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    Jumanji: Willkommen im Dschungel
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Jumanji: Willkommen im Dschungel
    Von Carsten Baumgardt

    Joe Johnstons Fantasy-Action-Komödie „Jumanji“ mit Robin Williams aus dem Jahr 1995 ist nicht gerade als Meisterwerk in die Filmgeschichte eingegangen, spielte aber weltweit das Vierfache seines 65-Millionen-Dollar-Budgets allein im Kino ein. Und viel wichtiger: Der Film hat über die Jahre eine leidenschaftlich-treue Anhängerschaft gewonnen, sodass es immer mal wieder Überlegungen zu einer Fortsetzung gab. 2017 sind Retro-Stoffe gerade besonders „in“ und so ist es nun auch für „Jumanji“ soweit. Regisseur Jake Kasdan entstaubt die Vorlage, packt die satten Schauwerte eines nach Hawaii expandierenden Dschungelabenteuers hinzu und schmeißt Superstar Dwayne Johnson als Box-Office-Pfund in den Ring. Der wiederum entwickelt mit seinen Co-Stars eine sympathische Leinwandchemie, die über die arg generischen Elemente der Geschichte hinweghilft: Die flott-charmante Action-Komödie „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ steckt voller Nostalgie, kann aber als lose Fortsetzung problemlos für sich allein stehen.

    Die Teenager Bethany (Madison Iseman), Spencer (Alex Wolff), Fridge (Ser’Darius Blain) und Martha (Morgan Turner) müssen nachsitzen… und zur Strafe den mit allerlei Gerümpel vollgestellten Keller ihrer Highschool aufräumen. Dabei stoßen die ungleichen Jugendlichen auf ein mysteriöses Videospiel namens „Jumanji“. Als Fridge die Konsole anschmeißt, werden sie alle vier in das Spiel gesogen und landen dabei in einer exotischen Dschungellandschaft, wo sie sich in der äußeren Gestalt ihrer zuvor gewählten Avatare wiederfinden. Der schüchterne Spencer ist jetzt der furchtlose und breitschultrige Abenteurer Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), der Footballer Fridge mutiert zum kleingewachsenen Khakihosen-Zoologen Moose Finbar (Kevin Hart), die Außenseiterin Martha (Morgan Turner) findet sich im Körper der Amazone Ruby Roundhouse (Karen Gillan) wieder und It-Girl Bethany verliert ihre Schönheit, und muss sich an den Körper des dickbäuchigen Kartographen Professor Shelly Oberon (Jack Black) gewöhnen. Kaum hat sich die Gruppe halbwegs in dieser verrückten Situation zurechtgefunden, rast auch schon Unheil in Form einer wild gewordenen Motorradgang heran: Um wieder aus dem Spiel herauszukommen, müssen die Gestrandeten es spielen! Bald stoßen sie auf Alex (Nick Jonas), der schon seit Jahren in Jumanji gefangen ist und verbünden sich mit ihm…

    22 Jahre sind auch in der Filmgeschichte eine lange Zeit. Wenn sich nun „Bad Teacher“-Regisseur Jake Kasdan (der Sohn von „Star Wars“-Schreiberlegende Lawrence Kasdan) daran macht, den Quasi-Klassiker „Jumanji“ nach Chris Van Allsburgs gleichnamigem Kinderbuch weiterzuführen, ist eine komplett neue Herangehensweise gefordert - schließlich hat sich die Welt weitergedreht und in der Zwischenzeit gewaltig verändert. Und so ist das erneuerte „Jumanji“-Universum genau auf ein jüngeres Blockbuster-Publikum zugeschnitten: Da man mit einem Brettspiel wie im Original heutzutage keine Jugendlichen mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann, wird aus „Jumanji“ in „Willkommen im Dschungel“ kurzerhand ein Videospiel. Das sieht zwar seinerseits ein bisschen anachronistisch aus, aber erlaubt es den Filmemachern, die jugendlichen Nachsitzer (schöne Grüße an John Hughes‘ fantastischen Jugendklassiker „The Breakfast Club“, der dieselbe Ausgangssituation aufweist) leicht nachvollziehbar gleichsam in eine ganz andere Welt zu verfrachten, wo sie dann in der Gestalt ihrer Avatare agieren. So bekommt der Zuschauer im Dschungel des Spiels statt der Teenies die Stars Dwayne Johnson („Fast And Furious 5“), Kevin Hart („Ride Along“), Jack Black („King Kong“) und Karen Gillan („Guardians Of The Galaxy“) zu sehen und Kasdan jongliert ironisch mit den krassen Differenzen zwischen den Jugendlichen und ihren Fleisch und Blut gewordenen Spielfiguren.

