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Die Tribute von Panem 3 - Mockingjay Teil 1
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Die Tribute von Panem 3 - Mockingjay Teil 1
Von
Die ersten beiden Teile von „Die Tribute von Panem“ sind sich dramaturgisch sehr ähnlich: Erst hagelt es bissige Faschismus-Schelte, dann gibt’s bei den Hungerspielen ordentlich auf die Mütze. Auch in „Flammender Zorn“, dem abschließenden Band der Romantrilogie, ist das trotz Hungerspiel-Abstinenz nicht anders. Zunächst kommt die Satire, dann erst die Action (hier in Form eines Krieges). Aber statt bei der Verfilmung einfach der erprobten Blaupause der Vorgänger zu folgen, haben die Produzenten entschieden, die Geschichte des finalen Buches wie bei „Harry Potter“, „Twilight“ und demnächst bei „Die Bestimmung“ in zwei Filmen zu erzählen. Das dürfte angesichts der zu erwartenden Mehreinnahmen für extrem hohe Luftsprünge bei den Aktionären des Lionsgate-Studios gesorgt haben, denn es heißt offiziell zwar immer, der Stoff verlange nun einmal zwei Filme, aber machen wir uns nichts vor, Hollywood ist zuallererst ein gewinnorientiertes Geschäft. Damit stand Francis Lawrence also plötzlich vor der Aufgabe, aus der so gut wie actionfreien ersten Hälfte des dritten Romans ein Blockbuster-Event zu formen. Und der Regisseur hat das einzig Richtige getan: Er hat mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ einen Film abgeliefert, der zwar weltweit wieder mehr als eine Milliarde Dollar einspielen wird, aber dennoch kaum weiter von einem typischen Hollywood-Spektakel entfernt sein könnte.

Nach den Geschehnissen am Ende von „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ ist Katniss (Jennifer Lawrence) zwar in Distrikt 13 bei den Rebellen in Sicherheit, aber doch nur noch ein Schatten ihrer selbst: Während sie sich selbst und den Widerständlern um Anführerin Alma Coin (Julianne Moore) schwere Vorwürfe macht, weil ihr Hungerspiele-Partner Peeta (Josh Hutcherson) nicht ebenfalls gerettet werden konnte, wird sie zusätzlich immer wieder von schrecklichen Albträumen geplagt. Dass Katniss psychisch völlig am Ende ist, durchkreuzt auch den Plan von Marketing-Guru Plutarch Heavensbee (Philipp Seymour Hoffman), mit ihr als Aushängeschild der Rebellion Propagandavideos gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) zu drehen. Um den leidenschaftlichen Funken in Katniss wieder zu entfachen, schickt er sie in die Distrikte, wo sie sich vor Ort ansehen soll, was die Schergen des Kapitols dort für Grausamkeiten anrichten. Und tatsächlich: Als Katniss miterlebt, wie Snows Geschwader ein Krankenhaus voller Verletzter zerbombt, nur weil diese sie mit dem Spotttölpel-Gruß empfangen haben, kehrt ihre Wut heißer denn je zurück…


In „Tödliche Spiele“ hat sie sich für ihre jüngere Schwester geopfert und sich in „Catching Fire“ gegen die Hungerspiele aufgelehnt. Und in „Mockingjay“? Da ist Katniss erst ein psychisches Wrack und dann ein von Plutarch Heavensbee fremdgesteuertes Propaganda-Werkzeug. Aber nicht nur die Protagonistin ist nicht mehr dieselbe, das ganze Franchise hat sich verändert: Die „Panem“-Reihe war schon immer düster, aber es schwang bei den Hungerspielen auch immer dieses aufregend-abenteuerliche Gefühl eines (wenn auch lebensgefährlichen) Pfadfinder-Camps mit. Dieses ist inzwischen allerdings der puren Verzweiflung gewichen: „Mockingjay“ ist ein (zumindest in Teil 1) heldenloser Anti-Kriegsfilm, in dem allenfalls die sich gegen das Kapitol erhebenden und von dessen Soldaten niedergemähten namenlosen Massen tatsächlich einen heroischen Akt vollführen (sieht man einmal von der etwas zu absurden Szene ab, in der Katniss mit einem einzigen Pfeil gleich zwei Jets vom Himmel holt). Und weil Teil 1 eben nur die erste Hälfte der Geschichte erzählt, braucht hier auch niemand auf  Erlösung zu hoffen: Die blutunterlaufenen Augen der erneut grandiosen Jennifer Lawrence - und das hätte man nach den ersten fünf Minuten kaum für möglich gehalten - drücken in der letzten Szene sogar eine noch tiefere Verzweiflung aus als in der ersten!

