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    X-Men: Dark Phoenix
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    X-Men: Dark Phoenix

    Maues Mutantenfinale

    Von Björn Becher
    Als Drehbuchautor stieß Simon Kinberg bereits bei „X-Men: Der letzte Widerstand“ zum Comic-Franchise. Mit „X-Men: Erste Entscheidung“ wurde er zum Produzenten und avancierte anschließend zum verantwortlichen Mastermind der Reihe, dem zwischendurch die Aufgabe übertragen wurde, auch die Fantastic Four für ein mögliches Crossover in Stellung zu bringen. Nachdem er bei dem daraus resultierenden, katastrophal gefloppten Film nach heftigen Konflikten mit Regisseur Josh Trank schon einige Szenen selbst inszeniert haben und unter anderem auch einige Tage bei „X-Men: Apocalypse“ aufgrund diverser Abwesenheiten von Bryan Singer Regie geführt haben soll, gibt Kinberg nun – angeblich auf Drängen der Hauptdarsteller um Jennifer Lawrence – mit dem Action-Drama „X-Men: Dark Phoenix“ sein offizielles Regiedebüt. Während er diese gewaltige Aufgabe – wohl auch dank der Unterstützung eines routinierten Effekt-Teams – noch relativ souverän meistert, hapert es ausgerechnet bei seinem Kernbereich gewaltig: dem Drehbuch.

    Anfang der 90er Jahre werden die X-Men von der Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern geschätzt. Charles Xavier (James McAvoy) genießt es sichtlich, dass er eine direkte Telefonverbindung zum US-Präsidenten hat, der im Notfall seine jungen Schüler anfordert. Als das Raumschiff Endeavour in Gefahr ist, schickt Charles ohne Zögern sein Team ins All, auch wenn er gar nicht weiß, ob der X-Men-Jet dafür überhaupt geeignet ist. Zunächst scheint auch alles gutzugehen, doch dann kommt es zur Katastrophe: Jean Grey (Sophie Turner) absorbiert in letzter Sekunde eine gewaltige mysteriöse Energiequelle, um ihre Kollegen und die Crew zu retten. Auf wundersame Weise überlebt sie, auch wenn sie sich zunehmend verändert: In Jean wachsen gewaltige Kräfte heran. Zudem findet sie heraus, dass Charles sie als kleines Mädchen belogen hat. Verwirrt und wütend wendet sie sich von den X-Men ab, die den Versuch, sie zu stoppen, teuer bezahlen müssen ...

    Jean Grey ist verwirrt und allein.


    Dass Jean Grey zur mächtigsten aller Mutanten wird, ist eine berühmte Comic-Geschichte, die Simon Kinberg schon für „X-Men: Der letzte Widerstand“ mit Famke Janssen als Nebenplot verwurstete. Damals reagierten viele Fans enttäuscht – und das wird diesmal kaum anders sein, selbst wenn die Wandlung zu Dark Phoenix diesmal im Mittelpunkt des Films steht. Denn auch wenn einige visuell starke Momente dabei herausspringen, wenn Jean Grey ihre unglaubliche Kraft zur Schau stellt, gelingt es Kinberg viel zu selten, die emotionale Wucht der Veränderung der jungen Teenagerin zu zeigen. Da darf Sophie Turner zwar mal im Regen heulen oder ihren Geliebten Scott (Tye Sheridan) wehmütig einen letzten Blick zuwerfen, aber Kinberg gibt solchen Momenten zu wenig Raum. Zudem ruiniert er sie oft mit zu dick aufgetragenen, mitunter sogar regelrecht peinlichen Dialogen, in denen dem Zuschauer dann auch noch wiederholt eingebläut wird, wie gefährlich es nun wirklich wird, wie zerrissen eine Figur ist oder was die Fieslinge planen.