    Es sind die Kontraste zwischen den von Unsicherheiten oder übertriebener Selbstgewissheit geprägten Teenagerpersönlichkeiten und ihren Avatar-Identitäten, die hier für die meisten Gags sorgen. Wenn der in jeder Hinsicht robuste Held Dr. Bravestone alias Dwayne Johnson sich plötzlich wie der zaghaft-ängstliche Spencer verhält, wenn das hochnäsige It-Girl Bethany sich mit dem Bauch (und dem Penis) von Jack Blacks Professor Oberon herumschlagen muss, wenn der stolze Footballspieler Fridge gefühlt nur noch halb so groß ist wie gewohnt (nämlich so groß wie Kevin Hart) oder die schüchterne Martha zur selbstbewussten Kämpferin im sexy „Lara Croft“-Gedächtnisoutfit mutiert, dann macht „Willkommen im Dschungel“ Laune. Denn die Transformationen sind keineswegs platte Verwandlungen von einem Klischee in ein anderes: Im Vorfeld des Films gab es einen empörten #Aufschrei, weil Gillan tatsächlich schlicht wie ein Dschungel-Pin-Up-Girl in superkurzen Shorts und bauchfreiem Top durch den Urwald turnt. Die Aufregung ist jedoch unbegründet. Der Avatar Ruby Roundhouse ist nämlich eine moderne Heldin und seine Lenkerin Martha erweist sich als treibende Kraft, die immer darauf drängt, das Ziel, das Spiel zu verlassen, nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht in dieser verlockenden Wunderwelt zu verlieren.

    Die offensichtliche gute Laune des bestens harmonierenden, überaus sympathisch rüberkommenden Star-Quartetts ist ansteckend und ihr charmantes Zusammenspiel einer der großen Pluspunkte des Films - selbst wenn der Grat zwischen zwangslosem Spaß und hysterisch-überkandidelter Unterhaltung manchmal schmal ist. Zusätzlich profitiert „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ von dem reizvollen Dschungelschauplatz (gedreht wurde auf dem paradiesischen Hawaii), in den sich die immer wieder auftauchenden wilden CGI-Tiere mit ihren Attacken gut einpassen und bei verschiedenen Herausforderungen für Aufregung sorgen. Die computergenerierten Effekte sind logischerweise um mehrere Dimensionen perfekter als jene von 1995, als die digitale Technik noch in den Kinderschuhen steckte, weshalb „Jumanji“ aus heutiger Sicht auch recht grobschlächtig wirkt.

    Um der Ur-Version die Ehre zu erweisen, baut Regisseur Kasdan einige Hommagen ein, so klingt das charakteristische Trommeln im Jumanji-Land immer noch wie damals und der vom einstigen Teenie-Starsänger Nick Jonas (von den Jonas Brothers) gespielte Alex ist ähnlich wie Robin Williams‘ Alan Parrish im Original schon seit vielen Jahren im Spiel gefangen, ist allerdings anders als dieser in der Zeit nicht gealtert. Die Macher von „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ setzen insgesamt auf eine wohlig nostalgische Stimmung, die schon im Prolog mit den vier Jugendlichen, der ein wenig an Stephen Kings „Es“ erinnert, ohne dessen atmosphärische Dichte zu erreichen, ihren ersten Höhepunkt erreicht.

    Die frischen Ideen sind belebend, zugleich wird aber auch einiges an Potenzial verschenkt, weil die Geschichte abseits der netten Gags nur überschaubare Spannung und wenig erzählerische Tiefe bietet. Die Motorradrotte um Bobby Cannavale („Blue Jasmine“) als finster dreinblickendem Anführer, die den Helden permanent im Genick sitzt, bleibt generisch-hölzern wie ein wiederkehrendes Element aus einem nicht mehr ganz aktuellen Computerspiel, sodass nie wirklich ein Gefühl von Gefahr und Bedrohung aufkommt. Und wenn die vier Helden ein ebenso nichtssagendes wie austauschbares Juwel an einen bestimmten Ort tragen müssen, um Jumanji verlassen zu können, ist das selbst innerhalb einer standardisierten Spieledramaturgie, wie sie hier zur Anwendung kommt, ein überaus fadenscheiniger Vorwand, um die Handlung in Bewegung zu halten.

    Fazit: Regisseur Jake Kasdan hat seine durchaus schwierige Mission, „Jumanji“ für die heutige Kinogeneration zu aktualisieren, souverän erfüllt. Die Fantasy-Action-Komödie „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ steckt voller Herzblut, Nostalgie und netter Gags, aber erzählerisch ist der Film nicht ganz auf der Höhe.

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