Das lange Warten hat sich nur zum Teil gelohnt
Von Chantal NeumannIhr Erstlingsroman „Der Teufel trägt Prada“ wurde nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2003 von der Kritik keineswegs mit Lob überhäuft – doch das dürfte Lauren Weisberger kaum beeindruckt haben. Denn die Leserschaft reagierte umso begeisterter: Das Buch hielt sich ein ganzes Jahr lang auf der Bestsellerliste der New York Times. Der endgültige Ritterschlag folgte 2006 mit der gleichnamigen Verfilmung, die zum weltweiten Erfolg wurde und heute längst Kultstatus genießt. Trotzdem ließ sich Weisberger ganze zehn Jahre Zeit, bevor sie schließlich eine Fortsetzung ihres Bestsellers veröffentlichte – und sogar rund zwanzig Jahre liegen nun zwischen dem ersten Film und „Der Teufel trägt Prada 2“.
Allein die Frage, wo die ikonischen Figuren nach so langer Zeit stehen, macht den Reiz der Fortsetzung aus. Mit einer guten Portion Nostalgie und vielen Anspielungen auf den ersten Teil – welcher türkisblaue Gürtel soll es denn nun sein? – kann man durchaus seine Freude an „Der Teufel trägt Prada 2“ haben. Doch trotz der Begeisterung über das Wiedersehen mit den ikonischen Figuren und einem interessanten neuen inhaltlichen Fokus auf die Medienlandschaft und die schwierige Lage des Journalismus enttäuscht das Legacy-Sequel. Nicht nur variiert der Film im Grunde lediglich die Plotstruktur des ersten Teils, auch strecken zu viele zweckgesteuerte Nebenfiguren die Handlung unnötig in die Länge.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Rund zwei Jahrzehnte ist es her, dass Andrea „Andy“ Sachs (Anne Hathaway) und Emily Charlton (Emily Blunt) als Assistentinnen unter der gefürchteten Modemagazin-Chefin Miranda Priestley (Meryl Streep) litten. Inzwischen haben beide Frauen ihre eigenen Wege eingeschlagen: Andy ist eine erfolgreiche Journalistin geworden, während Emily als Managerin einer Luxusmarke Karriere gemacht hat. Für Miranda hingegen sind die Zeiten des mühelosen Erfolgs vorbei – im digitalen Zeitalter verliert ihr klassisches Printmagazin „Runway“ zunehmend an Bedeutung. Doch wie es das Schicksal will, kreuzen sich die Wege von Miranda, Andy und Emily erneut. Auch Art Director Nigel (Stanley Tucci) ist wieder mit von der Partie, wenn sich der Modezirkus in New York erneut in Bewegung setzt.
Im Gegensatz zu vielen anderen sogenannten Legacy-Sequels gelingt es „Der Teufel trägt Prada 2“, einen reflektierten Blick auf die heute teils überholten Sichtweisen des ersten Teils zu werfen, ohne dabei belehrend oder aufgesetzt zu wirken. Der Film erkennt durchaus die fragwürdigen Dynamiken der Arbeitswelt oder das problematische Körperbild, doch anstatt diese Aspekte plump zu tadeln, verurteilt er sie subtil. Gerade diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass die Fortsetzung nicht wie eine nachträgliche Korrektur erscheint, sondern wie eine natürliche Weiterentwicklung der Figuren und ihrer Welt.
Trotz gelungenen Modernisierungen schwelgt Teil 2 aber zu sehr im Erfolg des Originals. Wer sich gut an den ersten Film erinnert, wird hier vieles wiedererkennen – doch sobald das wohlig-nostalgische Gefühl verflogen ist, offenbart sich, dass die ständigen Wiederholungen mit einem deutlichen Verlust an Spannung einhergehen. Überraschungen bietet die Handlung kaum, denn zumindest als Fan erkennt man die meisten Wendungen bereits aus der Ferne.
Dieser Mangel an erzählerischem Elan spiegelt sich auch im Ensemble wider: Zwar führt der Film ständig neue Nebencharaktere ein, doch diese bleiben größtenteils blass und wirken wie am Reißbrett entworfen. Die neuen Assistent*innen Jin Chao (Helen J. Shen), Amari (Simone Ashley) und Charlie (Caleb Hearon) etwa sind lediglich dazu da, den bereits bekannten Figuren zuzuarbeiten und ihnen Material für Gags zu liefern – die sich ebenfalls ein bisschen zu oft auf den Wiedererkennungswert des ersten Teils verlassen. Das hat letztlich auch zur Folge, dass der Fortsetzung jene schmerzhafte, menschliche Nähe fehlt, die das Original so besonders gemacht hat. Selbst die intimen Momente wirken eher inszeniert als echt.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Die Kernbesetzung hingegen bleibt ein klarer Pluspunkt. Es ist bemerkenswert, wie mühelos Anne Hathaway, Meryl Streep, Emily Blunt und Stanley Tucci wieder in ihre Rollen zurückfinden – fast wirkt es so, als sei keine Zeit vergangen. Ihr Zusammenspiel macht nach wie vor großen Spaß, auch wenn es gelegentlich leicht gekünstelt wirkt. Besonders Streep verleiht ihrer Figur erneut mit kleinsten Veränderungen in Mimik und Gestik eine enorme Präsenz.
Dass mit David Frankel obendrein derselbe Regisseur verpflichtet wurde, merkt man dem Sequel an: Mit seiner eleganten, temporeichen Inszenierung knüpft der Komödien-Routinier („Wie beim ersten Mal“) direkt an das Original an. Dennoch wurde der Look behutsam modernisiert, sodass sich die Fortsetzung trotzdem zeitgemäß anfühlt. Die Musikauswahl unterstreicht diesen Spagat: Mit „Vogue“ von Madonna greift Frankel ein ikonisches Element des ersten Teils auf, während etwa eine eigens für den Film aufgenommene neue Single von Lady Gaga und Doechii für moderne Akzente sorgt.
Fazit: Trotz des Wiedersehens mit dem ikonischen Cast und einiger gelungener Modernisierungen bleibt die Fortsetzung erzählerisch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zwar sorgt „Der Teufel trägt Prada 2“ immer wieder für stilvolle und nostalgische Unterhaltung, doch die vorhersehbare Handlung und die blassen Nebenfiguren verhindern, dass der Film zu mehr wird als ein emotional kühleres Echo seines Vorgängers.