Mission: Mäusejagd - Chaos unterm Weihnachtsbaum
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Mission: Mäusejagd - Chaos unterm Weihnachtsbaum

Tom Cruise bekommt Konkurrenz auf vier Beinen

Von Christoph Petersen

Nach „Mission: Mäusejagd – Chaos unterm Weihnachtsbaum“ war ich mir fast sicher, dass Regisseur Henrik Martin Dahlsbakken so um 1980 herum geboren sein muss. Schließlich standen für sein turbulentes Festtagsmärchen vor allem zwei Filme Pate, für die er dann genau im richtigen Alter gewesen wäre, als sie 1990 beziehungsweise 1996 in den Kinos gestartet sind. Tatsächlich kam der norwegische Filmemacher („Munch“) zwar erst 1989 auf die Welt – aber dann wird er die Vorbilder eben ganz bestimmt endlos auf VHS-Videokassetten geschaut haben: „Kevin – Allein zu Haus“ und „Mission: Impossible“ (an dessen ikonische Abseil-Szene bereits das deutsche Poster angelehnt ist).

Während der norwegische Originaltitel wörtlich übersetzt „Wenn niemand in die Falle geht“ lautet, ergibt der deutsche Titel mit seiner Tom-Cruise-Reminiszenz also absolut Sinn – zumal der Film auch noch mit einer vielversprechenden Texttafel eröffnet, laut der alle Stunts von professionellen Menschen und Mäusen durchgeführt wurden, und man sie deshalb auch auf keinen Fall selbst zu Hause nachahmen sollte. Und tatsächlich: Wenn sich Menschen-Papa und Mäuse-Papa zu bekriegen beginnen, dann fliegen so richtig die Fetzen. Zum Glück bewahren zumindest die Kinder einen kühlen Kopf.

Auch als Maus kann Lea beim „MENSCH ärgere dich nicht“ sehr gut schummeln… Capelight Pictures
Auch als Maus kann Lea beim „MENSCH ärgere dich nicht“ sehr gut schummeln…

Mäuse-Mädchen Lea (Stimme in der deutschen Fassung: Lina Larissa Strahl) und ihre Familie haben echt Glück gehabt: Sie leben in einem großen Haus auf dem Lande, das schon lange leer steht – und mittendrin haben sie es sich in einem bereits weihnachtlich geschmückten Puppenhaus so richtig gemütlich gemacht. Menschen kennt Lea nur aus den Geschichten ihres Vaters Rasmus – und die sind ganz schön schaurig, wenn er von tödlichen Giften und Fallen erzählt.

Doch dann wird die festlich-besinnliche Ruhe jäh gestört: Der Papa des Menschenjungen Mikkel (Vegard Strand Eide aus „Ein Weihnachtsfest für Teddy“) hat das Haus geerbt – und will dort nun ebenfalls mit seiner Familie Weihnachten feiern. Doch während sich Lea und Mikkel schnell anfreunden, wollen die Mäuse-Eltern und Menschen-Eltern (Sara Khorami, Pål Sverre Valheim Hagen) einfach nicht auf sie hören – und verstricken sich stattdessen in einen schnell eskalierenden Kleinkrieg…

Schön fiese Streiche

Wenn sich – vergleichsweise bescheiden budgetierte – europäische Produktionen an CGI-lastige Effektfilme wagen, dann springen dabei noch immer ziemlich wechselhafte Ergebnisse heraus. Aber der Abstand zur Hollywood-Überkonkurrenz wird trotzdem immer geringer – und „Mission: Mäusejagd“ ist ein Beispiel, wo es wirklich kaum noch auffällt: Hätte die Mäuse-Familie in einem 100-Millionen-Dollar-US-Spektakel noch ein paar bewegliche Härchen mehr? Wahrscheinlich schon! Aber wen interessiert’s, solange „Mission: Mäusejagd“ da abliefert, wo es wirklich drauf ankommt?

Wenn Lea beim ersten Treffen mit Mikkel mit den Miniatur-Teetassen des Puppenhauses hantiert, wirkt das mega-niedlich! Und später, wenn erst einmal der Kleinkrieg zwischen Mensch und Tier losgebrochen ist, fallen die gegenseitigen Attacken nicht nur visuell spektakulär, sondern – in bester „Kevin - Allein zu Hause“-Tradition – mitunter auch schön böse aus: Neben Superkleber beim Haarewaschen und Chilipulver im Kaffee gibt es etwa auch einen zum Bonbon-Mörser umgebauten Toaster, nach dessen Einsatz das Gesicht von Mikkels Papa ähnlich gezeichnet ist wie damals das von Einbrecher Merv (Daniel Stern), nachdem er von Kevin (Macaulay Culkin) das heiße Bügeleisen in die Visage bekommen hat.

Nach dieser „Mission: Impossible“-Gedächtnis-Einstellung erledigt sich wohl die Frage, warum der Film in Deutschland den Titel „Mission: Mäusejagd“ trägt… Capelight Pictures
Nach dieser „Mission: Impossible“-Gedächtnis-Einstellung erledigt sich wohl die Frage, warum der Film in Deutschland den Titel „Mission: Mäusejagd“ trägt…

„Mission: Mäusejagd“ ist lose vom Weihnachtslied-Klassiker „Das Mäuselied“ von Alf Prøysen inspiriert, das in Norwegen buchstäblich jedes Kind kennt und das dort jedes Jahr zur Adventszeit auch im Radio rauf und runter gespielt wird: „Wenn die Nächte lang werden und die Kälte einsetzt, sagt die kleine Mäusemama zu ihrer Kinderschar: ‚Wenn niemand in die Falle geht, aber sich davor hütet, werden wir alle bald wieder Weihnachten feiern!‘“ Aber auch ein Dreivierteljahrhundert nach dem Erscheinen der gedichteten Vorlage erscheint die Moral des Kinofilms jetzt hochaktuell: Viele Konflikte ließen sich allein schon dadurch vermeiden, dass man zur Abwechslung einfach mal auf die Kinder hört…

Fazit: Mit der Wahl von „Mission: Mäusejagd“ als Leinwand-Weihnachtsmärchen macht man diesen Advent garantiert nichts falsch.

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