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    A Quiet Place
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    A Quiet Place
    Von Andreas Staben
    Wer sich die dritte Spielfilmregiearbeit des Schauspielers John Krasinski („The Office“) im Kino anschaut, der isst sein Popcorn oder seine Nachos auf eigene Gefahr. Denn die Prämisse von „A Quiet Place“ ist so stark und so effektiv in Szene gesetzt, dass man als Zuschauer unwillkürlich bald die Regeln des Films befolgt. „Mach kein Geräusch, sonst kommen die Monster und töten dich!“ oder wie es auf dem US-Plakat heißt: „Wenn sie dich hören, jagen sie dich“. Das übliche Rascheln und Knuspern im Kinosaal ist in der Berliner Pressevorführung des Horrorthrillers und Familiendramas jedenfalls schnell einer angespannten Stille gewichen. Doch „A Quiet Place“ hat nicht nur ein cleveres Konzept, das sehr wirkungsvoll umgesetzt wird. Neben atemloser Spannung und echtem Schrecken bietet er auch noch eine emotionale Erzählung über familiären Zusammenhalt in katastrophalen Zeiten.

    Eine Einblendung: Tag 89. In einer ansonsten menschenleeren Kleinstadt im Bundesstaat New York besorgen sich die Abbotts Vorräte. Vater Lee (John Krasinski), Mutter Evelyn (Emily Blunt) und die drei Kinder Regan (Millicent Simmonds), Marcus (Noah Jupe) und Beau (Cade Woodward) schleichen auf Zehenspitzen zwischen den Ladenregalen umher und verständigen sich ausschließlich per Zeichensprache. Das tun sie nicht nur, weil Regan taub ist, sondern weil jedes laute Geräusch den Tod bringen kann: Pfeilschnelle blinde Monster mit extrem sensiblen Ohren und scharfen Zähnen haben die Welt heimgesucht und die Abbotts sind weit und breit die einzigen Überlebenden. Sie haben sich in ihrem Farmhaus inmitten von Feldern eingebunkert, wo sie ein lautloses Leben in ständiger Anspannung führen. Als Evelyn schwanger wird, steht die Familie vor einer fast unlösbaren Herausforderung…


    In einem etwa zehnminütigen Prolog etabliert Regisseur John Krasinski die Ausgangssituation, indem er uns mitten hineinschmeißt in die Welt nach der Katastrophe. Statt uns mit Einblendungen oder einem Off-Kommentar über die drei Monate zurückliegenden ersten Monsterattacken zu informieren, zeigt er uns, wie die Familie in einem verlassenen Geschäft ohne Worte und Geräusche interagiert, ehe sie sich ebenso still auf den Heimweg macht durch eine idyllische, aber gespenstisch leere Gegend. Das Gefühl von Gefahr ist dabei sehr schnell sehr ausgeprägt, was auch daran liegt, dass wir die Monster in der ersten Filmhälfte nicht wirklich zu Gesicht bekommen. Wie einst bei Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ ist ihre Präsenz eher zu ahnen - bis sie blitzartig angreifen. Aber vor allem wird die Spannung durch die Darsteller vermittelt: Wie sorgfältig, feinfühlig und vielschichtig hier von der Dynamik innerhalb einer Familie erzählt wird, insbesondere zwischen Eltern und Kindern, ist ein kleines Meisterstück.

    Trotz des ständigen Ausnahmezustands gibt es auch bei den Abbotts ganz normale Konflikte, sie können sie nur nicht auf ganz normale Weise austragen. Wenn die gehörlose Regan (intensiv gespielt von der tatsächlich tauben Jungdarstellerin Millicent Simmonds aus Todd Haynes‘ „Wonderstruck“) rebelliert, dann beschwört sie damit eine lebensgefährliche Situation herauf. Es ist herzzerreißend, wie sie in einer Welt, in der jedes Geräusch tödliche Folgen haben kann, ausgerechnet darum kämpft, hören zu können. Ebenso berührend sind die unendliche Liebe und die bewundernswerte Geduld der Eltern, die der Last der Verantwortung und dem fast unmenschlichen Druck trotzen und sich sogar dafür entscheiden, ein weiteres Kind in eine scheinbar hoffnungslose Welt zu setzen. John Krasinski und Emily Blunt („Sicario“, „Edge Of Tomorrow“), die auch im realen Leben verheiratet sind und Kinder haben, stehen die widerstreitenden Gefühle, aber vor allem die tiefe Zuneigung für die Familie förmlich ins Gesicht geschrieben. Ihre expressiven und tief empfundenen Darstellungen sind das Herzstück des Films: Wir lassen uns nicht unterkriegen.

