Fabian und Die mörderische Hochzeit
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Fabian und Die mörderische Hochzeit

Die deutsche Antwort auf "Knives Out"

Von Lutz Granert

Mit seinem hochkarätig besetzten Kreis aus Verdächtigen avancierte die moderne Agatha-Christie-Hommage „Knives Out – Mord ist Familiensache“ mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 310 Millionen Dollar zum riesigen Hit. Netflix roch das Potenzial – und blätterte angeblich satte 450 Millionen Dollar (!) für die Rechte an zwei weiteren launigen Fällen von Meisterdetektiv Benoit Blanc (gespielt von Daniel Craig) hin. Und tatsächlich: „Glass Onion“ und „Wake Up Dead Man“ entwickelten sich auf dem Streamingdienst wie erwartet zum Renner – und wurden insgesamt mehrere Hundert Millionen Stunden geschaut.

Dieser Erfolg blieb natürlich auch der Konkurrenz nicht verborgen – und so setzen die Amazon MGM Studios Deutschland nun bei der ungleich schmaler budgetierten Murder-Mystery „Fabian und die mörderische Hochzeit“ auf ganz ähnliche Zutaten: ein großes Haus, eine Familienfeier, ein Mord, eine exzentrische Spürnase und jede Menge Verdächtige aus der buckligen Verwandtschaft. Die leidlich unterhaltsame Krimi-Komödie ist dabei ganz auf den spielfreudigen und grimassierenden Hauptdarsteller Bastian Pastewka zugeschnitten. Das ist unter der Inszenierung von „Mord mit Aussicht“-Regisseur Markus Sehr jedoch Fluch und Segen zugleich.

Fabian (Bastian Pastewka) muss tief hinabsteigen, um die Wahrheit zum Vorschein zu bringen. Amazon Prime Video
Fabian (Bastian Pastewka) muss tief hinabsteigen, um die Wahrheit zum Vorschein zu bringen.

Beim Abschluss eines lukrativen Immobiliengeschäfts im litauischen Vilnius fliegt ein Hochstapler (Bastian Pastewka) in letzter Sekunde auf. Bei seiner Flucht vor einem bewaffneten Verfolger gerät er in eine Hochzeitsgesellschaft um das Brautpaar Milva (Tamara Romera Ginés) und Clemens (Anton Dreger). Kurzerhand gibt er sich als Fotograf aus, um mit den geladenen Gästen in einem Bus zur Feier-Location in einem abgelegenen Herrenhaus zu entkommen.

Dort soll der Braut bei einer Zeremonie nach Familienbrauch von ihrer Tante Nikola Wankdorff (Nicole Beutler) die 40.000 Jahre alte Venus von Wildenfeld vererbt werden, was nicht nur die Begehrlichkeiten des geldgierigen Kleinkriminellen weckt. Als ein Mord geschieht und die Venus entwendet wird, gibt sich der Trickbetrüger als Kripo-Beamter Fabian Kurtz aus, um nach dem wertvollen Schmuckstück suchen (und es sich im Fall der Fälle möglichst in die eigene Tasche stecken) zu können …

Bastian Pastewka ist der größte Trumpf

Widerwillig schlittert Bastian Pastewka als durchtriebener Gauner immer tiefer in ein vertracktes Krimi-Puzzle mit Familienkonflikten zwischen Eifersucht, Geldsorgen und snobistischer Verachtung. Zu Beginn scheint bei einer holprigen Verfolgungsjagd zu Fuß noch deutlich die Unsportlichkeit des retro-affinen Komikers und TV-Nostalgikers durch, die er mit einem eigenwilligen, entfernt an den Monty-Python-Gag um das „Ministerium für alberne Gangarten“ erinnernden Rumgehampel zu überspielen versucht. Doch diese (bewusste?) Unbeholfenheit legt Pastewka schnell ab – stattdessen gelingt es ihm, den Film gerade mit einigen besonders spleenigen Marotten seines windigen Charakters an sich zu reißen.

Mit urkomischer Nonchalance gibt er am Tator aus Film und Fernsehen bekannte Krimi-Floskeln zum Besten – und improvisiert nicht nur beim Erfinden einer vermeintlichen Sondereinheit immer dreister, bevor er sich im nächsten Moment selbst als ausgesprochen schreckhaft erweist. Schade nur, dass seine Beobachtungen und Erkenntnisse als Fabian Kurtz fürs Publikum ohne doppelbödige Wendungen so beiläufig und wenig spannend geschehen, dass der Spaß am Miträtseln bis zur 20-minütigen Auflösung eher überschaubar ausfällt. Auch die Gag-Dichte fällt im Skript des Autor*innen-Quartetts um Judy Horney („Charité“) eher gering aus, wenn über Old Shatterhand diskutiert und mit Hipstern – wahlweise dauermüde oder abergläubische Möchtegern-Influencer – abgerechnet wird.

Fabian präsentiert stolz einen der vielen Hinweise, auf die er bei seinen Ermittlungen stößt. Amazon Prime Video
Fabian präsentiert stolz einen der vielen Hinweise, auf die er bei seinen Ermittlungen stößt.

Gerade Pastewkas starke Präsenz macht es den anderen Ensemble-Mitgliedern mit ihren überspitzt und reißbrettartig gezeichneten Charakteren aber auch verdammt schwer, schauspielerisch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Am ehesten gelingt es noch Ercan Durmaz als ebenso misstrauischem wie heuchlerischem Richter (Zitat seiner Frau: „außen Gandhi, innen Stalin“), das Szenario mit (eigenem) Charakter und Streitlust zu würzen.

„Fabian und die mörderische Hochzeit“ wurde in Litauen und Lettland gedreht und besticht ebenso mit farbenfrohen Kostümen wie mit liebevoll eingerichteten Interieurs. Die Produktion ist sichtlich hochwertig und edel ausgestattet – und Bastian Pastewka ist knapp 20 Jahre nach seinem letzten Kriminologen-Auftritt in einem abendfüllenden Film (damals: „Neues vom Wixxer“) spürbar in seinem Element. Vor allem diese beiden Faktoren heben den ansonsten etwas seicht dahinplätschernden Krimi-Plot, der trotzdem durchaus Potenzial für eine ganze Filmreihe mitbringt, von durchschnittlicher TV-Kost positiv ab.

Fazit: „Fabian und die mörderische Hochzeit“ ist ganz auf den gut aufgelegten Bastian Pastewka zugeschnitten. Gerade aufgrund seiner überwiegend blass bleibenden Nebenfiguren kann die laue Krimi-Komödie dem (über-)großen Vorbild „Knives Out“ jedoch längst nicht das Wasser reichen.

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