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    Von Raimi über "The Amazing Spider-Man 2" zu "Avengers 3": Ein persönlicher Rückblick auf den besten Marvel-Helden
    Von Alexander Friedrich — 17.05.2018 um 17:00
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    Nach „Amazing Spider-Man 2” drückte Sony auf Reset. Andrew Garfield wurde durch Tom Holland ersetzt und Spidey ist Teil des Infinity War. Das ist Fluch und Segen zugleich, so unser Volontär Alexander Friedrich in einem ganz persönlichen Rückblick.

    Sony Pictures / Walt Disney

    Achtung, der folgende Text enthält Spoiler zu „Avengers 3: Infinity War“!

    Iron Man, Captain America, Thor, Hulk und unzählige andere Superhelden: Auch ohne Spider-Man konnten mich die Marvel-Filme immer super unterhalten. Dabei würde es sie ohne die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft vielleicht gar nicht erst geben. Spidey, der Held meiner Kindheit ist auch der Held von „Avengers 3: Infinity War” und zu verdanken ist das einem ganz besonderen Film.

    Am 6. Juni 2002 kam nämlich „Spider-Man” in die Kinos. Ein Film, der mich mit meinen damals zarten 10 Jahren schlichtweg umgehauen hat. Superhelden auf der großen Leinwand – damit hatte ich zuvor noch gar keine Erfahrungen gemacht. Natürlich gab es bereits die vier „Batman”-Kinofilme oder den ersten „X-Men”. Doch das durfte ich damals alles allerdings noch nicht sehen und so war „Spider-Man” mein erstes richtiges Superhelden-Erlebnis im Kino und es sollte ein unvergessliches werden.

    Eine Spinne macht den Comicfilm salonfähig

    Sam Raimis Sommer-Blockbuster brachte meine absolute Lieblingsfigur, die ich zuvor gespannt im Fernsehen in der Zeichentrickserie „New Spider-Man” verfolgte, genauso auf die Leinwand, wie ich mir es immer vorgestellt habe. Vom Design des Anzugs über die unvergessliche Musik Danny Elfmans bis hin zur unglaublichen Performance von Tobey Maguire als Peter Parker – wie liebevoll die Comics und die Serie hier umgesetzt wurden, suchte seinesgleichen und auch heute kann ich diesen fantastischen Film noch mit großen Augen genießen. Auch Raimis Idee, Spider-Man organische Web-Shooter zu verpassen (was später in einigen Comics sogar übernommen wurde), schien mir perfekt.

    Für mich steht jedenfalls fest: Ohne diesen Film wäre das Genre heute nicht annähernd das, was es ist, denn für den späteren Erfolg von Comicverfilmungen und dafür, dass eben auch so ein ursprünglich völlig unbekannter Held wie Iron Man Fuß fassen und damit ein gigantisches Universum in Gang setzen kann – dazu benötigte es unbedingt zunächst einen kräftigen Impuls. Bis Christopher Nolans „The Dark Knight” 2008 in die Kinos kam, war „Spider-Man” für mich der Nonplusultra-Film des Heldenkinos. Übrigens finde ich im Gegensatz zu den meisten Anderen auch den umstrittenen dritten Teil rundum gelungen.

    Eine Instant-Suppe als Reboot

    Doch danach startete Sony sein „Spider-Man”-Franchise einfach neu. Nur fünf Jahre nach dem letzten Film erschien im Jahr 2012 das Reboot „The Amazing Spider-Man”. Und auch wenn Schauspieler Andrew Garfield das Erbe von Tobey Maguire absolut überzeugend auszufüllen vermochte, konnte ich nur sehr wenig mit Marc Webbs Marken-Neustart anfangen. Denn im Grunde wurde einfach noch einmal die gleiche Geschichte von vorne erzählt. Vor allem Peters Vorgeschichte und der Tod seines Onkels Ben (im Reboot von Martin Sheen verkörpert) wirkte einfach nur müde aufgewärmt. Dem Film fehlte letztendlich gänzlich die Eigenständigkeit.

