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    Maniac
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Maniac
    Von Robert Cherkowski
    Der Serienkiller ist aus dem Kanon der populärkulturellen Filmbösewichter nicht mehr wegzudenken. Nachdem Anthony Hopkins in das „Schweigen der Lämmer" den Renaissance-Menschen im Schlächter porträtierte und Kevin Spacey in „Sieben" den apokalyptischen Boten mit sadistischen Anwandlungen gab, bekommen sie von Autoren und Filmemachern gerne einen (halb-)intellektuellen „Philosophen des Blutes" zugebilligt. Das war nicht immer so: In der ersten Hälfte der 80er Jahre etwa war das Serienkiller-Bild in Filmen noch um einiges realistischer gehalten. In Filmen wie Gerald Kargls „Angst" oder John McNaughtons „Henry – Portrait of a Serial Killer" orientierte man sich eher an den realen Vorbildern wie Jack Unterweger, Henry Lee Lucas, David Berkowitz oder Ted Bundy, die weder über eine sonderlich faszinierende Ausstrahlung oder herausragenden Intellekt verfügten, sondern getriebene Bestien waren, die von narzisstischen Störungen und sexualisierten Gewaltfantasien angefeuert wurden. Einer der Klassiker dieser neuen, äußerst harten Welle des Killer-Thrillers war zweifellos William Lustigs Underground-Schocker „Maniac" aus dem Jahre 1980. Lustig und Hauptdarsteller Joe Spinell blicken tief in den Rachen der Bestie. Zusehen sollten hier nur die Zuschauer, die über ein starkes Nervenkostüm verfügen. Sie werden es brauchen.

    Wenn Frank Zito (Joe Spinell) sich des Nachts auf den Weg durch die dreckigen und von Smog vernebelten Straßen New Yorks macht, tut jede Frau gut daran, lieber schnellstmöglich das Weite zu suchen. Zito ist ein Wahnsinniger, der junge Frauen ermordet und skalpiert. Ihre blutigen Haarschöpfe steckt er daheim den Schaufesterpuppen auf, mit denen er in seiner engen, bedrückenden Wohnung haust, in der er sonst nur Selbstgespräche führt, oder von der vorwurfsvollen Stimme seiner toten Mutter geplagt wird. Als er die junge Fotografin Anne (Caroline Munro) kennenlernt, irritieren ihn die Gefühle, die er für sie hegt, zumal weder sein eher abstoßendes Äußeres noch seine Schrulligkeiten Anne zu stören scheinen.

    Von „Maniac" zu sprechen heißt auch, von Joe Spinell zu sprechen, der sich als Maskottchen und Vertrauter zahlreicher New Yorker Filmemacher und Buddy der Stars in den 70ern zahlreiche Nebenrollenmeriten verdient hat. Ob in Coppolas ersten zwei „Paten"-Filmen, Stallones „Rocky", Scorseses „Taxi Driver" oder Friedkins „Cruising" - Spinells Charaktergesicht taucht immer wieder auf. In Lustigs Killer-Schocker rückt Spinell erstmals in eine Hauptrolle und nutzt seine Chance, Vollgas zu geben. Mit Furcht einflößender Körperfülle, fettigem Haupthaar, Pockennarben und Schweißausbrüchen trottet er durch die Straßen des New Yorks der späten 70er-Jahre. Durch die Linse von Robert Lindsays Kamera erscheint die Stadt wie ein irdisches Fegefeuer aus Smog, Dreck und allgemeiner Feindseligkeit und erinnert beizeiten sogar ein wenig an den Moloch in Scorseses „Taxi Driver".

    Nun sollte man Lustigs Film jedoch keinesfalls als sensibles Psychogramm verstehen. „Maniac" ist nackte Exploitation in Reinkultur. Lustig inszenierte für einen Spottbetrag von 350.000 Dollar einen kompakten und ungestüm voran preschenden Reisser, der in erster Linie auf Effekt und Nervenkitzel zielt. Mit grobkörnigen Bildern pirscht der Film zu den Klängen des hundsgemeinen Synthie-Scores von Jay Chatterway durch die hässlichen Ecken New Yorks. Ein Mann der zarten Pinselstriche war Lustig nie. Auch „Maniac" ist ein Film, der eher durch seine Wucht denn durch inszenatorische Feinarbeit besticht. Doch die Atmosphäre der Bedrohung, des Terrors und das Wissen darum, dass Zitos Attacken zumeist erfolgreich bleiben werden, verleihen dem Film eine Aura wahrer Bosheit und Gefahr, von der die meisten Horror-Filme nur träumen können.

    Fazit: „Maniac" ist eine düstere Wundertüte, die von repetitiv inszenierten Morden über Elemente aus dem Psychothriller und dem klassischen Drama bis hin zum drastischen Horrorreißer alle Register zieht. Auch wenn die plakative, stets auf Effekt, Schock und Ekel ausgerichtete Inszenierung durchaus ein wenig befremdlich wirkt, umweht ihn doch eine Aura der Gefahr, die noch heute fesselt und bedrückt.
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