Während in „Mockingjay Teil 2“ (Starttermin in Deutschland: 19. November 2015) der tatsächliche Krieg im Zentrum stehen wird, geht es in Teil 1 hauptsächlich um den über die Medien ausgetragenen Propaganda-Wettstreit (womit der Film in Zeiten von Arabischer Frühling und Krim-Krise aktueller kaum sein könnte). So diskutiert Präsident Snow einmal mit seiner Beraterin über die Frage, wie man die Aufständischen denn nun am besten offiziell nennen solle, das Wort „Rebellen“ impliziere schließlich eine gewisse politische Legitimation – anders als etwa „Kriminelle“ oder „Terroristen“. Und das bewegende Video mit Katniss vor dem zerbombten Krankenhaus erinnert auffällig an ein amerikanisches Propagandavideo (Stichwort: Brutkastenlüge), mit dem 1990 die US-Invasion in Kuwait gerechtfertigt wurde. Während man bei der Grundidee der Reihe, die im TV übertragenen Hungerspiele seien wie Opium fürs Volk und würden so den Frieden in Panem sichern, schon noch ein wenig Unglauben zur Seite schieben musste, bleibt „Mockingjay Teil 1“ in Sachen Propaganda-Taktiken für einen Fantasy-Blockbuster geradezu schmerzhaft nah an der Realität. Und so kommt der Film übrigens auch fast ganz ohne Action aus: Es ist den Machern hoch anzurechnen, dass sie voll auf ihre Geschichte und ihre starke Protagonistin vertrauen, anstatt sich zusätzliches Spektakel einfach aus den Fingern zu saugen. In Teil 2 wird ohnehin noch genug in die Luft fliegen.

Anders als in den ersten zwei Filmen ist Jennifer Lawrence in „Mockingjay Teil 1“ der alleinige Star. Während sie praktisch in jeder Sequenz zu sehen ist, absolviert neben ihr kaum ein Darsteller mehr als eine Handvoll Szenen (selbst jemand wie Jena Malone als Johanna Mason ist aufgrund der Zweiteilung nur für einen Sekundenbruchteil zu erhaschen). Trotzdem gibt es eine Reihe erwähnenswerter Auftritte: Josh Hutcherson als Peeta Mellark ist diesmal zwar fast ausschließlich in Fernsehansprachen zu sehen, in denen er die Aufrührer im Auftrag der Propaganda-Maschinerie des Kapitols zum Niederlegen ihrer Waffen aufruft. Aber es ist beeindruckend, wie er von einem TV-Auftritt zum nächsten psychisch und physisch immer mehr verfällt. Eine noch subtilere Wandlung macht Julianne Moore als Rebellen-Anführerin Alma Coin durch: Sind die ersten Ansprachen an ihre Leute noch durch und durch sachlich (oder besser: verdammt öde), scheint sie im Verlauf des Films Gefallen an der Macht zu finden, die ihr die Propaganda-Spots einbringen: Bei ihren letzten Auftritten lässt sich schließlich vom Stil her kaum noch ein Unterschied zu den pathetischen Reden von Präsident Snow ausmachen. Und dann gibt es da natürlich noch den verstorbenen Oscar-Preisträger Philipp Seymour Hoffman, der als Chef-Propagandist der Rebellen zwar mit seinen Vorschlägen die Story vorantreibt, aber ehrlicherweise ein wenig blass bleibt: Plutarchs Kommentare zu Katniss‘ katastrophal scheiternden Schauspielversuchen hätten ruhig noch ein wenig trocken-sarkastischer ausfallen dürfen.