    Daneben tut sich Kinberg keinen Gefallen damit, die eigentliche Story zu breit aufzustellen. Dass verschiedene Gruppierungen unterschiedlicher Auffassung sind, ob man Jean noch retten kann oder töten muss, ist ein interessanter Konflikt. Wie Mutanten gegen Mutanten kämpfen, hat man ja aber in den vorherigen Filmen schon gesehen, also wird bereits in den ersten Filmminuten noch eine Alien-Rasse eingeführt, die die Erde als mögliche neue Heimat ausgemacht hat und Jeans Macht für ihre Invasion nutzen will. Diese, in den Comic-Vorlagen verwurzelte, hier aber komplett anders eingesetzte zusätzliche Bedrohung sorgt immerhin für die größte und beste Actionsequenz des Films, trägt aber sonst wenig bei. Vielmehr stören die Einschübe mit diesen Fieslingen das viel interessantere Drama zwischen den einzelnen Mutanten-Fraktionen. Da kann auch Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) als neuester prominenter Name im hochkarätigen Cast nichts ausrichten. Dafür ist ihre Antagonistin viel zu belanglos.

    Jessica Chastain ist neu dabei.


    „X-Men: Dark Phoenix“ zeigt zudem, dass „Game Of Thrones“-Star Sophie Turner noch keinen Kinoblockbuster tragen kann. So stark sie eine kühle, unnahbare Figur wie Sansa Stark spielen kann, so wenig eröffnet ihre Darbietung den Raum für Sympathie und damit für Mitgefühl. Da verwundert es nicht, dass in einer Schlüsselszene des Films durch einen Drehbuchkniff plötzlich eine andere Schauspielerin zum Einsatz kommt. Auf seine eindrucksvolle Darstellerriege kann sich Kinberg sonst aber verlassen – und weiß sie auch in Szene zu setzen. In einer der wenigen gelungenen emotionalen Szenen des Films (die ist dafür aber auch wirklich herausragend) nutzt er die komplette (!) Kinoleinwand, um nur Michael Fassbenders Gesicht in Großaufnahme zu zeigen und dort die ganze Trauer und Wut seiner Figur zu illustrieren. James McAvoy und Nicholas Hoult bekommen in einer der schon obligatorischen Küchenszenen der Reihe auch einen ruhigeren Moment, der ihnen Raum gibt, ihren Figuren zum letzten Mal in der mit „Dark Phoenix“ zu Ende gehenden Abenteuer dieser „X-Men“-Generation etwas Tiefe zu geben.

    Genau daran fehlt es sonst aber meist, weswegen die stärkste Actionszene des Films zwar viel Bombast bietet, aber nicht wirklich mitreißend ist. Wenn es hier wirklich um das Leben einzelner Mutanten geht, fiebert man selbst mit dem seit einigen Filmen etablierten Nachwuchs wie Storm (Alexandra Shipp) oder Quicksilver (Evan Peters) nicht mit – von den neuen Figuren wollen wir erst gar nicht reden. In der übrigens nicht von Kinberg, sondern von Action-Routinier Brian Smrz (seit „X-Men 2“ als Second Unit Director dabei) inszenierten Sequenz wird zudem so schnell von einer Auseinandersetzung zur nächsten gewechselt, dass man kaum mitbekommt, ob da nun jemand tatsächlich gestorben ist oder sich doch noch retten konnte – wobei es emotional ab einem gewissen Punkt eigentlich auch egal ist. Und dass Mutant Nightcrawler eine absolut charakterverändernde Entscheidung trifft, die allein einen ganzen Subplot rechtfertigen würde, muss Kodi Smit-McPhee mit nur zwei, drei Gesichtsausdrücken schnell verdeutlichen. Dann geht es auch schon weiter zur nächsten Prügelei und es wird nie wieder zum Thema. Nicht nur hier ist die Action den Machern offensichtlich wichtiger als ihre Figuren.

    Fazit: In „X-Men: Dark Phoenix“ verschenkt Simon Kinberg seine hochkarätige Besetzung für ein inhaltlich flaues und deshalb auch in den Action-Sequenzen nur selten mitreißendes Comic-Drama. Die „X-Men“-Generation um Michael Fassbender, James McAvoy und Jennifer Lawrence hätte ein besseres letztes Abenteuer verdient gehabt.

