Unsafe
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Unsafe

Eingesperrt in einem Tresor – mit nur noch 40 Minuten Luft zum Atmen!

Von Christoph Petersen

Egal ob der Heldenpilot in „Sully“ oder die Journalisten in „Spotlight“ – es kann im Kino unglaublich befriedigend sein, einfach nur Menschen dabei zuzusehen, wie sie selbst in Ausnahmesituationen weiterhin hochprofessionell ihren Job erledigen. Der deutsch-österreichische Thriller „Unsafe“ ist das genaue Gegenteil davon: So ziemlich jede einzelne Entscheidung des herbeigerufenen Feuerwehr-Duos, das ein sechsjähriges Mädchen aus einem Standtresor im Keller eines abgelegenen Landhauses ohne Handyempfang befreien muss, bewegt sich irgendwo zwischen hochgradig unprofessionell und geradeheraus bescheuert.

Das hat dann auch nichts mehr mit dem augenzwinkernden „Geh nicht allein nach oben“-Horror-Meme zu tun, sondern besitzt in dieser konzentrierten Form tatsächlich das Zeug dazu, den kompletten Film aus der Bahn zu werfen. Dabei ist das längst nicht das einzige Problem, das den neuen Thriller von „Kidnapping Stella“- und „Prey“-Regisseur Thomas Sieben zu einer frustrierenden statt nervenaufreibend-spannenden Seherfahrung macht.

Der sechsjährigen Laura bleibt nur noch Luft für etwa 40 Minuten – höchste Zeit also, alle denkbaren Escape-Room-Techniken anzuwenden. Wild Bunch
Der sechsjährigen Laura bleibt nur noch Luft für etwa 40 Minuten – höchste Zeit also, alle denkbaren Escape-Room-Techniken anzuwenden.

Das geht schon beim üblichen Trauma-Klischee los, das ohne jede Variation als einzige Charaktermotivation für die Protagonistin herhalten muss: Feuerwehrfrau Alex Birk (Jeanne Goursaud) konnte bei einem Großbrand ein kleines Mädchen nicht retten – und hat in der Folge mit dem Trinken angefangen. Ihr Kollege und Liebhaber Jakob Gotthardt (Laurence Rupp) ist deshalb auch skeptisch, als sie zu einem Einsatz gerufen werden, in dem es ausgerechnet um die Befreiung eines Kindes geht. Zumal die Sache am Telefon noch vergleichsweise harmlos klang: Da war lediglich von einem im Keller eingesperrten Mädchen die Rede.

Vor Ort ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Der Vater Mark Krüger (Anton Noori) führt die Feuerwehrleute nach unten, wo ein historischer Standtresor aus den 1930er-Jahren steht – seine Tochter Laura habe sich beim Versteckenspielen versehentlich selbst darin eingeschlossen, und weil der Safe vom kürzlich verstorbenen Vorbesitzer des Hauses zurückgelassen wurde, hat auch niemand die Kombination. Ein Anruf beim Schlosser René Rademeyer (Christoph F. Krutzler) ergibt: Knacken lässt sich der massive Stahlkasten mit seinen vier Zahlrädern kaum – und weil er hermetisch abgeschlossen ist, dürfte auch die Luft zum Atmen maximal noch für eine Dreiviertelstunde ausreichen. Ein atemloser Kampf ums Überleben der Sechsjährigen beginnt …

Für einen kleinen Plausch ist immer Zeit

Wobei zumindest die Beteiligten selbst es mit dem „atemlos“ nicht so ernst zu nehmen scheinen – denn trotz der atemluftbedingten Zeitknappheit trödeln hier alle ganz schön rum. Wenn Alex nur schnell was aus dem Auto holen will, dann wird halt auch noch kurz mit dem mysteriösen Nachbarn Thomas Schott (August Schmölzer) gequatscht. Sowieso wird gefühlt mehr darüber diskutiert, ob der Vater und seine später von der Arbeit hinzugeilte Frau Rebecca (Alexandra Maria Lara) mit im Keller bleiben dürfen, als dass man sich tatsächlich um die Öffnung des Safes kümmert.

Alex und Jakob haben einfach null Autorität – und während man im Thriller-Genre eine herbeikonstruierte Prämisse gerne schluckt, müssen die Figuren im Anschluss doch mal anfangen, sich in der präsentierten Situation zumindest ansatzweise glaubwürdig zu verhalten. Da hilft es auch nicht, dass die Schauspieler*innen ihre Dialoge so brav in die Kamera aufsagen, als würden sie hier nicht in einem Kinofilm, sondern in einem Vorabendkrimi mitwirken. Da wünscht man sich fast, „Unsafe“ würde auf die dümmste aller Wendungen zusteuern und das ganze Geschehen als Trauma-Therapie-Traum von Alex auflösen – das wäre zwar auch alles andere als befriedigend, es würde aber zumindest im Nachhinein erklären, warum sich hier alle so merkwürdig benehmen.

Sie ist zwar keine Polizistin, aber im Fall der Fälle weiß sich auch Feuerwehrfrau Alex (Jeanne Goursaud) sehr wohl zu verteidigen. Wild Bunch
Sie ist zwar keine Polizistin, aber im Fall der Fälle weiß sich auch Feuerwehrfrau Alex (Jeanne Goursaud) sehr wohl zu verteidigen.

Die stattdessen präsentierten Twists sind an sich gar nicht schlecht – selbst wenn man nicht zu sehr darüber nachdenken sollte, ob das bis hierhin an den Tag gelegte Verhalten der Personen rückblickend wirklich so gut zu ihren wahren Absichten passt. Selbst wer zwischendurch nicht genau aufgepasst hat, bekommt kein Problem: Nach dem finalen Reveal ist zwar eigentlich alles glasklar, dennoch wird die Handlung mit Flashbacks noch einmal feinsäuberlich aufgedröselt. Schließlich hat Netflix den Film mitfinanziert – und bei Streaming-Produktionen muss der Plot bekanntlich alle paar Minuten wiederholt werden, weil kaum noch jemand durchgehend aufmerksam zuschaut.

Fazit: Die Prämisse macht Lust und die Wendungen sind auch okay. Aber das unglaubhafte Verhalten der Figuren und das hölzerne Textaufsagen der Schauspieler*innen ersticken jede aufkommende Spannung im Keim.

(Spoiler-)PS: Nachdem es den ganzen Film über um den nicht vorhandenen Mobilempfang ging, steht Alex in der finalen Szene nur wenige Meter vom Haus entfernt und telefoniert mit ihrem Handy, als sei es das Normalste von der Welt. Aber da ist in Sachen Glaubwürdigkeit dann eh auch schon alles egal.

Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
Das könnte dich auch interessieren