Fazit: Mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ soll die mit den ersten beiden Filmen kreierte Spannung bis zum großen Finale hochgehalten werden. Aber zum Glück für das noch ein weiteres Jahr auf die Folter gespannte Publikums meistert Regisseur Francis Lawrence diese Herausforderung auf ganz Hollywood-untypische Weise: Mit wenig Krawall und viel Intelligenz legt er den bisher besten Teil der Reihe vor.
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Kommentare

  • Jens85
    Ja sauber, das stimmt mich doch sehr positiv. War von den Trailern nämlich bisher nicht soo angetan. ;-)
  • Schnafffan
    Wenig Blockbuster-Spektakel und stattdessen viel Substanz? Bei nem Hollywood-Blockbuster???.....mooooment, also das muss ich erst mit eigenen Augen sehen!!
  • Janos V.
    Super, läuft doch. Wenn sie jetzt im Finale nochmal richtig einen raushauen (die Vorlage gibts ja allemal her), ist die Panem-Reihe mit Abstand die beste Jugendbuchverfilmung bisher. Mit den Potter-Filmen bin ich nie richtig warm geworden, Twilight ist grauenvoll, und der Rest hats ja bisher nicht über den ersten Band hinaus geschafft. Da ist Panem wirklich mal ne schöne Abwechslung.
  • TresChic
    Panem die Dritte, die Vierte, die Fünfte.... uff leider muss ich die immer anschauen, meiner Freundin zu liebe :-)) Die Panem Reihe ist wirklich nur für Frauen/Mädchen entwickelt worden. Da soll ums Überleben gekämpft werden und was is? So unblutig und unspektakulär in Szene gesetzt, weil das Ganze natürlich ab 12 sein muss. Wer Panem mag, dem kann ich auch die Twilight Serie empfehlen.
  • Fain5
    Dem kann ich nur zustimmen. Ich finde es klasse, dass der Umstand, dass man Gemetzel erwartet und Liebesgesülze bekommt auch neulich bei den Simpsons verarscht wurde.
  • Fain5
    Nur weil du nichts mit Potter anfangen kannst macht das Panem noch lange nicht zur besten Jugendbuchverfilmung...
  • niman7
    Genau das wurde letztens bei den Simpsons parodiert :D
  • scorch
    Mhh, kann mit dem Franchise ebenfalls nichts anfangen. Kam ja nun der 1. Teil gerade eben im TV (vllt im Kino besser gewesen). Hab dem Film eine Chance gegeben, da er mir vorher abging und ich mir nun eine eigene Meinung bilden wollte. Nunja, ich konnte zwar die vielzitierten Logiklöcher nicht finden, allerdings empfand ich den Film als mega-langweilig umgesetzt. Die Story gibt ja nun schon einiges her, aber die Umsetzung war alles andere als befriedigend. Das Setting war noch das interessanteste, aber der Rest war Murks. Auch die Leistung von Everybodys Darling Lawrence fand ich im Gegensatz zu vielen nicht sonderlich toll.
  • Da HouseCat
    schau dir teil 2 an, der hat mir besser gefallen. teil1 fand ich nicht gut und zum ende hin sogar mies.
  • Janos V.
    Ist natürlich nur meine Meinung und auch noch unter Vorbehalt. Aber wenn du Teil 1 und 2 mit den ersten beiden Potters vergleichst, seh ich da schon nen Qualitätsunterschied. Und als jemand, der bei beidem sowohl die Bücher gelesen als auch die Filme gesehen hat, muss ich sagen, die Panem-Filme treffen die Atmosphäre der Bücher deutlich besser.
  • NeonSchwarz
    Na ja, ich kenne richtig viele Jungen/Männer, die die Reihe ebenfalls sehr mögen (inklusive mir natürlich).Trotzdem rate ich dir mal die Bücher zu lesen, da diese einfach noch mal um einiges Brutaler sind, vor allem der Dritte Band wird am Ende richtig heftig!
  • Janos V.
