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Plötzlich Papa
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Plötzlich Papa
Von Christoph Petersen
Nach „Tiger & Dragon“ (Taiwan), „Das Leben ist schön“ (Italien) und „Hero“ (China) ist die mexikanische Familienkomödie „Plötzlich Vater“ der vierterfolgreichste fremdsprachige Nicht-Hollywoodfilm aller Zeiten an den US-Kinokassen (mit einem unglaublichen Einspielergebnis von 44 Millionen Dollar)! Hierzulande ist „Plötzlich Vater“ hingegen – wenig überraschend – nur fürs Heimkino erschienen, schließlich hält sich das Interesse des Publikums an mexikanischen Produktionen in Deutschland arg in Grenzen. Stattdessen kommt bei uns nun das französische Remake „Plötzlich Papa“ auf die große Leinwand – und das dürfte nicht nur wegen seiner Herkunft deutlich bessere Chancen haben, sondern auch weil Hauptdarsteller Omar Sy nach „Ziemlich beste Freunde“ längst zum internationalen Kinostar aufgestiegen ist (etwa mit Rollen in „Jurassic World“ oder „Inferno“). Und Sy ist es dann auch, der die kurzweilig-berührende Vater-Tochter-Dramödie von Regisseur Hugo Gélin („Comme Des Frères“) mit seiner unglaublich mitreißenden Energie über so manche dramaturgische Unwucht hinweghievt.

Als Motorbootfahrer in einem südfranzösischen Clubhotel wacht der Charmeur und Partykönig Samuel (Omar Sy) morgens auch gerne mal mit zwei Frauen neben sich auf. Allerdings ist es mit dem unbeschwerten Singledasein von einem Moment auf den anderen zu Ende, als sein letztjähriger Urlaubsflirt Kristin (Clémence Poésy) ihm völlig unverhofft (s)ein Baby in den Arm drückt und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Samuel fliegt ihr zwar noch nach London hinterher, aber dort hat Kristin bereits alle Brücken zu ihrem früheren Leben abgebrochen. Mit Hilfe des Filmproduzenten Bernie (Antoine Bertrand) beginnt Samuel in der britischen Metropole eine erfolgreiche Karriere als Stuntman und entwickelt sich in den folgenden acht Jahren zu einem ganz großartigen Vater. Aber dann meldet sich plötzlich Kristin bei Samuel – und möchte nun doch gerne ihre Tochter Gloria (großartig in ihrer ersten Filmrolle: Gloria Colston) kennenlernen…


Omar Sy gibt einen überzeugenden Frauenhelden – aber so richtig Spaß macht „Plötzlich Papa“ vor allem dann, wenn er als Supervater für seine achtjährige Tochter auftrumpft: Samuels Londoner Loft mutet mit einem Bällebad, einer Rutsche und einem gigantischen Stoffelefanten an wie ein Miniatur-Disneyland – es gibt sogar zwei Eingangstüren, eine große und eine kleine, sodass Vater und Tochter nach ihrem im Stile einer Musicalnummer inszenierten Aufstehritual synchron in den Tag durchstarten können. Sowieso erinnert der Film in dieser beschwingten Passage stark an das Kultmusical „Annie“ – sehr bunt, sehr fröhlich, sehr ausgelassen. Samuel und Gloria sind ein perfekt eingespieltes, prächtig harmonierendes Team: Als eine Art Running Gag stellt sich Samuel nach seinen Stunts immer wieder tot, bis seine Tochter ihm ins Ohr flüstert, dass er doch unsterblich sei.

In der zweiten Hälfte wird es dann zunehmend dramatischer – nachdem Samuel seiner Tochter immer gesagt hat, dass ihre Mutter eine Geheimagentin sei und deshalb nicht bei ihnen sein könne, meldet sich Kristin schließlich aus dem Nichts im Online-Chat. Das erste Treffen ist dann auch noch ganz sympathisch – aber von da an wirkt ihr Vorgehen arg konstruiert, auch weil sich Nebenfiguren wie Richter oder Polizisten nun immer weniger glaubhaft verhalten. Die dramatischen Einschläge kommen näher und näher – aber statt dass sie einem an die Nieren gehen, sieht man eher die Drehbuchautoren vor sich, wie sie sich den Plot krampfhaft für die nächste Wendung hinbiegen. Auch auf der Schlussgeraden gibt es noch einen dramatischen Twist, der das Publikum sicher spalten wird: Ist ein solcher erzählerischer Taschenspielertrick diesem Thema wirklich angemessen? Und hätte nicht der ganze Film emotional noch besser funktioniert, wenn die Autoren das Publikum zuvor nicht bewusst auf eine falsche Fährte gelockt hätten?

Fazit: Eher grobschlächtig geschriebene, aber vor allem dank der beiden tollen Hauptdarsteller immer sympathische Vater-Tochter-Komödie für Fans von „Kokowääh“ & Co.
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