von einer Gruppe schwerbewaffneter Männer gestürmt und alle CIA-Agenten getötet – bis auf Weston, dem mit Frost im Schlepptau die Flucht gelingt. Er soll den hochgefährlichen Manipulator an einen sicheren Ort bringen und abwarten...



    Eines ist Regisseur Espinosa gewiss nicht abzusprechen: ein besonders ausgeprägter Stilwille. Nur selten allerdings führt dies zu so überzeugenden Resultaten wie bei einigen atemberaubenden farbübersättigten Cinemascope-Aufnahmen von Kapstadt. Seine fiebrig-flirrenden Bilder sind auch sonst schön anzuschauen, aber sie verfehlen nicht selten das grundlegende Ziel der Informationsvermittlung. Kameramann Oliver Wood („Die etwas anderen Cops", „Surrogates") versieht die Kampf- und Actionszenen mit einer extremen Wackeloptik, die aber außer Hektik gar nichts zum Ausdruck bringt, dem Betrachter jegliche Orientierung nimmt und mehr als einmal zum Ärgernis auswächst. Zur visuellen Beliebigkeit gesellt sich ironischerweise eine inhaltliche Vorhersehbarkeit, wodurch der geübte Seher auch wenn er wieder mal bei einer Actionsequenz abschaltet, wenn im Durcheinander kaum etwas zu erkennen ist, noch im Spiel bleibt, weil der Ausgang des jeweiligen Action-Getöses jeweils glasklar feststeht.

    Böswillige Zungen könnten behaupten, dass Espinosa und sein Drehbuchautor David Guggenheim („Stolen") ihre Geschichte auf Autopilot im fünften Gang vorantreiben. Alles geht seinen bekannten Weg, garniert mit etwas plakativer CIA-Kritik inklusive Waterboarding, korrupten Beamten und professionell-grimmigen Menschen-aus-dem-Weg-Räumern im Einsatz. Dem Kampf des gutherzigen CIA-Pförtners gegen den kecken Superverbrecher fehlt die Finesse, die das Duell über das Mittelmaß hinausheben würde. So ist das zwar alles sehr temporeich, was Espinosa anstellt, aber die Winkelzüge der Handlung sind zu durchschaubar, um echte Hochspannung zu erzeugen. Immerhin bereiten einige überkandidelte Verfolgungsjagden, bei denen die Unübersichtlichkeit nicht so sehr ins Gewicht fällt, mit ihrer Rasanz Spaß.

    „Schadensbegrenzungsmaßnahmen einleiten", heißt es an einer Stelle des Films, als eine Aktion wieder mal außer Kontrolle gerät. Im Fall von „Safe House" ist Hauptdarsteller Denzel Washington („Déjà Vu", „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3") das Mittel zur Eindämmung der Malaise. Er steht wie ein Fels in der Brandung, der Mann ist eine absolute Bank an Beständigkeit. Man sieht dem charismatischen Ausnahmeschauspieler einfach gern zu – egal, was er spielt. Die beste Entscheidung, die Regisseur Daniel Espinosa in „Safe House" getroffen hat, ist sicherlich die Verpflichtung des Oscarpreisträgers, denn der ausgefuchste Washington ist das überzeugendste Argument für den Kauf einer „Safe House"-Kinokarte. Ryan Reynolds („Green Lantern", „Buried") steht deutlich im Schatten Washingtons müht sich aber nach Kräften und durchaus erfolgreich, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Die hochkarätige Nebendarstellerriege mit den serienmäßig großartigen Brendan Gleeson („The Guard"), Vera Farmiga („Up in the Air") und Sam Shepard („Der Stoff aus dem die Helden sind (The Right Stuff)") ist zwar chronisch unterbeschäftigt, aber auch sie trägt dazu bei, dass „Safe House" trotz aller Defizite zu einem recht kurzweiligen Stück Star-Kino wird.

    Fazit: Daniel Espinosas knalliger Action-Thriller „Safe House" gewinnt ganz bestimmt keinen Originalitätspreis, kann aber immerhin mit einem gewohnt überzeugenden Denzel Washington und einigen krachenden Verfolgungsjagden punkten, während die wirre Kameraführung und die allzu konventionelle Geschichte das Vergnügen merklich mindern.
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