    Mit diesen Problemen hat der neue Spider-Man, der dritte innerhalb von gut fünfzehn Jahren, nicht zu kämpfen. Nach dem Anfang 2015 beschlossenen Deal zwischen Sony und Disney durfte Peter Parker nämlich endlich im MCU an der Seite der Avengers mitwirken. Doch das hieß natürlich, dass das eigentlich gerade erst gestartete „Amazing Spider-Man-Franchise” wieder begraben werden musste und mit dem jungen Tom Holland ein neuer Hauptdarsteller her musste. Ein Volltreffer, wie sich später herausstellen sollte.

    Alles auf eine Karte

    Für mich war die Meldung damals jedoch erst einmal ein Schock und noch heute trauere ich dieser Entscheidung ebenso hinterher, wie ich sie gutheiße. Denn obwohl das 2012er-Reboot mich damals schwer enttäuscht hat, konnte der Nachfolger „The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro” mich enorm überzeugen. Ohne all den Story-Ballast des Vorgängers, ohne den Zwang, eine Origin-Story erzählen zu müssen, funktionierte der Webb-Garfield-Spidey plötzlich. Und auch an Netze, die nicht mehr aus Peters Arm, sondern – wie in den originalen Comics – aus einer Apparatur geschossen kommen, konnte ich mich langsam gewöhnen. Gerade das enorm tragische wie mutige Ende, welches auch die Sinister-Six, quasi das Suicide Squad des Spiderverse, für spätere Filme ankündigte, machten enorm Lust auf die Zukunft. Das liegt jedoch nun komplett auf Eis. Alles nur, damit Spidey Captain Americas Schild klauen darf.

    Doch tatsächlich ist Tom Hollands Version des New Yorker Superhelden das Beste, was den Avengers passieren konnte. Seine stark verjüngte und einfach erfreulich normale Figur des Peter Parker bildet einen wunderbaren Kontrast zum Rest des Ensembles, der vornehmlich aus enorm kampferprobten Supersoldaten oder sogar Göttern besteht. Aber auch von seinen eigenen Vorgängern kann sich Holland absetzen. Denn die Marvel Studios haben es zusammen mit Sony geschafft, den neuen Spider-Man eben nicht erneut wie eine Kopie rüberkommen zu lassen, sondern etwas komplett Individuelles und Autarkes kreiert.

    Spidey an der Seite der Avengers: Ein Novum

    So schwingt sich Hollands Peter auch in „Avengers 3” mit frechen wie lockeren Sprüchen durch die Szenerie und auch seine wichtige Beziehung zu Tony Stark (Robert Downey Jr.) sticht mehr denn je heraus. Schon in „Spider-Man: Homecoming”, der in meinem MCU-Ranking den vierten Platz belegt, hat man Stark alias Iron Man nicht etwa lediglich aus Marketingzwecken integriert: Für Peter ist Tony nicht nur ein Mentor, sondern auch eine Vaterfigur und ersetzt damit quasi die Figur des Onkel Ben, die im MCU gar nicht erst auftaucht oder erwähnt wird.

    Auch sonst wird die Vorgeschichte von Spidey nicht erzählt. Ein Glücksgriff für das gesamte Marvel-Universum. Denn wirklich jeder sollte einerseits mittlerweile wissen, dass Peter von einer Spinne gebissen wurde und bei seiner Tante lebt und auf der anderen Seite erlebt man als Zuschauer am eigenen Leib mit, wie der Oberschüler plötzlich ohne Umschweife aus seiner gewohnten Umgebung in Queens gerissen und in einen epischen Kampf um Leben und Tod geworfen wird – bereits eingeleitet durch den ersten MCU-Auftritt in „The First Avenger: Civil War”, als Tony seinen Schützling spontan für den Kampf gegen den desertierten Kollegen Steve Rogers/Captain America rekrutiert und trotz Hausaufgaben aus New York einfliegen lässt. Diese extremen Gegensätze des gewöhnlich Alltäglichen aus der Welt Peters und dem Gigantismus der Avengers machen den Reiz des neuen Spider-Mans und eben auch seinen anschließenden inneren Konflikt in „Homecoming” ungemein aus.