    Krasinski, der zuvor neben einigen Folgen von „The Office“ nur die Tragikomödien „Brief Interviews With Hideous Men“ und „Die Hollars“ inszeniert hatte, liegt auch hier die Familiengeschichte besonders am Herzen, das hält ihn aber nicht davon ab, die Spannungssequenzen, die sich aus ganz einfachen Alltagssituationen (Stichworte: Monopoly und Nagel) ergeben, wie ein alter Horrorhase zu orchestrieren. Das manchmal etwas aufdringliche, aber unheimliche Sounddesign, der gut dosierte Schnitt, die Musik von Marco Beltrami („Todeszug nach Yuma“, „World War Z“), die sich mit ihrem bedrohlichen Grummeln immer wieder wie ein eigener Toneffekt in die Geräuschkulisse einfügt und sich zugleich wie ein unablässiges Warnsignal ins Zuschauerohr bohrt - all das ergibt auch in der deutlich konventionelleren, weil mehr auf äußere Spannung bedachten zweiten Filmhälfte sehr wirkungsvolles Gruselkino.

    Wenn im letzten Drittel in atemlosem Tempo ein dramatischer Höhepunkt auf den anderen folgt, wirken einige der Wendungen ein wenig überstürzt, wenn nicht gezwungen. Die Genre-Paukenschläge gehen ein wenig auf Kosten der Atmosphäre, und auch die gut animierten Monster sind in ihrer ganzen Pracht vielleicht nicht mehr ganz so unheimlich wie zuvor, als ihre Gestalt noch weitgehend der Vorstellung des Betrachters überlassen war, aber das an diverse klassische Kreaturen aus der Genregeschichte erinnernde Design ist schlüssig und effektiv. Besondere Bedeutung hat bei den blinden Monstern übrigens sinnvollerweise das sehr originell gestaltete Ohr. Und damit schließt sich dann wieder der Kreis zum übergreifenden Thema der Stille und des (Nicht-)Hörens. So ist „A Quiet Place“ auf seine ganz eigene Art auch ein Plädoyer dafür, seine Worte (und Geräusche) mit Bedacht zu wählen und zugleich genau hinzuhören. Eine funktionierende Kommunikation ist überlebensnotwendig.

    Fazit: Das Horrordrama „A Quiet Place“ fasziniert mit einer ebenso einfachen wie genialen Prämisse, die vor allem in der ersten Filmhälfte nicht nur sehr effektiv, sondern auch intelligent und berührend umgesetzt wird.
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    Kommentare