    Ok, klar, hätte ich spezifizieren können... beste Hollywood-Jugendbuchverfilmung. Erschließt sich aber eigentlich auch schon aus der Formulierung, oder? ^^
  • NeonSchwarz
    Bin jetzt echt gespannt, alleine vom Trailer-Material und der Buchvorlage, gehe ich eigentlich davon aus, das Part 1 der schwächste Film werden könnte und Part 2 der beste ...
  • greek freak
    Da empfehle ich dir und deiner Freundin, einen netten DVD-Blue Ray Abend mit ''Battle Royale''.Von hier hat "Hunger Games" das Konzept kopiert(auch wenn die Autorin was anderes behauptet),dagegen ist "Hunger Games" ein Kindergerburtstag. ;-)
  • The Flash
    Lies dir besser die Bücher. Sind erwachsener und spannender als die Filme.
  • Fain5
    Gut hab die Panembücher nicht gelesen deswegen weiss ich nichts obs am Buch oder am Film liegt aber ich fand den ersten wirklich schlecht. Da war Potter schon viel besser was Aufmachung, Darsteller und Stimmung angeht. Natürlich meine Meinung ;)
  • Bruno D.
    Der erste Teil war ok und hat sogar Lust auf ein wenig mehr gemacht (dabei mag ich Liebesschnulzen überhaupt nicht). Der 2. Teil war klasse inszeniert und deutete bereits die Richtung der Fortsetzung an. Ich hab die Buchreihe nicht gelesen, daher find ichs ok, wies läuft. Bei Game of Thrones regen sich ja auch alle Buchkenner über die Serie auf, also ignorier ich jetzt mal das Geflame..Buch viel besser..die Filme sind Schrott etc.
  • TresChic
    Battle Royale kenne ich schon. Der is geil. Das Konzept wurde nicht von Panem kopiert, denn das Konzept so wie es in Battle Royale dargestellt wird, gabs sogar schon in den 30er Jahren.
  • TresChic
    Robert Sheckley hatte übrigens 1960 auch ein gutes Buch mit diesen Ansätzen. Suzanne Collins war da nicht einmal auf der Welt ;-) Collins hat sich das alles ziemlich gut zusammengesucht, meiner Meinung nach.
  • greek freak
    Der alte ''Running Man''-Streifen mit Arnie aus den 80ern oder auch ''Todespiel'' mit D.Hallervorden als Killer haben auch ein ähnliches Thema.
  • Knarfe1000
    Naja Potter ist Fantasy, Panem eher Endzeitszenario. Von daher schwer vergleichbar. Potter fand ich bis Teil 4 gut, danach ging es steil bergab. Wobei 7.2 wieder sehr ordentlich war. Bei Panem fand ich den ersten Film gut, den zweiten sogar sehr stark. Die Stimmung der Bücher wurde gut eingefangen. Dies scheint bei MJ 3.1 auch gelungen zu sein.
  • Knarfe1000
    Herr Der Fliegen?
  • Knarfe1000
    Das ist auch mein Hauptkritikpunkt: Der Überlebenskampf ist mir zu glatt und steril inszeniert - weil ab 12, um mehr Einnahmen zu generieren. Dabei bezweifle ich, das Zwölfjährige die Tragweite des Themas auch nur ansatzweise erfassen können. Aber dass es nur für Mädchen sein soll - das ist Unsinn.
  • Knarfe1000
    Ich schon - zumindest wird vieles klarer als im Film (wie meistens). Vor allem das dritte Buch und dessen ernstes, massenuntaugliches Ende hat mich überrascht.
  • The Flash
    Und warum?
  • Meowan
    sorry, aber dieser Teil ist so maßlos überflüssig und in die Länge gezogen. Hat mir nach den tollen ersten beiden Teilen leider gar nicht gefallen.
  • Admiratio
    Ich fand ihn auch gut. Hätte mir gewünscht, dass man ihn noch "politischer" macht, aber das war für einen Blockbuster ein akzeptabler Kompromiss. Muss man aber aus meiner Sicht nicht im Kino sehen, da man dort aufgrund des Cliffhangers eh unbefriedigt raus geht. Reicht also auch auf DVD.Insgesamt eine gute Reihe: Kulisse und Cast sind klasse und ich finde es ist ein gutes Maß zwischen Teenager- und Erwachsenenfilm.
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