    Der tragischste aller Tode in “Infinity War”

    Dass Peter also am Ende von „Avengers 3: Infinity War” sich nach dem verlorenen Kampf gegen Thanos in Luft auflöst und in den Armen von seinem Beschützer Tony einen dramatischen Tod stirbt, ist für mich folglich der wohl tragischste Verlust im ganzen Film. Doch natürlich trägt man bei Marvel und Sony nicht schon wieder einen Spidey-Darsteller zu Grabe. „Homecoming 2” ist ja schließlich schon angekündigt und wir haben bereits ausführlich darüber diskutiert, ob und wie die gefallenen Helden zurückkehren könnten.

    Die Avengers haben jedenfalls auch eine Weile gut ohne ihren Wandkrabbler funktioniert, doch nun sind sowohl das Team selbst als auch die zukünftigen Filme für mich ohne Spidey nicht mehr vorstellbar. Also alles richtig gemacht, Sony? Nicht ganz, denn auch weiterhin würde ich wahnsinnig gern eine Fortsetzung zu Marc Webbs großartigem „The Amazing Spider-Man 2” sehen. Eine  „Macke” daraus ist übrigens erhalten geblieben: Netze, die aus Apparaten verschossen werden, mutet mir wie in den alten Comics auch Tom Holland zu.

