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    Countdown
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Countdown

    Die nächste App, die niemand braucht

    Von Oliver Kube
    Wir alle nähern uns ab dem Moment unserer Geburt unaufhaltsam dem Lebensende. Ist es da überhaupt eine gute Idee, wissen zu wollen, wann exakt der Hammer fällt? Wohl eher nicht! Trotzdem gibt es tatsächlich Online-Angebote und Smartphone-Apps, die vorgeben, anhand von wissenschaftlichen Statistiken sowie einiger persönlicher Daten das individuelle Todesdatum jedes Users vorhersagen zu können. Wer es nicht lassen kann, darf auf Google oder im App-Store danach suchen. Aber dann bitte hinterher nicht bei uns beschweren, falls ihr den festgelegten Termin doch überlebt, nachdem ihr zuvor all euer angespartes Geld in Erwartung des Todes auf den Kopf gehauen habt! Die meisten Figuren in dem klar auf ein Teenie-Publikum zugeschnittenen Horror-Thriller „Countdown“ beißen allerdings planmäßig ins Gras. Ein Glück für sie – denn so müssen sie im Gegensatz zum Autor dieser Kritik nicht bis zum Schluss des Regiedebüts von Justin Dec dabeibleiben.

    Als die engagierte Krankenschwester Quinn (Elizabeth Lail) den bei einem Unfall schwerverletzten Teenager Evan (Dillon Lane) trifft, berichtet dieser ihr von einer App, die den brutalen Tod seiner Freundin bis auf die Sekunde exakt vorausgesagt hat. Quinn will wissen, was es mit der Anwendung auf sich hat und lädt sie sich auf ihr Smartphone herunter. Natürlich stimmt sie dabei auch den ellenlangen Geschäftsbedingungen zu, ohne sie vorher durchzulesen – und schwupps zeigt die App an, dass Quinn nur noch drei Tage zu leben hat. Die junge Frau hält das Ganze für einen geschmacklosen Scherz und will die App deinstallieren. Aber das ist offenbar unmöglich. Plötzlich wird sie von dämonischen Visionen gequält und bekommt es so doch mit der Angst zu tun. Zufällig trifft Quinn den smarten Matt (Jordan Calloway), der ebenfalls nicht mehr viel Zeit auf der Uhr hat. Gemeinsam versuchen sie einen Weg zu finden, den gnadenlos heruntertickenden Countdown zu stoppen oder die App zumindest auszutricksen…

    Gar nicht smart: Wer die App eimal auf sein Handy geladen hat, wird sie nie wieder los!


    Wer wäre so bescheuert, den exakten Zeitpunkt seines Todes wissen zu wollen, um dann den Rest des Lebens davor zu schlottern? Na gut, die Protagonisten der ersten Szenen sind ein paar trinkfreudige, offenbar nicht allzu clevere Teens, die – dem Gruppenzwang folgend – nach der neuesten Diät-App auch noch die titelgebende Uhr zum Runterzählen ihrer Lebenserwartung aufs Smartphone laden. Die dusselige Courtney (Anne Winters) und ihr sich sturzbetrunken hinters Steuer klemmender Boyfriend haben es ehrlich gesagt nicht anders verdient, als gleich zu Beginn abzutreten. So weit, so halbwegs erträglich. Aber würden erwachsene, nicht auf den Kopf gefallene Leute wie Quinn oder Matt in der wahren Welt ebenfalls völlig arglos diesen Quatsch mitmachen? Falls ja, gibt es selbst ohne dämonische Killer-Apps wohl nur wenig Hoffnung, dass unsere Spezies noch allzu lange auf dieser Erde weilt.

    Viele Vorbilder – und alle sind besser


    Von der konstruierten Prämisse mal abgesehen, ist „Countdown“ ein recht einfallslos zusammengestöpselter Remix der „Final Destination“-Idee für die Smartphone-Generation – gewürzt mit zusätzlichen, ebenfalls nicht sonderlich subtil zusammengeklaubten Elementen aus Vorbildern wie „Ring“, „V/H/S“ oder „Videodrome“. Die erste halbe Stunde bietet reihenweise absehbare, eher unbeholfen inszenierte und deshalb kaum mal einschlagende Jump Scares. Wenn es dann endlich mit der sehr dünnen Story um die Figuren von „You“-Star Elizabeth Lail und „Riverdale“-Beau Jordan Calloway so richtig losgeht, ist der weitere Ablauf ohnehin klar vorgezeichnet. Dazu liefern die (PG-13-)Kills nichts, was man nicht so oder zumindest sehr ähnlich bereits in zahllosen früheren Vertretern des Teen-Horror-Genres gesehen hätte.

    Die sich zunehmend dämlicher anstellenden Figuren gehen eine nach der anderen drauf, ohne dass der Zuschauer groß Zeit oder Lust hätte, sich um sie zu sorgen, bevor sie den Löffel abgeben. Zudem bringt das von Regisseur Justin Dec selbstverfasste Skript auch noch ständig seine eigene Mythologien durcheinander: Abwechselnd wird die mit einem schäbigen Umhang und an rotflimmernde Leuchtdioden erinnernden Augen ausgestattete Figur, die die Smartphone-Junkies der Reihe nach über die Klinge springen lässt, als der Sensenmann, als rachsüchtiger Dämon und schließlich sogar als Teufel höchstpersönlich gezeigt und bezeichnet. Und dann ist uns noch nicht einmal das simple Vergnügen vergönnt mitanzusehen, wie ein besonders schmieriger Typ (Peter Facinelli aus der „Twilight“-Saga), der seine Machtposition gnadenlos ausnutzt, um seine weiblichen Untergebenen sexuell zu belästigen, auf der Leinwand seiner gerechten Strafe zugeführt wird.

    Stand-Up-Komiker Tom Segura ist einer der wenigen Lichtblicke in "Countdown".


    Für etwas angenehmes Prickeln in dem ansonsten reichlich schal und abgestanden servierten Genre-Cocktail sorgen lediglich zwei der Nebencharaktere: ein von Stand-Up-Komiker Tom Segura („Plötzlich Familie“) herrlich herablassend und arschig gespielter Handy-Ladenbesitzer sowie der allzu überenthusiastische Pater John (P.J. Byrne, „The Wolf Of Wall Street“). Die beiden Darsteller haben offensichtlich Spaß an ihren Figuren und übertragen diesen problemlos auch aufs Publikum. Der Umstand, dass ausgerechnet diese beiden Nebencharaktere, die eigentlich nur für ein paar Lacher mit eingebaut wurden, am Ende weit besser und vielschichtiger geschrieben sind als das blass bleibende Protagonisten-Pärchen, sollte Autor und Regisseur Justzin Dec vielleicht zu denken geben: Vielleicht wäre es eine gute Idee, sich bei der nächsten Arbeit direkt im Comedy-Genre statt im Horror-Segment zu versuchen.

    Fazit: Eine zusammengeklaute Story, diverse strunzdoofe und uninteressante Charaktere, ein paar maue Jump Scares und eine Reihe uninspirierter Kills, bei denen zudem offensichtlich immer auch auf die US-Jugendfreigabe geschielt wird  – diese Zutaten machen aus „Countdown“ einen generischen Teenie-Horror, der trotz der im ersten Moment originell anmutenden Prämisse leider absolut nichts Originelles zu bieten hat.

    P.S.: Im Abspann gibt es noch eine Szene, die eine mögliche Fortsetzung anteasert. Also möglichst sitzenbleiben, selbst wenn wir gut damit leben könnten, wenn dieser „Countdown“ zugleich auch der „Final Countdown“ bliebt.

     

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