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    Kommentare

    • FilmFan
      Mit der X-Men Reihe und seinen Logan Ablegern bin ich nie warm geworden. Dark Phönix setzt dem ganzen Unsinn um Mutanten aber den Stempel auf. Flache Dialoge und Charaktere die einem Scheißegal sind was mit ihnen passiert. Große Leistung des Regisseur und Drehbuchautors. Und er hat völlig Recht. Dieser Flop liegt alleine in seiner Verantwortung. Das die schwache Action und Effekte hier zudem nichts retten ist noch das kleinere Übel.Stimme selten ner FS-Kritik zu. Aber in dem Fall ist das auch nicht schwer.
    • YouTwoKaY
      du hast recht.... Godzilla verdient keinen Stern, dieser Schrott hier dafür gerade so einen.
    • YouTwoKaY
      dieser Schrott hat nichtmal einen Stern verdient. Die Dialoge könnten genauso gut aus dem nächsten Sharknado Drehbuch stammen... und was die Effekte angeht... die waren schon zu X-Men 2 mindestens ebenbürtig
    • Bobby
      Eigentlich bin ich in den Film nur aus Solidarität zur gesamten Filmreihe rein, weil ich die X-Men liebe. Die Kritiken waren ja stellenweise vernichtend. Ich muss mich hier einigen Vorrednern anschließen, der Film hat mindestens 3, wenn nicht sogar 3,5 Sterne verdient! Ich fand den Film kurzweilig, unterhaltsam und die Actionszenen besser umgesetzt als noch in Apocalypse. Ehrlich gesagt fand ich diesen hier auch besser als seinen Vorgänger, der mir zu Effektlastig war. Allen voran konnte aber der Cast überzeugen - auch Sophie Turner. Nightcrawler war aber mein Highlight! Pluspunkt: Die Musik von Hans Zimmer fand ich guuuut!
    • Howard Philips
      Ja, es ist in der Regel ein Rätselraten. Die Budgets lassen sich noch ermitteln, aber schon bei den Marketingausgaben und den kalkulierten Einnahmen wird es schwierig. Die einfache Nummer ist eben: Budget x 2 = Kosten + Marketing. Diese Summe x 2 = Schwarze Zahlen erreicht. Ist aber in den letzten Jahren nicht mehr ganz so, weil ein 200 Mio. Dollar Film nicht mehr unbedingt 200 Mio. Dollar Marketing-Budget hat, sondern eventuell nur 100 Mio. Dollar. Dann braucht der Streifen trotzdem noch irre 600 Mio. Dollar für das erreichen der Gewinnzone. Die DVD/Blu-ray-Verkäufe sind in vielen Staaten praktisch zu vernachlässigen, beim Streaming sind Paket-Verkäufe üblich und die Einnahmen schwer kalkulierbar. Merch-Lizenzen sind eine andere Einnahmequelle etc.
    • Smack0r ..
      Es scheint, als kam die Kritik in der Form nur zustande, weil bereits in den USA schlecht geurteilt wurde. Wäre schön, wenn sich Rezensenten mal ein eigenes Bild machen könnten, statt einfach nur die englischen Reviews zu lesen und sie zu übersetzen. Man sieht ja an den Kommentaren, dass die Wertung sich nicht mit der Meinung der hiesigen Kinogänger deckt.
    • GamePrince
      Kom grad aus dem Film und kann der Kritik nicht zustimmen.Mir (und auch meiner Begleitung) hat er gut gefallen und ich würde ihn mir sogar nochmal ansehen.Klar, kein Kracher und die großen Highlights fehlen. Aber es gibt einige richtig gute Momente, Optik ist gut, Soundtrack ist gut, Cast ist gut ... Fans werden ihren Spaß haben.Nur Jessica Chastain (meine Lieblingsschauspielerin) wirkt fehlbesetzt. Sie passt einfach nicht in diese Rolle und die Haarfarbe steht ihr null.Für FS-Verhältnisse sollten es 3 bis 3 1/2 Sterne sein.Also auf jeden Fall eine Empfehlung.
    • Harald Mistermeyer
      Ich kann nur zustimmen - ich hätte hier 3,5 Sterne und Godzilla keinen Stern gegeben. Godzilla ist der schlechteste (möchte gern) Blockbuster des Jahres. Das sind die Streifen aus den 60ern um Längen besser!