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    Kommentare
    • Vanessa
      Mit Holland hätte die ganze Reihe endlich in Spiderboy umbenannt werden sollen.
    • Dom
      Mir gingen diese ewigen Selbstzweifel ,Schuldgefühle etc. in den Comics auf die Nerven ,auch wenn sie Teil des Charakters sind ,aber das ist halt ne persönliche Meinung
    • Silvio B.
      Und keiner spricht mehr über Nicholas Hammond :)Stimme absolut zu. Holland ist gut, hat mich aber immernoch nicht vollends überzeugt. Von dem ganzen technischen Kram ganz zu schweigen. Auch wenn das vielleicht den Comics entspricht.
    • DerHitman
      Und wieso nicht?
    • Sentenza93
      Also meine Reihenfolge bleibt:1. Tobey MaguireUnd dann muss ich sagen, unentschieden zwischen Garfield und Holland. Wobei vllt. mit einer Nasenspitze Vorsprung Garfield.Und zum Thema Die Netze aus Apparaten: Ich habe mich sowieso immer gefragt, der hat einen Spinnensinn und was weiß ich nicht noch, kann aber keine Netze so verschießen? Fand Raimi's Ansatz da eigentlich ganz cool. Gut, normalerweise kommen die Netze nicht aus dem Handgelenk bzw. den Beinen einer Spinne :D, aber ihr wisst, was ich meine. :D
    • hunter_x
      Tom Holland ist ein sehr guter Spider Man, aber Homecoming war leider sehr schwach. Da fand ich beide Teile mit Andrew Garfield besser, vor allem Teil 1. Trozdem mag ich den Charakter nach wie vor sehr gerne, und bin gespannt was Marvel/Sony noch daraus macht.
    • disneyfan5000
      Ich fand Rise of Electro auch wirklich besser als der Vorgänger. Deshalb habe ich damals nicht verstanden, warum man dann Spider-Man ins MCU integrierte. Tom Holland ist ein guter Spider-Man. Ich finde er passt zu Spider-Man und wirkt verdammt sympathisch. Ich war überrascht und erschrocken, als er in Avengers 3 sich in Luft aufgelöst hat.
    • Kelros
      Tja ich konnte mit der Amazing Spiderman-Reihe nicht so viel anfangen. Für mich war Andrew Garfield kein passender Peter Parker, was zum Teil aber wahrscheinlich auch an den Drehbüchern lag. Aber so wie er ihn dargestellt hat, passte es einfach nicht für mich. Den Film Rise of Electro fand ich jedoch etwas besser, als den ersten Teil, wenn auch noch nicht wirklich gut.Die ersten beiden Raimi Teile fand ich jedoch richtig stark und würde sagen die gehören für mich auch heute noch zu den besseren Comicverfilmungen. Der dritte Teil schwächelte aus meiner Sicht einfach an der Tatsache, dass der Film überladen war. Venom hätte es da nicht gebraucht. Vielleicht schon mal ein paar Anspielungen im dritten Teil um ihn dann im vierten zu bringen, wäre deutlich besser gewesen.Venom war früher einer meiner liebsten Gegenspieler gewesen, aber die Art wie er in Teil 3 dargestellt wurde, war dessen nicht würdig.Die neue Spidermanreihe und Darstellung finde ich wieder gut und schließe mich dem Autor an. Was man bisher gesehen hat war schon gut gemacht und auch wenigstens keine neue Origin-Story. Das einzige ist, dass ich mir vielleicht eher gewünscht hätte, dass er wieder etwas mehr Eigen- und Bodenständigkeit hat und vielleicht einen einfachereren Anzug tragen würde ohne High-Tech.Aber andererseits finde ich schon, dass er ansonsten sehr gut ins Marvel Universum passt, auch von der Geschichte und den Erzählungen und freue mich auf alles weitere was noch kommt.
    • WhiteNightFalcon
      Der beste Held.... gut sowas ist IMMER ne persönliche, subjektive Sache.🤔Für mich kommen davor noch Iron Man, Cap, Rocket, Star Lord, Ant-Man.... die ganzen in Frauentarnung unterwegseienden Helden, wie Black Widowman, Gamoraman, Mantisman, Scarlett Witchman.... halt alle nur denkbaren .....man, die man so vor Spidermanboy einsortieren kann, bis er auf dem letzten Platz steht. Und dann kommen Insektenspray und Fliegenklatsche zum Einsatz. Viel ökologischer, als der Infinity Gauntlet. 😂
    • Dom
      Als den besten Marvelhelden würde ich ihn nicht bezeichnen ,als bekanntesten schon,aber nicht als besten .
    • Bj?rn Becher, FILMSTARTS.de
      Das hat ja nichts mit Unkenntnis zu tun, sondern mit der Vorliebe des Kollegen. Deswegen ist es ja ein ganz persönlicher Text von Alex, was er am liebsten mag (und nicht ein Text, was Comic-Puristen am liebsten mögen). Und die Frage, ob die Web-Shooter lieber organisch wie bei Raimi oder mechanisch wie in den klassischen Comics und bei den jüngeren Filmen sind, ist ja eine Debatte, die sogar das Spidey-Comic--Fan-Lager teilt (wie die ganzen Nerd-Foren-Diskussionen dazu zeigen) und sogar in den Comics aufgegriffen wurde (als Spider-Man in der Story Under my Skin dann für einige Zeit organische Shooter auch in den Comics bekam.
    • Fabian Petrusky
      Eine Macke daraus ist übrigens erhalten geblieben: Netze, die aus Apparaten verschossen werden, mutet mir auch Tom Holland zu.Da spricht die Unkenntnis über die Comicherkunft. In Comics hatte Spidey immer diese Apparate, Netzwerfer. Dieses, in meinen Augen, Unding mit den Netzen direkt aus den Handgelenk kam von Sam Raimi.Und wer den den 3. Teil als rundum gelungen empfindet,, hat sich nicht mal ansatzweise mit den Comics und deren Figuren beschäftigt. Denn wie Venom in den Film dargestellt bzw. umgesetzt wurde, war schlichtweg grauenhaft.
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