    • Ralf Maeder
      Ich habe den Film auf englisch und mit Untertiteln gesehen. Leider oder absichtlich waren die allermeisten Dialoge in Zeichensprache ohne Untertitel, was ein ziemlich nutzloses Raetselraten bezueglich ihres Inhaltes zur Folge hatte und ausserdem auch ziemlich albern war und kuenstlich wirkte. Ausserdem fand ich grosse Teile des Filmes langweilig. Das Ende war fuer einen abgeschlossenen Film enttaeuschend. 2 bis 2.5 Sterne von 5.
    • Cathrin Weinrich
      Ich antworte mal auf deinen Beitrag, stellvertretend für die anderen hier unten stehenden, die sich, ähnlich wie du, in haltloser Kritik verlieren. Die Logiklöcher sind zumeist nämlich keine...1. Zu Beginn einer Handlung ist man vorsichtig, um in den Flow zu kommen. Ist man sensibilisiert, ist man auch sicherer und stellt die Dose lockerer wieder hin. Ist aber im Grunde zu banal, um das überhaupt als Beispielszene zu nutzen.2. Ja, dann schmeißt sie die Öllampe um. Siehe Punkt 1, - wer unbedacht handelt, was zu jeder Zeit passieren kann, kann so etwas aus Versehen machen. Wo ist der Fehler?3. Das Feuerzeug wurde in der Weste angezündet, weil oben auf dem Turm Wind ist ;-)4. Es war nicht der Entbindungstag - sie war weit vor dem Stichtag dran...5. Es sind Christen, wie zu sehen war. Daher ist die Frage des Babys geklärt, die so viele gern kritisieren. Ja, kann man kritisieren, aber für die Leute ist der Nachwuchs das einzige, was sie noch am Leben hält und auch einen Lebenssinn für die Zukunft bietet.6. Axt in den Schuppen werfen - ganz bei dir. Er hätte sich noch nicht Opfern müssen. Sagen wir, in seiner Stresssituation inklusive schwerer Verletzung, ging ihm klares Denken ab. Aber ansonsten hast du da einen Punkt.
    • Sam L.
      ich muss sagen beim ersten sehen fand ich ihn auf Grund der vielen kleinen Logikfehler ziemlich dämlich. Und Spoiler!In einer Szene sieht wie sie mit chirurgischer Präzession, ganz vorsichtig ein Pillendöschen hochhebt, nachdem sie ihrem Sohn das Zeug gegeben hat, stellt sie die Dose ganz sorglos wieder ab.über 400 Tage haben sie überlebt, dann schmeißt das Kind die Öllampe um...Er zündet das Feuerzeug extra in seiner Weste an, um das Zündgeräusch zu dämmen, zündet damit aber ein riesen Feuer an, Feuer sind ja lautlos ne ;)Die Hochschwangere Frau, am Entbindungstag, wird zum einen alleine gelassen, zum anderen schleppt sie zwei volle Wäschesäcke die Treppe hoch, bleibt mit einem hängen und was macht sie wo sie doch 0 Geräusche machen darf...einfach dran ziehen :D Dadurch biegt sich ein Nagel auf in dem die dann natürlich wieder reinsteigt.Apropos Schanger, wie kann man in einer solchen Welt dann so clever sein als Erwachsene Personen ein Kind zu zeugen, man sollte wissen wie man das verhindern kann...meiner Meinung nicht rührend, sondern eigentlich nur dumm. Babys machen Lärm, viel Lärm über Jahre hinweg und was mit dem kleinen 4 jährigen Sohn passierte, der nicht versteht warum er leise sein soll, hat man ja gesehen.Am Schluss schreit er um sich für die Kinder zu opfern, warum wäre es nicht ein Versuch wert gewesen die schwere Axt einfach in den Schuppen nebenan zu schleudern, macht genug Lärm ist nur weniger dramatisch.Der Film hat schon viele viele kleine Schnitzer im Detail, wo mir persönlich schon die sonst geile Idee und Atmo geraubt haben, über so etwas kann ich bei so einer kreativen Idee nicht hinwegschauen.Somit leider nur Durchschnitt.
    • KravMagler
      Man kann es auch mit Gemotze keine Logik übertreiben. Zeige mir mal einen Film aus dem Bereich Horror, Sci-Fi, Action oder Thriller, der absolut logisch daher kommt.Der Film ist einfach großartig und für mich einer besten Streifen des Genres, zumindest in den letzten Jahren.
    • Seb R
      Auch wenn ich den aufkommenden Trend origineller Horrorfilme generell gutheiße, klaffen in dem Film doch einige Logiklücken, die leicht zu schließen gewesen wären. Von der Absurdität abgesehen, dass eine Spezies, die zu interstellaren Reisen fähig ist, wohl kaum auf einem Planeten landet um sich dann mühsam und archaisch als Landraubtier durchzuschlagen (oder sind's nur die Haustiere oder Biowaffen der eigentlichen Aliens?!) fehlt dem Film vor allem die Stringenz. Warum lockt ein 40-50db Geräusch im Keller eines geschlossenen Hauses ein Alien aus hunderten Metern hervor, aber 20db lautes atmen in 1-2 Metern Entfernung wird überhört? Warum ist lautes durchs Maisfeld rennen okay aber im Haus einen normalen Schritt tun nicht ? Achso, weils im Drehbuch steht, okay. Wem fiel noch auf, dass die Aliens im Laufe des Films immer langsamer und zögerlicher wurden? Waren sie am Anfang noch ein Schatten schneller wie der Blitz, schlichen sie zum Schluss nur noch in Jurassic Park Manier durch die Gegend. Dem Gegenüber stehen tolle Schauspieler und eine super Grundidee. Der Film ist dennoch alles in allem recht empfehlenswert. Wer von den immer gleichen Horrorfilmen ermüdet ist, kann schon seine Freude daran haben, auch wenn hier der ein oder andere überflüssige Jumpscare auftaucht. 6/10
