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Tal der Skorpione
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Tal der Skorpione

Deutschland kann auch Müll

Von Thomas Lassonczyk
Dass deutsche Regisseure auch heute noch in aller Regel nach Hollywood gehen müssen, wenn sie Genrefilme machen wollen, hat längst nicht nur damit zu tun, dass dort die Budgets höher und damit die benötigten Spezialeffekte bezahlbar sind. Es liegt auch daran, dass hierzulande selbst dann kaum jemand in die Kinos geht, wenn doch mal richtig gutes Actionkino produziert wird. Das war schon vor 25 Jahren so, als Dominik Graf („Im Angesicht des Verbrechens“) mit dem für damalige Verhältnisse sündhaft teuren „Die Sieger“ einen Riesenflop hinlegte. Und das ist auch heute noch so, wenn etwa Til Schweiger, der mit seinen mitunter deftigen, mitunter tragischen Komödien regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht, mit seinem Bodyguard-Thriller „Schutzengel“ nur einen Bruchteil davon vor die Leinwände lockt. Und auch Christian Alvart, der weiß wie Krimi geht (siehe „Antikörper“ oder zuletzt „Steig. Nicht. Aus!“), hat es trotz stattlichem Budget und überzeugendem Hollywood-Look nicht geschafft, ein breiteres Publikum für eine Bestseller-Verfilmung wie „Abgeschnitten“ (auf dem Papier ein totsicherer Hit) zu begeistern.

Zum einen ist der deutsche Film an dieser Misere sicherlich nicht unschuldig, so mangelt es etwa an versierten Drehbuchautoren, das Budget ist für überzeugende Spezialeffekte meist viel zu niedrig und es gibt keine Stars wie Bruce Willis oder Jason Statham, die einen überzeugenden Prügelhelden abgeben würden. Trotzdem kann man guten Gewissens feststellen: Das deutsche Genrekino wird vom Publikum ein gutes Stück weit auch ungerechtfertigterweise übergangen, denn es gibt da schon auch eine Reihe von Perlen zu entdecken, wenn man nur genau hinschaut. „Tal der Skorpione“, das Regiedebüt von Patrick Roy Beckert, zählt allerdings nicht dazu. Stattdessen vereinen sich hier all die Klischees, die es so vom deutschen Actionkino gibt – vom unausgereiften Skript über billige Tricktechnik bis hin zu miesen Darstellern.

Es wird viel geballert...


Die als solche kaum erkennbare Handlung lässt sich in etwa so umschreiben: Die völlig durchgeknallten Brüder Ribbeck (Thomas Kercmar in einer Mehrfachrolle) haben sich ein besonders niederträchtiges Gladiatorenspiel ausgedacht. Sie schicken diverse, bis an die Zähne bewaffnete Großkriminelle (Schläger, Mörder, Vergewaltiger) in ein einsames Waldstück, wo sich diese völlig wahllos gegenseitig massakrieren. Das Ziel der Brüder ist es, aus dem letzten, vermeintlich stärksten und cleversten Überlebenden eine Art Übermenschen zu kreieren …

Dieser stark an den Kult-Kracher „Mean Guns - Knast ohne Gnade“ mit Christophe Lambert und Ice-T erinnernde Inhalt lässt sich für den Betrachter indes nur schwer ausmachen, da sich Regisseur Beckert, der auch das Buch, den Schnitt und eine Hauptrolle verantwortet, an keinerlei dramaturgische Regeln hält. Stattdessen lässt er seine Protagonisten (und davon gibt es reichlich) mit Pistolen und Gewehren aller Art ohne Pause aufeinander schießen. Sind die Magazine leer, kommt es zu kurzen, völlig sinnentleerten Dialogen. Kurz darauf geht es dann an einem anderen Ort im Wald mit der Ballerei und anderen Rambo-Charakteren weiter. Was „Tal der Skorpione“ zudem fehlt, ist eine Identifikationsfigur. Ein junger Polizist namens Leon (Bartholomäus Kowalski) könnte dafür herhalten, doch die Figur ist weder sympathisch noch besitzt sie sonderlich viel Mut. Außerdem verschwindet sie streckenweise komplett aus der Handlung.

Ralf Richter ist dabei.


Bartholomäus Kowalski verfügt zudem nur über ein eingeschränktes Mienenspiel, seine Dialoge klingen steif und hölzern wie vom Blatt abgelesen. Damit befindet er sich allerdings in bester Gesellschaft mit dem Gros der Darsteller, die überwiegend aus TV-Formaten wie „Germanys Next Topmodel“ (Micaela Schäfer), „Das Sommerhaus der Stars (Bert Wollersheim) oder „Alarm für Cobra 11“ (Dirc Simpson) und/oder aus Laientheatern rekrutiert wurden. Sie tun sich mit dümmlichen Onelinern wie „Hätten wir unsere Handys, könnten wir leuchten“ oder „Das ist ein Schuss“ (als Erklärung für einen Schuss aus dem Off) hervor. Dem gegenüber stehen Schauspieler, die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben. Diese fallen nun vor allem durch ihr manieriertes wie exaltiertes Gebärden vor der Kamera auf. Dazu zählen „Paradeprolet“ Ralf Richter sowie die ja schon selbst öfter mal mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Martin Semmelrogge und Claude-Oliver Rudolph, die einst zum legendären Ensemble von „Das Boot“ gehörten.

„Tal der Skorpione“ besitzt eine Fülle von Effekten, doch viele Schüsse machen noch keine wilde Schießerei, und die Explosionen haben maximal die Durchschlagskraft eines Silvester-Krachers. Dazu gesellen sich technische Mängel, wenn etwa in der gleichen Szene zwischen einem viel zu wenig ausgeleuchteten Bild zu einem fast schon überbelichteten umgeschnitten wird. Zudem scheint es keine oder eine nur mangelhafte Nachbearbeitung der Tonspur gegeben zu haben. Denn einige Dialogsequenzen sind rein akustisch nicht zu verstehen. Es gibt Filme, die sind so exorbitant schlecht, dass sie schon wieder das Zeug zum Trash haben. Doch hier trifft beides nicht zu: „Tal der Skorpione“ hat zum einen als Actionfilm keinerlei Unterhaltungswert, auch weil er maximal unfreiwillig komisch ist, zum anderen geht ihm das Potenzial zum Kultobjekt völlig ab.

Fazit: Technisch mangelhafter, völlig humorloser und mit ungelernten Darstellern sowie Ex-Stars besetzter Actionfilm aus Deutschland, in dem ein paar Größenwahnsinnige ein blutig-modernes Gladiatorenspiel initiieren, bei dem keine Gefangenen gemacht werden. Leider nicht mal schlecht genug, um zum kultigen Trash zu werden.

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