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Safe - Todsicher
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Safe - Todsicher
Von
Der Wettstreit um die absurdeste Filmidee des Jahres ist natürlich nur ein inoffizieller und der „Sieger" erhält keine Auszeichnungen. Dennoch sind es gerade in einer Zeit der Gleichförmigkeit die schrägen Einfälle, die für Abwechslung und Belebung sorgen. Im Jahr 2012 hat Timo Vuorensola mit seiner bitterbösen Satire „Iron Sky", in der eine Gruppe von zum Kriegsende auf den Mond geflüchteten Nazis 2018 auf die Erde zurückzukehrt, diesbezüglich bereits einen schwer zu überbietenden Maßstab gesetzt. Mit seinem geradlinig inszenierten Action-Thriller „Safe" bewirbt sich Regisseur und Autor Boaz Yakin („Gegen jede Regel", „Uptown Girls") nun aber zumindest um einen Ehrenplatz im Kuriositätenkabinett. Dort nutzen die chinesischen Triaden in New York ein Wunderkind als menschlichen Datenspeicher der Superlative, der von mehreren kriminellen Interessensgemeinschaften gejagt und von einem dem Tod geweihten Outlaw beschützt wird. Yakin legt seinen rotzigen Reißer als Hommage an die harten Straßen-Thriller der Siebzigerjahre an und überzeugt mit einer Kompromisslosigkeit wie sie seit „96 Hours" nicht mehr zu sehen war.

Luke Wright (Jason Statham) ist ein Mann mit Prinzipien. Doch diese verraten ihn im entscheidenden Augenblick. Als der Cage-Fighter in New Jersey einen getürkten Kampf entgegen der Absprache gewinnt, bricht die Hölle über ihn herein. Die russische Mafia, die viel Geld durch Wrights Ehrlichkeit verliert, statuiert ein Exempel an Wright, bringt seine geliebte Frau um und droht, jede Person, zu der er auch nur einen Anflug von Nähe aufbaut, ebenfalls zu töten. Er wird zum Aussätzigen, dem der Selbstmord nahegelegt wird. Doch zunächst taucht Wright in New York als Obdachloser unter. In der U-Bahn läuft ihm die elfjährige Mei (Catherine Chan) über den Weg, die von Gangstern verfolgt wird. Triadenboss Han Jiao (James Hong) nutzt das chinesische Wunderkind als sichersten Datenspeicher der Welt, denn das hochbegabte Mädchen kann sich Zahlenfolgen in nahezu unbegrenzter Menge merken. Auf Meis Fersen befinden sich Häscher der russische Mafia, die einen Code aus ihr herauspressen wollen, Jiaos Schergen und eine Polizeieinheit um den korrupten Cop Wolf (Robert John Burke). Trotzig nimmt sich Wright, der sowieso nichts mehr zu verlieren hat, des ängstlichen Mädchens an und bietet allen Parteien die Stirn – so sehr, dass schnell erhebliche Verluste auf sämtlichen Seiten zu verzeichnen sind.


Auf den ersten Blick wirkt „Safe" wie Standardware für die Videothekenverwertung. Aber die launigen Kleinod-Qualitäten von Boaz Yakins grimmigem Action-Thriller werden schnell ersichtlich. Die Story ist derart absurd zusammengezimmert und unvorhersehbar, dass die Grenzen zwischen Klischees und ironischer Dekonstruktion immer wieder verschwimmen. Boaz Yakins augenzwinkernde Inszenierung verstärkt diesen Effekt noch, etwa wenn Jason Stathams Luke Wright mit einem Handstreich vom geprügelten Obdachlosen zum Berserker im teuren Edelzwirn umschaltet oder wenn ein einzelner Dialogsatz die tatsächliche Identität des angeblichen Cage-Fighters offenbart. Diese aus der Hüfte geschossenen Wendungen machen eine Menge Spaß und die Sprunghaftigkeit wird zum Erzählprinzip. Mit Jason Statham („The Transporter", „Crank", „Bube, Dame, König, grAS") steht ein dafür bestens geeigneter Darsteller im Mittelpunkt, denn der britische Action-Star verkörpert den knallharten Burschen ebenso souverän wie den Mitleid empfindenden Mädchenretter, der sein eigenes Leben ohne Zögern einsetzt. Als Partnerin von Statham liefert auch Kinodebütantin Catherine Mei eine tadellose Leistung, die Chemie zwischen dem großen Groben und der genialen Göre stimmt.

Stilistisch orientiert sich Regisseur Yakin an den düsteren Cop-Dramen der Siebzigerjahre wie „Serpico" oder „French Connection", in denen die Korruption und Brutalität zum Wesen der New Yorker Polizei gehörte, die sperrige Filmmusik von Mark Mothersbaugh („Die Royal Tenenbaums", „Rushmore") erinnert ebenfalls an diese Klassiker. Auch bei der Action hebt sich „Safe" wohltuend von der Masse der heutigen Konkurrenz ab und Yakin stellt die üblichen Genre-Klischees mustergültig auf den Kopf. Ähnlich wie bei Pierre Morels Kultfilm „96 Hours" werden die Kämpfe nicht immer bis zum Letzten ausgereizt und auf die Spitze getrieben, sondern teilweise mit überraschenden Knalleffekten aufgelöst. Dabei erreicht der Film oft einen Härtegrad jenseits der Grenze zur Brutalität. Abräumer Wright sorgt für wahre Leichenberge und die Opferzahl steigt politisch alles andere als korrekt in furchterregende Höhen: Wer sich dem schlagkräftigen Kleinmädchenbeschützer in den Weg stellt, handelt auf eigene Verantwortung und muss nicht selten den höchsten Preis bezahlen.

Fazit: Mit dem knallhart-ruppigen Retro-Thriller „Safe" gelingt Regisseur Boaz Yakin ein kurzweiliger, erfrischender Genrebeitrag, der von seiner abgedrehten Geschichte, der unkonventionellen Action und dem guten Hauptdarsteller-Duo lebt.
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