    • Man Drake
      Die hinkt leider wirklich. Man sieht in Zeitungen, dass die Menschen heraus fanden, dass es um Geräusche geht und ihre Panzerung unzerstörbar ist...es kommt also bei zig Milliarden Menschen dann keiner auf die Idee, mit Geräuschen zu arbeiten? Ich höre manchmal Musik, die die Viecher umhauen würde. :-D also 2/3 waren extrem spannend und gut gemacht, aber der Schlussakt ist so eine Sache, denn der Film folgt einem Muster. Monster kommt, Panik, Situation klärt sich, Ruhe, Monster kommt...usw. Irgendwann wirds repepetiv und ja, man fragt sich leider, warum keiner die Schwachstelle fandt. Dennoch sehenswert, ich hätte nur eher 3,5 Sterne gegeben. Die Schauspieler leisten großes, das Setting wirkt, aber ja...meine Kritik steht da ja schon. Wer den Film aber lahm nennt sollte aufhören Filme zu kritisieren.
    • zooey_d
      Wer bei solchen Filmen Logik erwartet, dem ist nicht mehr zu helfen. Es gibt bei Filmen übrigens auch noch andere Kriterien als die allseits beliebte lOgIK
    • betacotzt
      Lahmer Horrorfilm ohne Logik. Beginnt unendlich langsam und endet unglaublich = ohne dass ich das Ende glauben kann. Zu viele zu gute Bewertungen von Ruheliebhabern, die keinen Wert auf Logik setzen. Habe aber zur Sicherheit alle Nägel auf den Stufen bei mir zu Hause nochmal flach gehämmert.
    • Luksman
      Klasse Film, der es natürlich auch der Ausgangslage wegen möglichst auf Dialoge zu verzichten, durch seine wundervoll Bilder erzählt. Gerade der Prolog war super inszeniert und man wusste ab der Titeleinblendung das die Monster eine wahre Bedrohung sind. Auch das Design der Monster hat mir sehr gut gefallen.Fand den Film leider etwas kurz und hätte mir gern mehr Szenen vom alltäglichen Leben der Familie gewünscht, weil es einfach spannend war zu sehen wie sie sich mit den Begebenheiten arrangieren. Aber Teil 2 ist ja im Anmarsch. Ob es das braucht, weiß ich nicht.Über die kleinen Logiklöcher kann man denke ich drüber wegsehen (Woher kommt die Elektrizität -> Generator? -> extrem laut etc.) Aber was dem ganzen noch etwas mehr Drama gegeben hätte wäre ein Konflikt der Eltern, ob man sich überhaupt nochmal dafür entscheiden sollte ein Kind in diese Welt zu bringen - denn es ist nunmal unberechenbar LAUT!Nichtsdestotrotz ein SEHR empfehlenswerter Horrorfilm. Selbst in einem Cineplex wo sonst nur laut gemampft und gelabert wird wurde die Prämisse des Films doch schnell adaptiert und das Publikum war leise. 8 Sterne würde ich unterschreiben.
    • ikke
      Grandioser Film. Auch wenn es absolut 0 Sinn macht ein Kind in eine Welt zu setzen, die von hellhörigen Aliens bevölkert wird:)
    • Mithril333
      Sehr gut gelungener, an sich klassischer Horror/Monsterfilm, und, ja genau, wie bis zum tot umfallen abgeritten ist dieses Genre eigentlich ! Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Das Akustik Setting ist Zucker und unterstützt die für dieses Genre gewünschte Anspannung in geradezu perfekter Weise. Wenn mich jemand in Zukunft nach einem Horrorfilm fragt, werde ich den hier mit Sicherheit als einen der ersten empfehlen.
    • Heatseeker
      Wer nur eine Sekunde nachdenkt hat bei dem Film verloren. Und nein ich kann unlogische Sachen in Filmen auch tolerieren solange der Rest stimmt oder es einfach nur Spaß macht. Leider trifft es hier nicht zu. Stimmung/Atmosphäre ist bei mir leider nie aufgekommen, da er Irgendwie wirkt, als ob man alles schonmal gesehen und schlecht zusammengewürfelt hat. Ein bisschen It comes at night +Les Affames (beides die klar besseren Filme)+ Stranger Things Monster = A Quiet Place. Das Ende war meiner Meinung nach sehr vorhersehbar, da ja nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sein kann in so einer Welt. Der Schluss Schluss also die letzten 10-20 sekunden haben den Film dann komplett den Todesstoß gegeben und die Augen taten mir vom ganzen rollen schon weh.Ein sehr enttäuschender Film.... Meiner Meinung nach.
    • Rieke
      Perfekte Kritik für mich, würde ich genauso unterschreiben. Sehr guter, spannende Film mit kleinen Schwächen, aber definitiv sehenswert!
    • Der Eine vom Dorf
      Bis auf die, für mich etwas zu zahlreichen Jump-Scares war der Film in der Tat ein sehr einfallsreicher und spannender Horrorfilm mit grandiosen Darstellern. Es bleiben zwar einige größere Fragezeichen, aber angesichts der tollen Atmosphäre kann man darüber hinweg sehen.
    • Sentenza93
      Kam Ende letzten Jahres auf meine 2018-Watchlist, jetzt freue ich mich erst recht drauf.
    • CineMan
      War schon aufgrund des Trailers auf meinem Schirm. Jetzt nach den guten (internationalen) Kritiken wird der Film erst Recht angeschaut.
    • TheFog
      Na guck an! Dachte Krasinski ist ein Möchtegern. Bin echt gespannt drauf.
    • Jimmy V.
      Super! Wird geguckt!
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