    • Larry Lapinsky
      Bin aufgrund der Kritik mit einer Nullerwartung reingegangen und fand ihn dann im Endeffekt doch gar nicht soo übel. Irgendwie mag ich Sophie Turner u. v. a. den Rest der Charaktertruppe dann doch lieber als Brie Larson in ihrer Superrolle mit ihrem überheblichen Grinsen - da kann ich mir einfach nicht helfen! Der Film war zwar streckenweise etwas zäh und hat das Rad auch wahrlich nicht neu erfunden, aber verglichen mit diesem gehyten John Wick-Geballere gab es zumindest eine Handlung mit einem gewissen Spannungsaufbau, sodass ich 3, wenn nicht vielleicht sogar auch 3,5 Sterne (weil Pfingsten ist) geben könnte ...
    • Uwe G.
      Toller Film, habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Lach mich tot über die Bewertungen hier. Godzilla 3 Sterne und der Film 2 Sterne. Man habe ich mich bei Godzilla gelangweilt.
    • sdli93
      Sophie Turner. Ne, danke.
    • Jimmy v
      Finde die Wertung auch schade, da mir die vorherigen Filme doch irgendwie gefallen haben.
    • WhiteNightFalcon
      Gut auf den Punkt gebracht.
    • YiiPii
      Großer Vorteil von diesem Film ist, dass er kurzweilig ist. Aber so rasant er auch in den Film einsteigt, wird auch zwischen den Szenen gehetzt und dadurch fehlt aus meiner Sicht der benötigte Raum für zufriedenstellende Enden der jeweiligen Charakter.Was mich am meisten gestört hat waren die Effekte /CGI die ich teils recht billig fand und ich nicht wissen will, wie das daheim auf Blu-ray / 4K wirken soll? Grade die UBahn und Helikopter wirken nicht zeitgemäß. Ich gebe 3/5.
    • Tobias D.
      Bei mir hatte sich eigentlich schon die ganze Zeit kein Hype um den Film aufgebaut. Der Teaser Trailer wirkte noch für ca. 1 Tag ganz gut, aber es hat sich nicht gehalten. Ich werde ihn allerdings trotzdem im Kino gucken, einfach um wieder ein wenig Erwartungen zu dämpfen. Bisher habe ich dieses Jahr viele gute Filme gesehen (und kaum schlechte), da aber nicht jeder Film den vorherigen toppen kann, tut so ein Film schon gut... dann machen die Filme, auf die ich mich freue umso mehr Spaß.
    • Tobias D.
      Ich werde ihn mir auch anschauen. Aber da ich bisher keine Erwartungen hatte, wird es mich nicht so schwer treffen.
    • Tobias D.
      First Class ist auch mein Lieblingsfilm.Bezüglich der Regie von Simon Kinberg: Das war glaube ich seine erste Regie überhaupt. Aber er hat auch danach (oder doch davor?) die letzte Episode von der Neuauflage von The Twilight Zone gemacht (welche auf Platz 2 meiner Lieblingsepisoden der Serie ist).Es war vielleicht nicht die beste Entscheidung, aber sie war begründet. Er kann durchaus Regie führen und kennt sich mit der Reihe so gut aus, wie kein Zweiter (und er hat noch keine sexuelle Vorwürfe oder so).Aber ja, vielleicht war diese Verantwortung, eine fast 20 Jahre alte Reihe quasi abzuschließen, doch nicht geeignet für einen Anfänger (ähnlich wie Kurtzman's Regie-Debüt von Die Mumie keine gute Idee war, um ein ganzes Dark Universe zu starten).
    • Shiro
      Loooooool.... der runde Mondkopf... den Satz muss ich mir merken :)
    • BKone
      Habe erst neulich wieder die drei alten X-Men Filme geschaut und Jean Grey ist wirklich ein interessanter Charakter. Schade, dass Dark Phoenix nicht so gut weg kommt. Ich hatte mir mehr erhofft.
    • SonnyC
      Brightburns Trailer hat mich auch 0 gecatcht. Tippe auf schlechte Umsetzung einer guten Idee, hoffe aber das Beste.
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